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Ratgeber

Leckerlis geben, aber richtig

Regeln, die Kinder sofort verstehen. Damit Füttern Spaß macht und sicher bleibt.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Kind hält einem Pony ein Leckerli auf der flachen Hand hin

Kind hält einem Pony ein Leckerli auf der flachen Hand hin

Ich liebe es, wenn Kinder den Ponys Leckerlis geben wollen. Wirklich. Das zeigt, dass sie das Tier mögen, dass sie was Gutes tun wollen. Aber, und das ist ein großes Aber, wenn es falsch läuft, wird aus einem netten Moment schnell Stress. Für das Pony, für das Kind und für mich.

Letzte Woche hat ein Junge Napoleon drei Möhren hintereinander vor die Nase gehalten. Napoleon hat die erste genommen, die zweite auch, und bei der dritten hat er so gierig geschnappt, dass der Junge erschrocken ist und die Möhre auf den Boden gefallen ist. Dann haben sich drei Ponys gleichzeitig auf die Möhre gestürzt. Chaos. Und das nur, weil die Regeln nicht klar waren.

Warum Leckerlis Stress machen können

Pferde sind von Natur aus Futtersucher. Sie verbringen in der Natur bis zu sechzehn Stunden am Tag mit Fressen. Wenn ein Pferd merkt, dass ein Mensch Futter hat, schaltet es in den Modus: „Ich will das. Jetzt." Das ist kein böser Wille, das ist Instinkt.

Das Problem ist: Wenn ein Pferd lernt, dass Menschen immer Leckerlis dabei haben, fängt es an zu betteln. Es schubst, es nagt an Jacken, es wird aufdringlich. Und manche Ponys, die sehr futtermotiviert sind, können richtig rabiat werden. Nicht aus Bosheit, sondern weil sie gelernt haben, dass Drängeln funktioniert.

title: So entsteht Betteln steps:
  • Mensch gibt Leckerli aus der Tasche
  • Pferd merkt: Jacke raschelt gleich Futter
  • Pferd schubst beim nächsten Besuch die Jacke
  • Mensch gibt nach und kramt Leckerli raus
  • Pferd lernt: Schubsen funktioniert, macht es öfter

Bei Coco haben wir das mal gehabt. Eine Besucherin hat ihr ständig Leckerlis aus der Hosentasche gegeben. Nach drei Besuchen hat Coco jedem Menschen in die Hosentasche gebissen. Das war nicht witzig. Wir mussten es mühsam wieder abtrainieren.

Die 5 Hof-Regeln

Deswegen haben wir bei uns fünf einfache Regeln. Die gelten für Kinder UND Erwachsene. Und sie sind so formuliert, dass jedes Kind sie versteht.

5 Leckerli Regeln

  • Frag IMMER zuerst, ob du füttern darfst
  • Nur Möhren und Äpfel, nichts anderes
  • Flache Hand, Finger zusammen, Daumen angelegt
  • Nur EIN Leckerli pro Besuch pro Pony
  • Leckerli nie in der Hosentasche verstecken

Warum die Regeln so sind: Regel eins verhindert, dass fünf Kinder gleichzeitig fünf Ponys füttern und Chaos entsteht. Regel zwei verhindert, dass jemand Brot, Zucker oder Schokolade mitbringt, was Pferde tatsächlich krank machen kann. Regel drei schützt die Finger. Regel vier verhindert Betteln. Und Regel fünf verhindert, dass Ponys anfangen, Menschen zu durchsuchen.

Handhaltung und Abstand

Das Wichtigste beim Leckerli-Geben: die flache Hand. Finger zusammen. Daumen angelegt. Die Möhre oder das Apfelstück liegt auf der flachen Handfläche. Die Hand wird von unten dem Pony entgegengestreckt.

Warum? Weil Pferde keine Lippen haben wie wir. Sie nehmen Futter mit den Lippen auf, und wenn die Finger abstehen, kann das Pony sie mit den Schneidezähnen erwischen. Nicht absichtlich, aber es passiert. Und das tut weh.

Ich zeige das den Kindern immer an mir selbst. Ich halte meine eigene Hand flach und sage: „Guck, so sieht das aus. Wie ein Teller. Dein Pony isst vom Teller." Das verstehen sie sofort.

Der Abstand ist auch wichtig. Man steht seitlich neben dem Pony, nicht direkt vor dem Kopf. So hat man Platz, falls das Pony zu enthusiastisch wird. Und man hält die Hand ruhig. Nicht wackeln, nicht wegziehen, sonst schnappt das Pony, weil es denkt, das Futter verschwindet gleich.

Bitte nicht füttern

Fremde Pferde dürfen NICHT ohne Erlaubnis gefüttert werden. Manche Pferde haben Allergien, Stoffwechselprobleme oder Diätpläne. Was für ein Pferd lecker ist, kann für ein anderes gefährlich sein. Immer erst fragen, nie einfach füttern. Das gilt auf dem Ponyhof genauso wie auf der Weide am Feldweg.

Was wir erlauben und was nicht

Erlaubt bei uns: Möhren, geschnitten in handliche Stücke. Äpfel, halbiert oder geviertelt. Das ist gesund, die Ponys lieben es, und es ist ungefährlich.

NICHT erlaubt: Brot. Zucker. Kekse. Schokolade. Müsliriegel. Gras von nebenan. Und ja, all das wurde schon mitgebracht. Brot kann im Magen aufquellen und Koliken verursachen. Zucker ist schlecht für die Zähne und den Stoffwechsel. Schokolade ist für Pferde giftig, genau wie für Hunde. Und Gras von fremden Wiesen kann gespritzt sein.

Eine Mutter hat mal gesagt: „Aber mein Kind will dem Pony seinen Keks geben, das ist doch süß." Ja, ist es. Aber der Keks ist nicht süß für das Pony. Er ist schlecht. Und ich muss dann die Dumme sein, die nein sagt. Macht mir keinen Spaß, aber ich mach’s trotzdem.

Alternativen zum Füttern

Leckerlis sind nicht die einzige Art, einem Pony zu zeigen, dass man es mag. Ehrlich gesagt, sind sie nicht mal die beste Art. Ponys mögen Kratzen viel lieber als Futter. Klingt verrückt, ist aber so.

Am Widerrist kratzen, also da wo der Hals in den Rücken übergeht, das lieben Pferde. Das ist die Stelle, an der sie sich gegenseitig kratzen. Wenn du einem Pony dort sanft mit den Fingern kraust, fängt es oft an, die Oberlippe zu bewegen. Das ist Pferde-Glück.

Auch Streicheln am Hals, ruhig und langsam, ist etwas, was Ponys genießen. Kein Klopfen! Pferde mögen kein Klopfen auf dem Hals, auch wenn man das in jedem Western sieht. Streicheln ja, Klopfen nein.

Eine Übung die ich mit Kids mache: Wir gehen zum Pony und suchen die Stelle, die es am liebsten gekratzt bekommt. Das ist bei jedem Pony anders. Napoleon liebt es hinter den Ohren. Coco mag die Brust. Penelope will am Widerrist gekrault werden. Die Kinder werden zu Detektiven und das Pony gibt direktes Feedback.

Mini-Spiel: „Pony höflich fragen"

Das ist eine kleine Übung, die ich mit jüngeren Kindern mache, wenn sie das erste Mal Leckerlis geben.

Das Kind bekommt eine Möhre. Dann üben wir erstmal ohne Pony: Hand flach, Möhre drauf, stillhalten. Dann gehen wir zum Pony. Das Kind streckt die Hand aus, und ich sage: „Sag dem Pony: Bitte!" Es ist ein Spiel, aber es hat einen echten Zweck. Das Kind lernt, respektvoll mit dem Tier umzugehen. Es streckt die Hand aus und wartet, bis das Pony von selbst kommt. Nicht hinterherlaufen, nicht die Hand vor die Nase drücken. Das Pony entscheidet, wann es bereit ist.

Das Tolle ist: Die Kinder übertragen das. Sie lernen zu warten, zu fragen, Grenzen zu respektieren. Sie lernen, dass man nicht alles sofort bekommt, nur weil man es will. Und das alles, nur weil ein Pony eine Möhre von einer flachen Hand isst.

Ich sage immer: Leckerlis geben ist keine Kleinigkeit. Es ist ein Moment der Verbindung. Aber nur, wenn es nach Regeln läuft. Ohne Regeln wird es Stress. Mit Regeln wird es ein Erlebnis, das Kinder nicht vergessen.

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Komm mit deinem Kind zum Ponyhof und erlebt gemeinsam, wie man Ponys richtig füttert, krault und versteht. Wir erklären alles in Ruhe und mit echten Ponys, die sich immer über Möhren freuen.

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