Zum Hauptinhalt

Ratgeber

Pony führen ohne Ziehen

7 Fehler, die fast alle machen. Und wie es richtig geht.

Sarah Handte 7 Min. Lesezeit
Kind führt ein Pony entspannt am Strick über den Hof

Kind führt ein Pony entspannt am Strick über den Hof

Es gibt kaum was, das so einfach aussieht und so schwer ist wie ein Pony zu führen. Man nimmt den Strick, geht los und das Pony kommt mit. So die Theorie. Die Praxis sieht anders aus.

Die Praxis sieht so aus: Kind zieht am Strick, Pony stellt sich quer, Kind zieht stärker, Pony denkt „nö", Kind wird frustriert, Pony frisst Gras, Kind guckt hilflos. Hab ich ungefähr achttausend Mal gesehen. Und jedes Mal ist es dasselbe Problem: Ziehen funktioniert bei Pferden einfach nicht.

Warum Ziehen nicht funktioniert

Pferde haben einen eingebauten Gegendruckreflex. Wenn du an ihnen ziehst, lehnen sie sich dagegen. Das ist kein Ungehorsam, das ist Physik plus angeborenes Verhalten. Ein fünfhundert Kilo schweres Pferd gewinnt IMMER den Ziehwettbewerb gegen ein dreißig Kilo schweres Kind. Und selbst bei einem Shetty mit hundertfünfzig Kilo hat das Kind keine Chance.

Was stattdessen funktioniert: Impuls statt Druck. Kurze, leichte Signale statt Dauerzug. Du gibst dem Pony ein Signal, und wenn es reagiert, lässt du sofort nach. Das Nachlassen IST die Belohnung. Das Pferd lernt: „Aha, wenn ich losgehe, hört der Druck auf." Und dann geht es immer schneller, immer leichter, bis ein Fingerzeig reicht.

Deine Position

Fehler Nummer eins: Viele laufen vor dem Pferd und ziehen es hinter sich her. Das funktioniert nicht. Du bist nicht die Lokomotive, das Pferd ist nicht der Waggon.

Die richtige Position: Du gehst neben dem Pferd, auf Höhe von Schulter oder Hals. So hast du Kontakt, aber du ziehst nicht. Du gehst mit, nicht voraus. Das Pferd kann dich sehen, du kannst das Pferd sehen. Und wenn du dich drehst, dreht es sich mit dir, weil du auf seiner Höhe bist.

Bei Kindern ist das manchmal schwierig, weil sie kleiner sind als das Pony. Aber auch da gilt: neben dem Hals, nicht vor dem Kopf. Die Hand am Strick, der Blick nach vorne.

Stricklänge

Fehler Nummer zwei: Strick zu kurz. Wenn der Strick so kurz ist, dass er ständig gespannt ist, hat das Pony keinen Raum. Es fühlt sich eingeengt und reagiert mit Gegendruck oder Stehenbleiben.

Die richtige Stricklänge: Etwa eine Armlänge zwischen deiner Hand und dem Halftier. Der Strick hängt leicht durch, ist nie straff. Wenn das Pony stehen bleibt, gibst du einen kurzen Impuls, und der Strick ist wieder locker. So einfach, so schwer.

Und nie, NIEMALS, den Strick um die Hand wickeln. Wenn das Pony erschrickt und losrennt, wird die Hand zerquetscht. Der Strick wird gehalten, nicht gewickelt.

Stop-und-Go-Signale

Fehler Nummer drei: Keine klaren Signale. Das Kind will losgehen, geht einfach los, und das Pony bleibt stehen. Warum? Weil es kein Signal bekommen hat.

Ponys brauchen ein deutliches „Los geht’s". Das kann ein Schnalzen sein, ein „Komm" oder einfach ein entschiedener Schritt nach vorne mit leichtem Impuls am Strick. Wichtig ist, dass das Signal jedes Mal gleich ist. Pferde lieben Routine. Wenn du immer dasselbe machst, weiß das Pferd nach dreimal, was kommt.

Und zum Anhalten: Aufrecht stehen bleiben, tief ausatmen, „Steh" sagen. Das Pferd spürt, dass du langsamer wirst. Wenn es weiterläuft, kurzer Impuls am Strick und ruhig stehen bleiben. Nicht rucken, nicht schreien. Ruhig bleiben.

Mini-Übung

Losmarschieren in 3 Schritten: Stell dich neben dein Pony, Schulter an Schulter. Schau nach vorne, nicht zum Pony. Schnalze einmal und mach einen entschiedenen Schritt. Wenn das Pony mitgeht, Strick sofort locker lassen. Wenn es stehen bleibt, kurzer Impuls, dann sofort locker. Nie ziehen, nie zerren. Den Impuls wiederholen, ruhig bleiben. Es wird kommen.

Kurven und Abstand

Fehler Nummer vier: In Kurven direkt am Pferd kleben. Wenn du eine Kurve gehst und direkt neben dem Pony bist, kann es dich anrempeln oder dir auf den Fuß treten. In Kurven brauchst du etwas mehr Abstand.

Die Innenkurve gehst du leicht voraus, die Außenkurve lässt du dem Pony mehr Platz. Stell dir vor, du bist ein Satellit, der um einen Planeten kreist. Nicht zu nah, nicht zu weit, immer in Bewegung.

Fehler Nummer fünf: Kein Bewusstsein für den Hinterhuf. Viele Kids achten nur auf den Kopf des Ponys, aber der gefährliche Teil ist hinten. Wenn das Pony die Hinterhand schwenkt, weil es sich zu eng dreht, kann es treten. Deswegen gehen wir immer weite Bögen und nie enge Kehrtwenden.

Wenn das Pony stehen bleibt

Fehler Nummer sechs: Panik, wenn das Pony nicht geht. Manche Kinder fangen an zu zerren, zu schimpfen oder zu weinen. Alles verständlich, aber alles kontraproduktiv.

Wenn das Pony stehen bleibt, erstmal durchatmen. Dann checken: Warum bleibt es stehen? Frisst es Gras? Dann leichter Impuls am Strick und einen Schritt zur Seite, damit der Kopf hochkommt. Hat es Angst vor etwas? Dann ruhig reden, beobachten, warten. Ist es einfach stur? Dann kurzen Impuls geben, nicht ziehen, und dann sofort den Druck rausnehmen, sobald es auch nur einen Zentimeter geht.

Bei Quacki haben wir das ständig. Die bleibt gerne stehen und guckt in die Gegend. Aber wenn ein Kind ruhig bleibt, den Impuls gibt und wartet, geht Quacki fast immer weiter. Weil sie merkt: Kein Drama, kein Stress, einfach weitergehen.

Ein Pony, das nicht geht, ist kein schlechtes Pony. Es ist ein Pony, das ein klares Signal braucht. Und ein Mensch, der nicht zieht, ist kein schwacher Mensch. Er ist ein kluger Mensch.

Sarah Handte Reitpädagogin

Fehler Nummer sieben: Aufgeben. Das Kind sagt „Die geht nicht" und gibt den Strick ab. Das ist natürlich okay, und wir nehmen kein Kind unter Druck. Aber was wir machen: Wir zeigen dem Kind, wie es funktioniert. Wir führen zusammen, ich mit dem Kind, bis das Kind das Gefühl hat: „Ich kann das." Und beim nächsten Mal klappt es meistens schon besser.

Mini-Trainingsplan: 10 Minuten

Hier ein kleiner Trainingsplan für zu Hause oder am Hof. Zehn Minuten, drei Übungen.

1

Übung 1: Anhalten und losgehen. Fünfmal hintereinander anhalten und wieder losgehen. Jedes Mal mit demselben Signal. Das Ziel: Das Pony reagiert schneller.

2

3

Übung 3: Steh-Test. Bleib stehen und warte dreißig Sekunden. Das Pony soll neben dir stehen bleiben, ohne zu zappeln oder Gras fressen.

Das klingt nach wenig, aber es ist extrem effektiv. Kinder, die das dreimal gemacht haben, führen komplett anders. Ruhiger, sicherer, selbstbewusster. Und die Ponys reagieren sofort darauf.

Ponyführen ist die Grundlage von allem. Wer ein Pony nicht führen kann, kann es nicht reiten. Und wer ein Pony ohne Ziehen führen kann, hat etwas verstanden, das weit über den Stall hinausgeht: Dass man mit Klarheit und Ruhe mehr erreicht als mit Kraft und Lautstärke.

Kontakt Führtraining am Hof

Dein Kind will lernen, ein Pony richtig zu führen? Komm vorbei! Wir üben das in Ruhe, mit geduldigen Ponys, die jeden Fehler verzeihen. Und nach einer Stunde hat dein Kind einen Skill, der ein Leben lang bleibt.

Teile diesen Artikel:

Pony-Post abonnieren

Hol dir einmal im Monat die neuesten Geschichten, Termine und Angebote vom Ponyhof in Renningen direkt in dein Postfach.

Deine Daten sind bei uns sicher und werden nicht weitergegeben.