Ratgeber
Helm oder nicht? Warum wir beim Ponyreiten klare Regeln haben
Reithelm ist Pflicht. Punkt. Hier erklären wir, warum und worauf es ankommt.

Kind mit Reithelm streichelt ein Pony auf dem Ponyhof
Ich weiß, dass Kinder Helme nervig finden. Ich weiß, dass manche Eltern denken: Die reiten doch nur Schritt, braucht das Kind wirklich einen Helm? Und ich weiß, dass es Ponyhöfe gibt, wo man ohne Helm aufs Pferd darf.
Warum Kinder Helme nervig finden
Fangen wir bei der Realität an. Kinder wollen cool aussehen. Ein Reithelm ist nicht cool. Er drückt auf den Kopf, er ist warm, er ruiniert die Frisur, und die beste Freundin hat auf TikTok ein Reiterin ohne Helm gesehen, die sah viel besser aus.
Das versteh ich alles. Wirklich. Wenn ich elf wäre, würde ich den Helm auch hassen. Aber so funktioniert Sicherheit nicht. Sicherheit ist nicht optional. Und es ist mein Job als Reitlehrerin, das durchzusetzen, auch wenn ich dafür mal Augenrollen ernte.
Was ich den Kids sage: „Weißt du, warum Formel-1-Fahrer einen Helm tragen? Weil sie richtig schnell und richtig gut sind. Und trotzdem brauchen sie den Helm. Du bist auf einem lebendigen Tier, das eigene Entscheidungen trifft. Das ist mindestens genauso wild."
Das zieht meistens. Und nach dem zweiten Mal ist der Helm normal. Kein Kind beschwert sich mehr, wenn es erstmal Routine ist.
Warum wir trotzdem drauf bestehen
Zahlen: Die Deutsche Reiterliche Vereinigung gibt an, dass bei etwa siebzig Prozent aller schweren Reitunfälle der Kopf betroffen ist. Siebzig Prozent. Das ist nicht irgendeine Statistik, das ist die Realität.
Ponys sind keine Kuscheltiere. Sie sind Fluchttiere. Auch das süßeste Shetty kann erschrecken, wenn ein Hund bellt, ein Traktor kommt oder sich eine Plastiktüte im Wind bewegt. Und wenn ein Kind in dem Moment ohne Helm auf dem Pony sitzt und runterfällt, dann kann das richtig übel enden.
Bei uns gab es vor ein paar Jahren eine Situation, die mir bis heute in den Knochen steckt. Ein Kind saß auf Coco, alles ruhig, Schritt, alles entspannt. Dann hat irgendwo eine Tür geknallt. Coco ist kurz hochgegangen, nur ein kleiner Hopser, aber das Kind ist seitlich runtergerutscht. Kopf auf den Boden. MIT Helm. Der Helm hatte danach eine Delle. Eine Delle, die sonst am Kopf gewesen wäre. Seitdem diskutiere ich nicht mehr.
Welche Helme reichen, welche nicht
Nicht jeder Helm ist ein Reithelm. Das klingt blöd, aber ich sehe regelmäßig Kinder, die mit Fahrradhelmen angerückt kommen. Fahrradhelme sind besser als kein Helm, aber sie schützen nicht richtig beim Reiten. Die Aufprallzonen sind anders, der Hinterkopfschutz fehlt oft, und die Form ist nicht fürs Reiten gemacht.
Ein guter Reithelm hat die Norm VG1 oder EN 1384 (wobei EN 1384 seit 2017 als Prüfnorm nicht mehr ausreicht, VG1 01.040 2014-12 ist der aktuelle Standard). Beim Kauf auf das Prüfsiegel achten. Das steht innen drin.
Es gibt Helme ab dreißig Euro, die völlig ausreichen. Man muss kein Vermögen ausgeben. Aber man muss darauf achten, dass der Helm passt. Ein Helm, der zu groß ist, schützt nicht richtig. Ein Helm, der zu klein ist, wird nicht getragen.
Helm sitzt gut, wenn…
Der Helm sitzt richtig, wenn er fest auf dem Kopf sitzt, ohne zu drücken. Er sollte nicht wackeln, wenn du den Kopf schüttelst. Die Stirn ist geschützt, der Hinterkopf bedeckt. Der Riemen sitzt unter dem Kinn, nicht am Hals. Zwischen Kinn und Riemen passt ein Finger. Nicht mehr.
Passform in 3 Schritten
Schritt 1: Kopfumfang messen. Mit einem Maßband ungefähr einen Zentimeter über den Augenbrauen messen. Die Zahl ist die Helmgröße. Kinder haben meistens zwischen 48 und 56 Zentimeter.
Schritt 2: Anprobieren. Den Helm aufsetzen und schütteln. Wackelt er? Zu groß. Drückt er an den Schläfen? Zu klein. Der Helm soll eng sitzen, aber nicht unangenehm. Kinder sollen ihn tragen wollen, nicht hassen.
Schritt 3: Riemen einstellen. Der Kinnriemen bildet ein Y unter dem Ohr. Unter dem Kinn passt genau ein Finger zwischen Riemen und Haut. Der Helm darf sich nicht nach hinten schieben lassen. Wenn er über die Stirn kippt, sitzt er falsch.
Ein Tipp: Nehmt das Kind mit zum Kaufen. Online bestellen klappt oft nicht, weil jeder Kopf anders ist. Und wenn das Kind den Helm selbst aussucht, vielleicht in einer coolen Farbe, dann trägt es ihn lieber.
Schuhe und Kleidung kurz erklärt
Wenn wir schon bei Sicherheit sind: Es gibt noch zwei Sachen, die ich schnell loswerden will, weil sie genauso wichtig sind.
Schuhe: Geschlossene Schuhe mit kleinem Absatz oder fester Sohle. Keine Sandalen, keine Flip-Flops, keine Sneaker mit glatter Sohle. Warum? Weil der Fuß sonst durch den Steigbügel rutscht. Und wenn das Kind dann fällt, bleibt es hängen. Das will keiner.
Reitstiefel oder Reitstiefeletten sind ideal. Aber für den Anfang reichen feste Wanderschuhe oder Gummistiefel. Hauptsache geschlossen und mit Profil.
Kleidung: Lange Hose. Nicht weil es eine Vorschrift gibt, sondern weil nackte Beine am Sattel scheuern. Nach einer halben Stunde hat das Kind wunde Stellen an den Innenschenkeln. Und dann will es nie wieder reiten. Reithosen sind optimal, aber eine normale enge Hose ohne dicke Innennähte tut es auch.
Ausrüstung in 30 Sekunden
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Reithelm mit VG1-Prüfsiegel, passend zur Kopfgröße
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Kinnriemen richtig eingestellt, ein Finger Platz
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Geschlossene Schuhe mit Absatz oder fester Sohle
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Lange Hose ohne dicke Innennähte
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Keine langen Schals, offene Kordeln oder Schmuck
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Haare zusammengebunden unter den Helm
Häufige Elternfragen
Mein Kind hat einen Fahrradhelm. Reicht das für den Anfang? Für die allererste Schnupperstunde im Schritt: Ja, besser als nichts. Aber danach bitte einen richtigen Reithelm besorgen. Die Schutzwirkung ist deutlich besser. Und Reithelme ab dreißig Euro sind wirklich erschwinglich.
Können wir den Helm von der großen Schwester nehmen? Nur wenn er passt und keinen Sturz hinter sich hat. Helme, die einmal einen Aufprall hatten, müssen ersetzt werden. Auch wenn man nichts sieht. Die Schale kann innen gebrochen sein. Und dann schützt er beim nächsten Mal nicht mehr.
Muss mein Kind auch beim Führen einen Helm tragen? Bei uns: Ja, wenn es in unmittelbarer Nähe des Ponys ist. Ponys können den Kopf schwenken oder erschrecken. Der Helm schützt auch dann.
Was ist mit Handschuhen? Nicht Pflicht, aber empfehlenswert. Reithandschuhe geben besseren Grip am Zügel und schützen vor Blasen. Für den Anfang reichen dünne Gartenhandschuhe.
Mein Kind will keine Reithose tragen, weil sie uncool aussieht. Verstehe ich. Es gibt mittlerweile richtig gute Reitleggings, die aussehen wie normale Leggins, aber mit Silikonbesatz am Knie. Die sehen gut aus und funktionieren super. Kostet zwischen zwanzig und vierzig Euro.
Bis zu welchem Alter muss ein Helm getragen werden? Bei uns gilt Helmpflicht für ALLE. Egal ob sechs oder sechzig. Auch ich trage Helm, wenn ich reite. Und Tim auch. Wir leben vor, was wir von den Kids erwarten.
Die Sache ist: Sicherheit muss nicht aufwändig sein. Ein guter Helm, vernünftige Schuhe, eine lange Hose. Das ist die Grundausstattung, und die hat man in zehn Minuten zusammen. Alles andere, Reitstiefel, Handschuhe, Sicherheitsweste, ist nice to have, aber kein Muss für den Anfang.
Was ein Muss ist: Der Helm. Immer. Ohne Diskussion. Weil ich will, dass jedes Kind, das zu uns kommt, auch wieder heil nach Hause fährt. Jeden einzelnen Tag.
Kontakt Fragen zur Ausrüstung?
Unsicher, welcher Helm der richtige ist oder was euer Kind zum Ponyreiten braucht? Schreib uns kurz, wir helfen gern. Und keine Sorge, ihr müsst kein Vermögen ausgeben.


