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Ratgeber

Wie finde ich das richtige Anfänger-Pony?

Nicht jedes Pony ist für Reitanfänger geeignet. So erkennst du, welches Pony zu deinem Kind passt.

Sarah Handte 9 Min. Lesezeit
Ein geduldiges braunes Pony steht ruhig neben einem lächelnden Kind auf dem Ponyhof.

Ein geduldiges braunes Pony steht ruhig neben einem lächelnden Kind auf dem Ponyhof.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Ein Anfängerpony muss verlässlich, geduldig und klar im Verhalten sein.
  • Größe allein reicht nicht, Charakter und Ausbildungsstand sind wichtiger.
  • Probereiten und ehrliche Einschätzung vor Ort verhindern spätere Probleme.
  • Das beste Match ist das Pony, bei dem sich Kind und Eltern sicher fühlen.

Letztes Jahr hat mich eine Mutter gefragt, ob ich ihr helfen kann, ein Pony für ihre Tochter zu finden. Die Kleine war bei uns regelmäßig zum Reiten und wollte jetzt ein eigenes Pony. Klingt süß, oder? Nur: Ein eigenes Pony ist eine riesige Verantwortung. Und nicht jedes Pony ist für Anfänger geeignet.

Was macht ein gutes Anfängerpony aus?

Ich hab inzwischen genug Ponys gesehen, um zu wissen: Es kommt nicht auf die Rasse an. Es kommt auf den Charakter an.

Penelope bei uns ist die perfekte Anfänger-Lehrerin. Die steht da wie 'ne Statue, wenn ein Kind zum ersten Mal aufsteigt. Die macht nichts Unerwartetes. Kein Bocken, kein Durchgehen, keine Panik.

Napoleon dagegen? Der ist ein toller Kerl, aber für Anfänger völlig ungeeignet. Der testet jeden aus. Wenn er merkt, dass ein Kind unsicher ist, macht er, was er will. Das ist nicht böse gemeint, das ist nur Napoleon.

Was ein Anfängerpony haben sollte:

  • Geduld: Die müssen auch mal einen Fehler verzeihen. Ein Kind zieht zu fest am Zügel? Ein gutes Anfängerpony bleibt ruhig.
  • Ruhe: Keine Hektik, kein Stress. Die sollen nicht bei jedem Geräusch durchdrehen.
  • Ausgeglichenheit: Mal ehrlich, keiner will ein Pony, das morgens super und abends zickig ist.
  • Erfahrung: Ältere Ponys sind oft besser. Die haben schon alles erlebt und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.

Größe ist wichtiger, als man denkt

Manche Eltern wollen ein großes Pony kaufen, damit das Kind länger was davon hat. Das versteh ich. Aber wenn das Pony zu groß ist, wird’s gefährlich.

Ein Kind sollte vom Boden aus problemlos aufsitzen können. Zumindest mit einem Hocker. Wenn das nicht geht, ist das Pony zu groß. Punkt.

Bei uns haben wir Ponys von 1,10m bis 1,50m Stockmaß. Coco ist eine der Größeren, und für kleinere Kids ist sie einfach zu hoch. Die können sich nicht richtig halten, das frustriert die Kinder und stresst das Pony.

Temperament checken

Bevor man ein Pony kauft, muss man es testen. Mehrmals. Nicht nur einmal, wo alles perfekt läuft.

Worauf achten:

  • Wie reagiert es im Stall? Ist es entspannt oder nervös?
  • Wie ist es beim Putzen? Lässt es sich anfassen, auch an den Hufen?
  • Wie verhält es sich beim Reiten? Bleibt es ruhig bei unerwarteten Situationen?
  • Wie ist es mit anderen Ponys? Manche sind Zicken, andere sind sozial.

Ich hab mal ein Pony gesehen, das beim Probereiten super brav war. Aber zuhause im neuen Stall hat es jeden gebissen, der in die Nähe kam. Das war kein Anfängerpony. Das war ein Problemfall.

Rasse ist nicht alles

Viele Leute denken, es muss ein bestimmtes Pony sein. Ein Shetlandpony, ein Haflinger, ein Welsh. Ehrlich? Die Rasse ist zweitrangig.

Ja, manche Rassen haben Tendenzen. Shetlandponys sind oft etwas stur. Haflinger sind meistens entspannter. Tinker sind robust und gelassen. Aber am Ende zählt der einzelne Charakter.

Bei uns haben wir alles Mögliche. Sleepy ist ein Haflinger-Mix und der faulste Kerl, den ich je gesehen hab. Perfekt für Anfänger, weil er gar keine Energie hat, um Blödsinn zu machen. Coco ist ein Araber-Mix und viel zu quirlig für totale Neulinge.

Die Frage der Ausbildung

Ein unausgebildetes Pony ist KEIN Anfängerpony. Egal, wie lieb es aussieht.

Ein anfängertaugliches Pony sollte:

  • Grundkommandos kennen (Schritt, Trab, Halt, Rückwärts)
  • An Longe laufen können
  • Gelände-erfahren sein
  • Hufe geben ohne Theater
  • Verladen können

Das klingt selbstverständlich, aber ich hab Leute gesehen, die ein kaum gerittenes Pony gekauft haben, weil es „so süß" war. Das endet meistens in Tränen.

Alter des Ponys

Viele wollen ein junges Pony. Versteh ich, die leben ja länger. Aber für Anfänger? Lieber ein älteres Pony.

Ein 15-jähriges Pony hat alles gesehen. Kindertränen, Anfängerfehler, schlechtes Wetter, komische Geräusche. Die sind einfach durch.

Bei uns ist Sleepy mit 18 Jahren der beste Lehrer für totale Anfänger. Der macht seinen Job, egal was passiert. Ein 5-jähriges Pony wäre noch viel zu grün für so eine Aufgabe.

Was kostet ein Anfängerpony?

Tut mir leid, aber gute Anfängerponys sind nicht billig. Die kosten zwischen 3.000 und 8.000 Euro. Manchmal mehr.

Warum? Weil die eine Top-Ausbildung haben. Weil die charakterlich einwandfrei sind. Und weil die Nachfrage hoch ist. Jeder will ein braves Anfängerpony.

Aber: Der Kaufpreis ist nur der Anfang. Unterbringung, Futter, Tierarzt, Hufschmied. Das läppert sich schnell auf 300-500 Euro im Monat.

Die ehrliche Rechnung

Viele vergessen die laufenden Kosten. Ich seh das immer wieder: Leute kaufen ein Pony, rechnen aber nur mit dem Kaufpreis. Dann kommt die Ernüchterung.

Monatlich müsst ihr einplanen: Box oder Pensionsstall (je nach Region unterschiedlich), Futter, Hufschmied alle 6-8 Wochen, Tierarzt-Checks, Versicherung. Und dann kommen noch unerwartete Sachen. Eine Kolik zum Beispiel. Oder eine Verletzung. Das kann schnell teuer werden.

Ein Beispiel: Penelope hatte letztes Jahr ne Zahnbehandlung gebraucht. 400 Euro. Einfach so. Hat nicht weh getan, aber musste sein. Sowas kommt vor.

Wo soll das Pony hin?

Ein Pony braucht Platz. Klingt logisch, aber manche Leute unterschätzen das. Ihr braucht mindestens eine Box (3x3 Meter), einen Paddock oder Weide (min. 1000 Quadratmeter), und nen ordentlichen Zaun (1,20m hoch minimum).

Viele denken, sie stellen das Pony einfach in den Garten. Geht meistens nicht. Zu klein, falscher Boden, kein Wasser. Dann muss man doch einen Pensionsstall suchen. Besser vorher planen.

Wenn’s nicht klappt

Manchmal passt es einfach nicht. Das Kind verliert die Lust, die Kosten werden zu hoch, das Pony passt doch nicht. Passiert. Ist keine Schande.

Was ich dann sage: Verkauft das Pony. Aber bitte vernünftig. Sucht einen guten Platz, fragt nach, wo es hinkommt. Ein unglückliches Pony macht niemanden glücklich. Und ein Pony, das nicht richtig versorgt wird, tut mir leid.

Letztes Jahr hab ich einer Familie geholfen, ihr Pony zu verkaufen. Die Tochter hatte einfach keine Lust mehr, und die Eltern konnten sich die Zeit nicht mehr nehmen. Sie haben einen super Platz gefunden, das Pony geht’s gut. Manchmal ist das die beste Lösung.

Ein Pony ist keine Anschaffung, die man mal eben so macht. Das ist eine langfristige Verpflichtung. Mindestens 20 Jahre, wenn alles gut geht.

Falls ihr überlegt, ein eigenes Pony zu kaufen: Kommt vorbei, redet mit uns. Wir können euch sagen, ob euer Kind schon so weit ist. Und vielleicht können wir euch bei der Suche helfen. Aber bitte: Überstürzt nichts. Ein falsches Pony macht niemanden glücklich. Und ein Pony, das nicht richtig versorgt wird, leidet. Das will niemand.

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