Saisonales

Bremsen & Mücken im Sommer

Kleine Plagegeister, klare Lösungen für Kinder und Ponys.

Sarah Handte 5 Min. Lesezeit
Ein Pony steht ruhig im Stallbereich.

Ein Pony steht ruhig im Stallbereich.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Bremsenfalle: Schwarzer Ball + Bremsenleim wirkt Wunder.
  • Hausmittel: Apfelessig-Spray hilft kurzfristig.
  • Sauberkeit: Kein Mist = weniger Fliegen.
  • Timing: Reiten am besten früh morgens.

Ich sag es gleich vorweg: Bremsen sind die Viecher, die mich im Sommer am meisten nerven. Noch vor den Mücken, vor der Hitze oder dem Staub. Die Ponys sehen das genauso. Wenn echtes “Bremsenwetter” ist – also schwül, warm, gewittrig – dann stehen unsere Pferde im dunkelsten Eck des Unterstandes und weigern sich strikt, rauszukommen. Und ich kann es ihnen nicht verübeln.

Der Sommer am Ponyhof wäre so schön – lange Abende, warmes Licht, Ferien – wenn da nicht diese summenden, stechenden Plagegeister wären. Aber wir sind dem nicht hilflos ausgeliefert. Wir haben über die Jahre ein ganzes Arsenal an Tricks entwickelt. Manche stinken, manche sehen komisch aus, aber sie helfen.

Die legendäre Bremsenfalle

Hat mir mal ein alter Landwirt gezeigt und ich war skeptisch. “Ein schwarzer Eimer und Kleber? Ernsthaft?” Aber es funktioniert tatsächlich und ist Chemie-frei.

Bremsen jagen nicht (nur) nach Geruch, sondern vor allem nach Sicht und Wärme. Sie halten große, dunkle, warme Objekte für den Hinterteil eines Pferdes oder einer Kuh. Das nutzen wir eiskalt aus:

  1. Das Lockmittel: Nimm einen alten schwarzen Eimer oder einen schwarzen Gymnastikball. Schwarz heizt sich in der Sonne am schnellsten auf.
  2. Die Montage: Häng das Ding irgendwo in die pralle Sonne, etwa in Kopfhöhe, aber außerhalb der Reichweite der Pferde (sonst klebt das Pony dran!).
  3. Die Falle: Bestreich die Oberfläche dick mit speziellem Bremsenleim (gibt es im Landhandel, klebt wie Hölle und trocknet nicht ein).
  4. Der Effekt: Die Bremsen sehen den schwarzen Fleck, denken “Lecker Mittagessen”, landen drauf und – zack. Sie bleiben kleben.

Wir haben drei davon rund um den Hof verteilt. Es sieht bescheuert aus. Im Hochsommer klebt da manchmal nach zwei Tagen ein ganzer Teppich aus Insekten dran. Das ist eklig, aber jede Bremse am Eimer ist eine Bremse weniger am Pony.

Kenne deinen Feind: Was fliegt denn da?

Nicht alles, was summt, ist gleich schlimm. Für Eltern und Kinder ist es wichtig zu unterscheiden, was da gerade um die Nase fliegt.

1. Die Pferdbremse (Tabanus) Das sind die dicken Brummer. Sie sind laut, schnell und aggressiv.

  • Gefahr: Sie beißen. Sie stechen nicht fein wie eine Mücke, sie haben Werkzeuge wie kleine Scheren und reißen ein Stück Haut auf, um Blut zu lecken. Das tut weh – dem Pony und dem Menschen.
  • Verhalten: Sie werden von Schweiß und Bewegung angezogen. Je mehr das Pony schwitzt, desto mehr Bremsen kommen.
  • Reaktion des Ponys: Panik. Wenn ein Pony plötzlich austritt, buckelt oder losrennt, war es oft eine Bremse am Bauch.

2. Die Kribbelmücke (Gnitzen) Winzig klein, man sieht sie kaum, meist in Schwärmen unterwegs.

  • Gefahr: Sie kriechen in Ohren, Nüstern und Mähnenkamm. Ihr Speichel löst bei vielen Pferden Allergien aus (Sommerekzem). Das Pferd scheuert sich dann blutig.
  • Zeit: Aktiv in der Dämmerung (morgens und abends). Tagsüber bei Hitze sind sie weg.

3. Die Dasselfliege Sieht aus wie eine kleine Hummel. Sie sticht nicht, aber sie ist parasitär.

  • Der Zyklus: Sie legt gelbe Eier an die Vorderbeine des Pferdes. Das Pferd leckt sie ab, die Larven schlüpfen im Magen, überwintern dort und kommen im Frühling hinten wieder raus. Ekelhaft? Ja.
  • Gegenmaßnahme: Wir kontrollieren im Spätsommer täglich die Beine und kratzen die Eier mit einem speziellen Messer ab.

Unsere Verteidigungsstrategie: Decken, Chemie und Zebras

Wenn Eltern uns im Sommer besuchen, wundern sie sich oft über die “verkleideten” Pferde. “Warum hat das Pony einen Schlafanzug an?”

Zebra-Look ist keine Mode, sondern Wissenschaft Forscher haben herausgefunden, dass Facettenaugen von Insekten mit Streifenmustern nicht klarkommen. Das Schwarz-Weiß-Muster verwirrt sie beim Landeanflug. Sie können nicht fokussieren und prallen quasi ab. Deshalb tragen viele unserer Ponys Decken im Zebra-Look. Das hilft tatsächlich!

Fliegenmasken: Sonnenbrille fürs Pferd Die Netze über den Augen schützen vor Fliegen, die Tränenflüssigkeit trinken wollen (das überträgt Bindehautentzündungen). Gleichzeitig haben sie oft UV-Schutz. Für unsere hellhäutigen Ponys (Cremellos, Schecken) ist das wie eine Sonnenbrille, damit sie keinen Sonnenbrand auf den Augenlidern bekommen.

Das Stinke-Spray (Rezept zum Nachmachen) Kommerzielle Fliegensprays sind teuer und voller Chemie. Wir mischen oft selbst. Es stinkt fürchterlich, aber es hilft für ca. 30 Minuten (perfekt für eine Reitrunde):

  • 0,5 Liter Obstessig (Basis)
  • 0,2 Liter Wasser
  • Eine Handvoll Nelken (abkochen und Sud nehmen)
  • Ein paar Tropfen Teebaumöl oder Lavendelöl
  • Optional: Zerdrückter Knoblauch (nur für Hartgesottene)

In eine Sprühflasche füllen, schütteln, Pferd einsprühen (Augen aussparen!). Der Geruch überdeckt den Pferdeschweiß.

Management ist alles: Sauberkeit und Timing

Das beste Mittel gegen Fliegen ist, sie gar nicht erst zu züchten. Fliegen legen Eier in den Mist. Deshalb gilt bei uns im Sommer: Misten, misten, misten. Je sauberer der Stall und der Paddock, desto weniger Fliegen. Der Misthaufen muss weit weg vom Putzplatz sein.

Außerdem haben wir natürliche Verbündete: Schwalben. Wir lieben unsere Schwalben im Stall. Ein Schwalbenpaar vertilgt am Tag Tausende von Insekten. Wir lassen ihre Nester hängen, auch wenn sie den Boden vollkleckern. Der Dreck ist es wert. Wenn die Schwalben tieffliegen, freuen sich die Ponys.

Die Siesta-Regel In Südeuropa macht man Mittagsschlaf. Unsere Ponys auch. Die Bremsen sind bei praller Sonne und Hitze (11:00 bis 16:00 Uhr) am aktivsten. Die Kribbelmücken sind morgens und abends aktiv. Das heißt für uns:

  • Morgens raus auf die Weide (bevor die Bremsen kommen).
  • Mittags rein in den kühlen, dunklen Stall (Bremsen mögen kein Dunkel).
  • Reitstunden legen wir im Hochsommer oft in den kühlen Vormittag. Wer bei 35 Grad reiten will, hat eh keinen Spaß.

Tipps für Eltern und Kinder: Was ihr tun könnt

Wenn ihr zum Reiten kommt, könnt ihr euch und den Ponys helfen:

  1. Kleidungswahl: Bremsen mögen dunkle Farben (Blau, Schwarz). Tragt lieber helle Kleidung (Weiß, Beige, Gelb). Das zieht sie weniger an.
  2. Kein Parfum: Süßliche Düfte, Deo oder Haarspray ziehen Insekten magisch an. Im Stall dürft ihr “natürlich” riechen.
  3. Lange Hosen: Auch bei 30 Grad. Zum Reiten sowieso (wegen Scheuern am Sattel), aber auch als Mückenschutz.
  4. Ruhe bewahren: Wenn eine Bremse um das Pony kreist, nicht wild fuchteln und schreien. Das macht das Pony nur nervöser. Ruhig bleiben, warten bis sie sitzt, und dann zuschlagen. Ein toter Brems ist ein guter Brems.

Elternfragen beantwortet

“Ist das gefährlich für mein Kind?” Ein Bremsenstich tut weh, ist aber meist harmlos (außer bei Allergien). Wespen sind schlimmer, aber die interessieren sich selten für Pferde (außer wir füttern Obst). Wir passen auf. Wenn zu viele Insekten da sind, kürzen wir die Stunde ab oder gehen in die Halle/Unterstand.

“Warum schlägt das Pony so mit dem Kopf?” Das ist oft kein Ungehorsam, sondern Abwehr. Vielleicht sitzt eine winzige Kribbelmücke im Ohr. Wir erlauben den Ponys, sich zu kratzen. Manchmal hilft es, dem Pony kurz die Ohren zu massieren.

“Hilft Füttern von Knoblauch?” Manche sagen, wenn man Ponys Knoblauch füttert, dünsten sie das aus und schrecken Fliegen ab. Die Wissenschaft ist da uneinig. Und zu viel Knoblauch ist giftig für Pferde (Blutarmut). Wir lassen das lieber und setzen auf Decken und Sauberkeit.

Sommer am Ponyhof ist herrlich, wenn man weiß, wie man die Plagegeister in Schach hält. Und manchmal hilft einfach: Früh aufstehen, den Sonnenaufgang im Sattel genießen und die Mittagshitze im kühlen Stall verschlafen.

Sarah Handte

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