Pferdewissen
Warum Pferde Umarmungen nicht mögen
So lernen Kinder, Zuneigung pferdefreundlich zu zeigen.

Ein Kind streichelt ein Pony an der Schulter.
Ich hab da letzte Woche eine Szene beobachtet, die mich zum Nachdenken gebracht hat. Ein kleines Mädchen, vielleicht fünf oder so, hat Fiona um den Hals gedrückt. Mit aller Kraft. Voller Liebe. Und Fiona hat ausgesehen wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Kopf hoch, Augen groß, Körper steif.
Das Mädchen war glücklich. Fiona war’s nicht.
Die Pony-Stress-Ampel (so erklär ich's den Kindern)
Woran erkenne ich, ob mein Pony die Umarmung WIRKLICH mag?
- ROT, Bitte aufhören! Der Kopf geht hoch, die Ohren gehen nach hinten, das Pony dreht den Kopf weg oder hält die Luft an. Bei Kylo sieht man das sofort. Der wird dann ganz still und starr. Das ist kein Genießen, das ist Aushalten.
- GELB, Hmm, vorsichtig… Angespannte Nüstern, so ein starrer Blick, das Weiße im Auge sichtbar. Chica macht das oft, so ein “Naja, okay, wenn’s sein muss”-Gesicht.
- GRÜN, Alles gut! Der Kopf senkt sich, die Augen blinzeln weich, die Ohren sind entspannt zur Seite. Napoleon macht das, wenn man seine Lieblingsstelle am Widerrist erwischt. Der wird dann richtig butterweich.
Wie man auf Pferdisch 'Ich hab dich lieb' sagt
Statt den Hals zu umklammern (was für UNS Liebe bedeutet, aber für Pferde halt nicht) zeig ich den Kindern bei uns immer drei andere Wege:
1. Die “Höfliche Begrüßung” Nicht von vorne auf den Kopf zustürmen (Raubtier-Alarm!), sondern seitlich an die Schulter treten. Ruhig. Langsam. Pucki freut sich total, wenn Kinder das so machen. Der kommt dann sogar näher.
2. Die magische Widerrist-Stelle Das ist der Übergang zwischen Hals und Rücken. Die meisten Pferde LIEBEN es, da gekrault zu werden. Das ist nämlich genau die Stelle, wo sich Pferde gegenseitig die Fellpflege machen. Wenn ihr das bei Sleepy macht, fängt der an, die Oberlippe zu bewegen. Das ist sein Wohlfühl-Zeichen.
3. Die Handrücken-Methode Handrücken hinhalten und warten. Einfach warten. Wenn das Pony schnuppert und näher kommt, ist das quasi eine Einladung. Lennox ist da super. Der stubst dann mit der Nase gegen die Hand und sagt damit “Okay, du darfst”.
Das Schönste ist, wenn sie bleiben wollen
Das versuche ich den Kindern immer klarzumachen: Die ECHTE Verbindung ist nicht, wenn wir das Pony festhalten. Die echte Verbindung ist, wenn wir loslassen und das Pony bleibt trotzdem da.
Wir üben das oft: Hände weg, einen Schritt zurücktreten. Bleibt das Pony stehen? Kommt es vielleicht sogar nach? DANN genießt es die Nähe wirklich. DANN ist es freiwillig.
Und wenn es weggeht? Dann war’s zu viel. Und das zu akzeptieren, ohne beleidigt zu sein, ohne zu klammern, das ist eine riesige Lektion. Nicht nur für Kinder, ehrlich gesagt.
Coco ist da meine beste Lehrerin. Die geht konsequent weg, wenn’s ihr zu viel ist. Null Drama, einfach: “Tschüss, bis später.” Und wenn man sie lässt, kommt sie fünf Minuten später wieder an und ist total zutraulich. Die weiß genau, was sie will.
Liebe heißt beim Pferd oft: Ich gebe dir Raum und höre dir zu, statt dich zu erdrücken. Das ist übrigens auch bei Menschen keine schlechte Strategie.
Kontakt Achtsamer Umgang lernen?
Wir zeigen euren Kindern spielerisch, wie sie mit Ponys umgehen können. So, dass alle was davon haben. Mensch und Pferd.


