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Therapie

Reittherapie: Vertrauen aufbauen

Sarah Handte 7 Min. Lesezeit
Ein Kind führt ein Pony an der Hand im Kreis - Reittherapie in Renningen

Ein Kind führt ein Pony an der Hand im Kreis - Reittherapie in Renningen

Gestern ist was passiert, das ich euch erzählen muss.

Ein Junge, nennen wir ihn Tim, ist seit drei Monaten bei mir. Am Anfang wollte er nicht mal in den Stall. Zu laut, zu unbekannt, zu viel. Gestern hat er Quacky alleine von der Weide geholt. ALLEINE. Hat das Halfter angelegt, hat sie geführt, hat dabei die ganze Zeit mit ihr geredet.

Seine Mutter stand neben mir und hat geweint.

Das ist Reittherapie. Nicht das Reiten an sich, obwohl das auch passiert. Sondern diese Momente. Wenn ein Kind merkt, dass es fähig ist. Dass jemand ihm vertraut. Und dass es selbst vertrauen kann.

Bevor's losgeht: Was ich mir überlege

Jede Stunde fängt eigentlich schon vor der Stunde an. Bei mir im Kopf.

Was braucht dieses Kind heute? Das ist die Frage. Nicht: Was steht auf meinem Plan? Sondern: Was braucht es HEUTE?

Letzte Woche kam ein Mädchen, total aufgelöst. Stress in der Schule, Streit zu Hause, alles doof. Mein Plan war eigentlich Bodenarbeit mit Parcours. Aber sie brauchte was anderes. Also haben wir uns zu Penelope gesetzt. Die stand auf der Weide und hat gefressen. Und wir haben einfach nur geguckt. Zehn Minuten. Still. Bis sie durchatmen konnte.

Was ich vorbereite:

  • Die Pylonen, Stangen, Bälle. Je nachdem, was ich denke, das heute passt
  • Das richtige Pony. Simon für die Quirligen, Sleepy für die Ängstlichen, Balu für die, die viel Nähe brauchen
  • Meinen eigenen Kopf. Ich muss auch runterkommen, bevor ich mit einem Kind arbeite. Die spüren das sofort, wenn ich gestresst bin

Das Pony steht übrigens nie eingesperrt in der Box und wartet. Es ist draussen, sichtbar, ansprechbar. Das Kind kann entscheiden: Gehe ich hin, oder brauche ich noch einen Moment?

Sicherheit ist nicht verhandelbar

Ich sag’s mal so: Ponys sind keine Fahrräder. Die haben Beine und Köpfe und Meinungen. Deshalb gibt’s ein paar Regeln, die ich jedem Kind beibringe. Aber nicht als Verbote, sondern als Logik.

Warum wir immer auf der gleichen Seite vom Pony bleiben wie das Kind:

Weil ich dann reagieren kann, wenn was ist. Und weil das Kind sich nicht zwischen mich und das Pony gequetscht fühlt.

Warum wir nicht unter dem Bauch durchgehen:

Weil das Pony erschrecken könnte. Nicht weil es böse ist, sondern weil es ein Instinkttier ist. Coco hat mal gezuckt, weil eine Plastiktüte geraschelt hat. Stellt euch vor, da wäre ein Kind drunter gewesen.

Der Knoten am Anbindebalken:

Den lernt fast jedes Kind nach ein paar Stunden. Und wisst ihr was? Das ist Mathe im echten Leben. Links, rechts, durch, ziehen. Und plötzlich hält das Pony. Die Kids sind so stolz auf diesen doofen Knoten.

Das Wichtigste:

Ich erwarte nicht Perfektion. Ich erwarte Aufmerksamkeit. Wenn ein Kind sich unsicher fühlt, darf es das sagen. Wenn es Angst hat, gehen wir langsamer. Aber aufpassen, das schon.

Manchmal heisst Reittherapie: nicht reiten

Das verstehen manche Eltern am Anfang nicht.

“Aber er war doch gar nicht auf dem Pony?”

Doch, war er. Emotional. Innerlich. Nur halt nicht physisch oben drauf.

Manche Kinder brauchen erstmal Wochen, bis sie überhaupt in die Nähe von Napoleon wollen. Dann bürsten wir von der Seite. Dann vielleicht mal die Mähne anfassen. Dann am Hals klopfen. Und irgendwann, vielleicht nach einem Monat, vielleicht nach drei, steigt das Kind auf. Weil ES soweit ist. Nicht weil ich es war.

Ich hab auch Kinder, die eigentlich gut reiten können, aber bei denen geht’s um was anderes:

  • Einem, dem alles zu schnell geht, üben wir LANGSAM sein. Fiona geht langsam. Das Kind muss warten. Das ist die Übung
  • Eine, die nie Gefühle zeigt, erzählt Kylo alles. Der hört zu. Urteilt nicht. Redet nicht weiter
  • Einer, der ständig Grenzen testet, merkt bei Attila: Hier sind Grenzen. Aber faire. Das ist okay

“Eine Mutter hat mich mal gefragt: ‘Was lernt mein Sohn hier eigentlich?’ Ich hab gesagt: ‘Geduld. Vertrauen. Dass er wertvoll ist.’ Sie meinte: ‘Das steht aber nicht auf dem Zeugnis.’ Nee. Aber es steht in seinem Gesicht, wenn er nach Hause kommt.”

Sarah Handte

Wo bleiben die Eltern?

Meistens draussen. Oder auf der Bank in Sichtweite.

Das ist bewusst so. Das Kind braucht SEINEN Raum mit dem Pony. Ohne Mama, die ruft “Pass auf!” Ohne Papa, der filmt.

Ich sag den Eltern immer: “Ihr dürft da sein. Aber seid still. Beobachtet. Mischt euch nicht ein.”

Das ist manchmal schwer. Ich versteh das. Wenn euer Kind Angst hat und ihr wollt helfen. Aber oft hilft es mehr, wenn IHR vertraut. Mir. Dem Kind. Dem Pony.

Am Ende der Stunde reden wir kurz. Was war gut? Was war schwer? Manchmal erzählt das Kind selbst, manchmal erzähl ich. Und dann geht ihr nach Hause. Und das Kind redet die nächsten drei Tage von nix anderem als von Ruffy.

Das ganze Drumherum

Es gibt noch organisatorische Sachen, klar. Datenschutz (ich red mit niemandem über euer Kind, ausser ihr wollt das), Kosten (können wir besprechen, es gibt verschiedene Modelle), medizinische Infos (die brauch ich, damit ich Bescheid weiss).

Aber das alles klären wir im Erstgespräch. Ganz in Ruhe. Ohne Druck.

Was ich dafür brauche:

  • Ein bisschen Zeit. So 30-45 Minuten
  • Ehrlichkeit. Was ist los mit eurem Kind? Was habt ihr schon probiert? Was erhofft ihr euch?
  • Keine Diagnose. Die ist hilfreich, wenn’s eine gibt, aber keine Voraussetzung

Was ihr kriegt:

  • Einen Eindruck vom Hof und den Ponys
  • Meine Einschätzung, ob und wie ich helfen kann
  • Einen Plan, wenn ihr weitermachen wollt

Wisst ihr, warum ich das hier mache? Weil ich glaube, dass jedes Kind es verdient, sich wertvoll zu fühlen. Manche finden das auf dem Fussballplatz. Andere im Musikunterricht. Und manche, vielleicht euer Kind, finden es bei Chica, Napoleon oder Lennox. Auf dem Rücken eines Ponys, das einfach da ist. Warm, geduldig, ehrlich.

Kontakt Sollen wir uns kennenlernen?

Keine Verpflichtung, kein Verkaufsgespräch. Einfach ein Gespräch. Bei Sonne oder bei Regen, ich bin hier.

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