Ratgeber
Nach der 10. Einheit: Was sich wirklich verändert hat
Zehn Termine sind keine Zahl, die im Reitsport besonders bedeutsam wäre. In der kindlichen Entwicklung schon.

Kind reitet entspannt und selbstständig auf einem Pony
Für eilige Eltern (TL;DR)
- Nach 10 Einheiten ist nicht das Reiten das Entscheidende, sondern das Vertrauen: ins Tier, in sich selbst, in Abläufe.
- Eltern berichten oft von Veränderungen auch außerhalb des Stalls: mehr Geduld, mehr Ausdauer.
- Der reitsportliche Fortschritt ist real, aber sekundär gegenüber der Charakterentwicklung.
Zehn Einheiten klingen nach nicht viel. Im Reitsport stimmt das – zehn Stunden ergeben noch keine stabile Reitertechnik.
Aber für ein Kind zwischen 4 und 8 Jahren bedeuten zehn Ponystunden etwa folgendes: Zehn Momente, in denen ein Lebewesen mit echten Reaktionen auf das eigene Verhalten reagiert hat. Zehn Mal lernen, ruhig zu bleiben, wenn man eigentlich aufgeregt ist.
Das hinterlässt Spuren – und die sind oft nicht dort, wo Eltern sie erwarten.
Was im Stall sichtbar wird
Nach 10 Einheiten bewegt sich das Kind auf dem Hof wie jemand, der dazugehört.
Praktisches:
- Das Kind kennt die Abläufe und macht sie ohne Anleitung: Helm holen, Bürste greifen, Pony begrüßen
- Es weiß, wie es sicher zur Seite tritt wenn ein Pony vorbeigeführt wird
- Es kann das Pony an der Longe ein Stück selbst führen
Selbstsicherheit:
- Das Kind fragt Erwachsene nach dem Weg, wenn es ihn nicht kennt – statt einfach loszulaufen
- Es traut sich, eine Bürste zu fordern, die einem anderen Kind fehlt
- Es beginnt, eigene Beobachtungen zu machen und diese zu verbalisieren: “Das Pony ist heute unruhig”
Körperlich:
- Sitzhaltung ist stabiler, Beine arbeiten mit statt gegen die Bewegung
- Erste Ansätze von eigenem Schenkeleinsatz (Pferde mit dem Unterschenkel vorwärts treiben)
- Deutlich weniger Festhalten am Sattelknauf
Was sich zuhause verändert – was Eltern uns erzählen
Das überrascht Eltern regelmäßig: der Effekt hört nicht auf, wenn das Kind den Stall verlässt.
Was wir oft hören:
“Sie ist geduldiger geworden. Ich weiß nicht warum, aber seit sie reitet, wartet sie besser.”
“Er traut sich jetzt anderen Kindern auf dem Spielplatz einfach Sachen zu sagen, sonst war er immer sehr zurückhaltend.”
“Sie hat erklärt, dass man beim Pony keine lauten Stimmen macht. Und das wendet sie jetzt auch zuhause manchmal an.”
Diese Transferwirkung ist kein Zufall. Ein Tier gibt klares, sofortiges Feedback auf das eigene Verhalten – viel direkter als Menschen es tun. Kinder lernen, dass ihre Handlungen Konsequenzen haben, ohne dass es um Strafe oder Lob geht.
Was nach 10 Einheiten kommt
An diesem Punkt haben die meisten Kinder eine klare Meinung: Sie wollen weitermachen oder sie wollen etwas anderes.
Wenn sie weitermachen wollen, gibt es verschiedene Richtungen:
- Regelmäßige Einzeleinheiten – Kontinuität, festes Pony, eigenes Tempo
- Ferienkurs – Intensivphase, Gruppe, mehrere Tage hintereinander. Mehr dazu
- Reitpädagogik – Für Kinder, die tiefer einsteigen wollen, auch in die Verbindung zwischen Mensch und Tier
Wer nach 10 Einheiten aufhört, hat nichts verloren. Diese Erfahrungen sind gemacht und bleiben. Viele Kinder, die mit 5 Jahren aufgehört haben, kommen mit 10 oder 14 Jahren wieder – mit einer Erinnerungsbasis, die den Wiedereinstieg viel einfacher macht.
Beobachtungsmarker nach der 10. Einheit
- Motorik: Bewegungsablaeufe sind deutlich stabiler, Hilfen werden praeziser.
- Sicherheit: Das Kind zeigt mehr Situationsbewusstsein am Tier und im Hofablauf.
- Selbstvertrauen: Verantwortung wird aktiv uebernommen und in Alltagssituationen uebertragen.


