Sicherheit
Reithelm für Kinder
So sitzt der Helm sicher. und wird trotzdem gern getragen.

Ein Kind setzt einen Reithelm richtig auf.
Okay, ich muss kurz was loswerden.
Letzte Woche kam ein Kind mit Fahrradhelm zur Stunde. Die Eltern meinten: “Der tut’s doch auch, oder?” Und ich so: “Nee. Tut er nicht.”
Das klang vielleicht barsch. War aber wichtig. Deshalb hier mal alles, was ihr über Reithelme wissen müsst. Ohne Panik, aber mit Klartext.
Warum der Fahrradhelm zu Hause bleibt
Ganz einfach: Ein Fahrradhelm ist für Stürze auf Asphalt gemacht. Flach, nach vorne. Ein Reithelm muss einen Sturz aus 2-3 Metern Höhe abfangen UND einen möglichen Huftritt. Das sind komplett andere Kräfte.
Der grosse Unterschied: Reithelme schützen den Hinterkopf und die Schläfen viel stärker. Beim Fahrradhelm? Da ist hinten quasi nichts.
Also bitte: Niemals mit Fahrradhelm aufs Pferd. Auch nicht “nur kurz”. Auch nicht “ist ja nur Schritt”.
Was auf dem Helm draufstehen muss
Okay, jetzt wird’s kurz technisch. Aber das ist wichtig.
Wenn ihr einen Helm kauft, guckt auf das Etikett innen:
- VG1 01.040: das ist der aktuelle Standard
- EN 1384:2023: die neuere europäische Norm
Steht da was anderes drauf? Oder gar nix? Dann lasst die Finger davon.
Gebrauchte Helme: Nein. Einfach nein. Selbst wenn er super aussieht. Haarrisse sieht man nicht, und die machen den Helm nutzlos. Ich weiss, ein neuer Helm kostet Geld. Aber an der Stelle zu sparen ist wie an der Bremse vom Auto sparen. Keine gute Idee.
Omas Reithelm aus den 90ern? Ab in den Müll. Material wird spröde mit der Zeit.
Der Passform-Check: 5 Punkte, die stimmen müssen
Neulich stand hier eine Mama mit einem Helm, der dem Kind bis über die Augen rutschte. “Der wächst da rein”, meinte sie. Nee. Der muss JETZT passen.
So testet ihr im Laden (oder zu Hause, wenn ihr online bestellt):
1. Die Augenbrauen-Regel Der Helm endet etwa zwei Fingerbreit über den Augenbrauen. Nicht am Hinterkopf, nicht in der Stirn.
2. Der Wackel-Test Riemen offen lassen, Kopf schütteln. Rutscht der Helm? Dann ist er zu gross. Er sollte fest sitzen, auch ohne Riemen.
3. Die Schläfen Nix darf drücken! Sonst gibt’s nach 20 Minuten Kopfweh, und das Kind will nie wieder einen Helm aufsetzen.
4. Der Riemen Muss eng anliegen, aber nicht würgen. Zwei Finger sollten zwischen Kinn und Riemen passen, mehr nicht.
5. Das Dreieck Die Riemen um die Ohren bilden ein schönes V oder Dreieck. Das Ohr wird nicht gequetscht, aber der Riemen sitzt direkt darunter.
Pro-Tipp: Lasst das Kind den Helm ein paar Minuten tragen, bevor ihr kauft. Manche Druckstellen merkt man erst nach einer Weile.
Wie lange hält so ein Ding?
Ohne Sturz: Ca. 5 Jahre. Dann wird das Material spröde, auch wenn er von aussen noch gut aussieht.
Nach einem Sturz: SOFORT austauschen. Auch wenn kein Kratzer zu sehen ist. Die Schutzstruktur innen kann gebrochen sein. Und das sieht man nicht.
Ich weiss, das ist ärgerlich. Vor allem wenn der neue Helm teuer war und das Kind einmal blöd vom Pony gerutscht ist. Aber: Der Helm hat seinen Job gemacht. Jetzt braucht er einen Nachfolger.
Pflege: Ab und zu mit einem feuchten Tuch abwischen. Nicht in die Waschmaschine (ja, das wurde schon versucht). Nicht in der prallen Sonne liegen lassen. Nicht auf den Boden werfen (Kinder!).
“Ich höre manchmal: ‘Aber Helme sind so uncool!’ Wisst ihr, was uncool ist? Im Krankenhaus liegen. Ein guter Helm gibt Selbstvertrauen, weil man weiss, dass man geschützt ist. Und das sieht man auch.”
Was ich noch empfehle
Ein paar Dinge, die ich aus der Praxis mitgeben kann:
Verstellbare Helme sind Gold wert: Kinder wachsen. Ein Helm mit Drehrad hinten kann mitwachsen. Ein bisschen zumindest.
Belüftung ist wichtig: Im Sommer ist es heiss. Wenn der Helm keine Luftlöcher hat, wird’s ungemütlich.
Lasst die Kinder mitaussuchen: Wenn sie die Farbe doof finden, tragen sie das Ding nicht gern. Und ein Helm, der im Spind liegt, schützt nicht.
Setzt ihn richtig auf: Hört sich blöd an, aber ich seh das ständig. Helm schief, Helm zu weit hinten, Riemen offen. Macht keinen Sinn so.
Was muss man ausgeben?
Gute Kinderreithelme gibt’s ab ca. 40-50 Euro. Das ist nicht nichts, aber auch nicht die Welt. Die ganz teuren (100+ Euro) sind oft für den Turniersport gedacht. Für den Anfang braucht ihr das nicht.
Was ihr NICHT braucht: Irgendwelche Billig-Importe für 15 Euro. Die haben oft keine richtige Zertifizierung, oder die Qualität ist miserabel.
Gute Marken: Uvex, Casco, Kep. Gibt’s auch günstiger im Angebot, einfach mal gucken.
Kontakt Unsicher beim Helm?
Bringt den Helm mit, ich schau ihn mir an. Kostet nix, dauert zwei Minuten. Und dann wisst ihr, ob er passt und okay ist.


