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Saisonales

Anweiden: Rehe-Risiko reduzieren

Warum langsam besser ist und wie wir das am Ponyhof machen.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Ein Pony grast auf einer frischen Frühlingsweide.

Ein Pony grast auf einer frischen Frühlingsweide.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Langsam starten: 10-15 Min. am Anfang reichen.
  • Fruktan ist gefährlich: Kalte Nächte + Sonne = Zuckerbombe.
  • Gefahrzeichen: Warme Hufe oder Puls bedeutet sofort Stopp.

Jedes Jahr im Frühling das gleiche Spiel. Die Wiesen werden grün, die Ponys schauen einen mit großen Augen an. Und ich steh da und muss den Spielverderber geben. Nein, noch nicht. Noch fünf Minuten.

Frühlingsgras sieht harmlos aus, ist es aber nicht. Letztes Jahr hab ich das bei Napoleon gemerkt. Nur zehn Minuten zu lang auf der Weide und schon war der Bauch gebläht wie ein Luftballon. Die Panik vergess ich nie.

Die Fruktan-Falle

Gras speichert Zucker. Fruktan heißt das Zeug. Besonders fies ist es, wenn nachts Frost war und morgens die Sonne rauskommt. Da ist das Gras quasi wie Zuckerwatte für Ponys. Kein Witz. Unser Tierarzt hat mir mal erklärt, dass manche Weiden morgens den Zuckergehalt von Cola haben. Deshalb lassen wir lieber mittags raus, wenn es ein bisschen wärmer ist.

Wie wir das hier machen

Vorweg: Das ist kein Dogma. Manchmal dauert es bei uns auch fünf Wochen, weil das Wetter verrücktspielt oder ein Pony empfindlicher reagiert als gedacht.

Wichtig: Immer erst Heu fressen lassen. Nie mit leerem Magen auf die Weide. Das hab ich einmal falsch gemacht und durfte dann um drei Uhr nachts beim Tierarzt anrufen. Einmal und nie wieder.

  • Woche 1:

  • Die ersten drei Tage: Zehn bis fünfzehn Minuten, und ich bleib dabei mit der Führleine. Ja, das nervt. Muss aber sein.

  • Ab Tag 4: Zwanzig Minuten. Die Ponys gucken einen an, als würde man ihnen das Essen wegnehmen. Tut man ja auch irgendwie.

  • Woche 2:

  • Dreißig bis vierzig Minuten.

  • Hier guck ich genau hin. Ist der Kot matschiger? Gluckert es im Bauch? Bei Kylo war das letztes Jahr so. Also wieder runter auf zwanzig Minuten für drei Tage.

  • Woche 3:

  • Fünfundvierzig bis sechzig Minuten.

  • Jetzt kann man langsam einen kleinen Bereich abstecken. Aber nicht gleich den halben Hektar freigeben.

  • Woche 4:

  • So anderthalb bis zwei Stunden.

  • Ab jetzt ist es individuell. Coco darf länger, Napoleon kriegt die Fressbremse. Er hasst mich dafür. Und Chica steht sowieso dauernd bei mir am Zaun und will Leckerlis statt Gras.

Was uns hilft

Fressbremsen: Ja, ich weiß, sieht doof aus. Und die Ponys finden es auch doof. Aber bei unseren gut genährten Kandidaten geht es nicht anders. Die Dinger reduzieren die Grasaufnahme um ungefähr die Hälfte, und das Pony kann trotzdem bei der Herde sein. Napoleon trägt seine mittlerweile mit Würde. Na ja, fast.

Portionsweide: Statt die ganze Wiese freizugeben, stecken wir jeden Tag nur einen schmalen Streifen dazu. So ein bis zwei Meter breit. Klingt nach viel Arbeit? Ist es auch. Aber seit wir das so machen, hatten wir keinen Rehe-Notfall mehr.

Wann ich sofort aufhöre

Letzte Woche hat mich eine Bekannte angerufen. Ihr Pony war lahm, die Hufe warm, und sie dachte, es wäre eingetreten. War es nicht. War Rehe im Anfangsstadium.

Wenn ich bei unseren Ponys merke, dass da was nicht stimmt, da ist Unwohlsein, die Hufe sind wärmer als normal, oder ich fühl einen starken Puls an der Fessel. Dann ist Schluss mit Weide. Sofort. Und der Tierarzt kommt. Bei Hufrehe zählt jede Stunde.

Das klingt vielleicht übertrieben. Ist es aber nicht. Ich hab schon Pferde gesehen, bei denen es zu spät war. Das will ich hier nicht erleben.

Kontakt Fragen zum Anweiden?

Wenn ihr unsicher seid, wie ihr eure Ponys am besten anweidet, meldet euch. Ich erzähl euch gern, was bei uns funktioniert. Und was nicht.

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