Pferdewissen
Die erste Reitstunde: So läuft es ab
Vom Stallschuh bis zum Abschiedsleckerli: Ein Leitfaden für Eltern und Kids.

Ein Kind striegelt vorsichtig ein Pferd unter Anleitung
Die Frage “Wie läuft das eigentlich ab?” höre ich von nervösen Eltern mindestens dreimal die Woche. Meistens sind die aufgeregter als ihre Kinder, wenn ich ehrlich bin.
Für die Schnellleser
Zuerst lernen wir das Pony kennen, dann wird geputzt. Das dauert länger als viele denken, ist aber wichtig. Dann geht es in den Sattel, meistens geführt. Und zum Schluss versorgen wir das Pony und verabschieden uns. Das Ganze dauert ungefähr eine Stunde, manchmal etwas länger.
Ankommen: Erstmal durchatmen
Wir treffen uns meistens eine Viertelstunde vor Beginn. Warum? Weil Ankommen Zeit braucht. Die Kleinen müssen sich erstmal umgucken, die Geräusche aufnehmen, vielleicht ein bisschen unsicher sein. Das ist völlig normal.
Letzten Dienstag stand hier ein Junge, der wollte gar nicht vom Parkplatz weg. Seine Mutter war kurz davor, wieder einzupacken. Aber dann kam Pucki, unser flauschigster Shetty, neugierig an den Zaun gewatschelt. Und plötzlich war der Kleine nicht mehr zu halten.
Was ich von Eltern brauche:
- Den Helm checken. Wir haben auch Leihhelme, falls nötig.
- Kurz Hallo sagen, damit ich weiß, wie die Stimmung ist.
- Und dann: Geduld haben. Manche Kinder brauchen fünf Minuten, manche fünfundzwanzig.
Ein Wort an die Eltern
Ich weiß, ihr wollt helfen. Aber manchmal ist das Beste, was ihr tun könnt: Einen Schritt zurücktreten. Kinder spüren, wenn Eltern angespannt sind, und werden dann selbst nervös.
Das Putzen
Viele denken: Putzen? Dafür bezahl ich doch nicht! Doch, tut ihr. Weil das Putzen der wichtigste Teil ist.
Beim Striegeln passiert so viel. Das Kind lernt, das Pony zu berühren, ohne Angst zu haben. Es merkt: Das Tier mag das sogar. Manche Ponys, Coco zum Beispiel, schlafen dabei fast ein. Das zeigt dem Kind: Ich mach das richtig.
Dann kommen die Hufe. Zugegeben, das ist am Anfang für viele gruselig. So ein Pferdebein hochheben? Was, wenn es tritt? Tut es nicht. Ich zeig den Kindern, wie sie sich richtig hinstellen, und dann läuft das. Kylo hebt sein Bein manchmal sogar von alleine hoch, wenn man ihn nur anklopft. Der kennt den Drill.
Am Ende kommt das Satteln und Trensen. Da helfe ich natürlich. Aber die Kinder sehen, wie das funktioniert, und fangen an zu verstehen: Ein Pferd ist kein Spielzeug, das man einfach benutzt. Es ist ein Partner.
“Das Putzen ist wie eine Unterhaltung. Das Pony erzählt dir durch seine Reaktionen, wie es ihm heute geht. Manche Kinder verstehen das sofort. Die haben ein Gespür dafür.”
Endlich draufsitzen
Der Moment, auf den alle warten! Und ich sag euch: Für die meisten ist der weniger dramatisch als gedacht.
Wir gehen in die Bahn oder auf den Platz, ich helfe beim Aufsteigen. Und dann erstmal: Nichts. Das Kind soll einfach fühlen, wie das ist, da oben zu sitzen. Manche kichern nervös, manche sind mucksmäuschenstill.
Die ersten paar Runden führe ich das Pony. Das Kind soll sich nicht um Gas geben und Bremsen kümmern müssen, sondern einfach nur das Gleichgewicht finden. Ich lass sie die Arme kreisen, mal die Augen zumachen, sich nach vorne beugen. Das lockert die Anspannung und trainiert den Sitz.
Irgendwann, manchmal schon in der ersten Stunde, manchmal erst in der dritten, kommt dann: Darf ich alleine? Und dann geht es los. Aber das hat Zeit.
Der Abschluss
Nach dem Reiten sind wir noch nicht fertig. Das Pony hat gerade gearbeitet, und jetzt bekommt es seine Belohnung.
Sattel runter, Trense runter. Das Pony schüttelt sich meistens erstmal ausgiebig, was die Kinder immer lustig finden. Dann eine Karotte oder ein Stückchen Apfel. Und dann dieses Ritual, das ich mit allen Kindern mache: Einmal sanft über die Nase streichen und leise Danke sagen.
Klingt kitschig? Vielleicht. Aber es bringt Kindern bei, dass Respekt keine Einbahnstraße ist.
Kontakt Bereit für die erste Stunde?
Meldet euch, und wir finden einen Termin. Keine Sorge, wir kriegen das hin. Egal wie nervös ihr seid.


