Pferdewissen

Kolik beim Pferd: Symptome erkennen

Bauchschmerzen beim Pferd sind ein Notfall. Erfahre, wie du eine Kolik frühzeitig erkennst und im Ernstfall Leben rettest.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Ein aufmerksames Pferd im Stall beobachtet seine Umgebung

Ein aufmerksames Pferd im Stall beobachtet seine Umgebung

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Kurz und klar zu Kolik beim Pferd: Symptome erkennen: die wichtigsten Punkte ohne Umwege.
  • Futter, Bewegung und tägliche Kontrolle gehören zusammen und sollten immer als Paket gedacht werden.
  • Lieber einmal zu früh reagieren als zu spät, gerade bei Schmerz- und Stoffwechselthemen.
  • Frühe, kleine Warnzeichen sind oft der Unterschied zwischen kurzer Behandlung und langem Ausfall.
Kolik. Da kriege ich immer noch feuchte Hände, wenn ich das Wort höre. Letztes Jahr um drei Uhr nachts verhielt sich Napoleon komisch. Mein Herz war im Keller. War dann zum Glück falscher Alarm. Aber ich sag dir, diese Nächte vergisst man nicht. Deswegen schreib ich das hier. Du sollst wissen, worauf du achten musst. Bevor's soweit kommt.

Kolik ist kein bestimmter Krankheitsname. Es ist ein Sammelbegriff für Bauchschmerzen beim Pferd. Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Mal steckt Luft im Darm, mal ist es eine Verstopfung, mal ist es etwas viel Ernsteres. Das Gemeine ist: Von außen sieht es am Anfang oft gleich aus. Deshalb zählt schnelles Handeln.

Viele Eltern fragen mich: Ist das nicht übertrieben, wegen ein bisschen Unruhe direkt den Tierarzt zu rufen? Ich sage: Bei Kolik lieber einmal zu früh. Kein Tierarzt lacht dich aus, wenn du vorsichtig bist. Er kennt das und er will lieber zu früh kommen als zu spät.

Ich habe das zweimal erlebt, wie schnell es kippen kann. Bei Chica fing es mit leichtem Scharren an, nichts Wildes. Eine Stunde später wollte sie sich hinlegen und kam nicht mehr zur Ruhe. Der Tierarzt war da, wir konnten helfen, aber es hat mir gezeigt, wie schnell es gehen kann.

[!CAUTION] Ganz wichtig vorweg: Das hier ersetzt KEINEN Tierarzt. Niemals. Wenn dein Pferd Anzeichen zeigt, SOFORT anrufen. Nicht googeln, nicht WhatsApp, anrufen. Der Tierarzt wird dir nicht den Kopf abreißen, weil du vorsichtig bist. Versprochen.

Viele Eltern fragen mich auch: Woran erkenne ich die ersten Zeichen überhaupt? Nicht jedes Pferd rollt sofort. Oft sind es kleine Dinge. Das Pferd frisst langsamer oder lässt das Kraftfutter stehen. Es schaut immer wieder zum Bauch oder schlägt mit dem Schweif, obwohl keine Fliegen da sind. Manche stehen breitbeinig und strecken sich, als wollten sie pinkeln. Andere legen sich immer wieder hin und stehen gleich wieder auf.

  • Unruhe, häufiges Hinlegen und Aufstehen
  • Scharren mit dem Huf, Blick zur Flanke
  • Weniger Appetit oder plötzliches Futterverweigern
  • Weniger oder trockener Mist
  • Schwitzen ohne Anstrengung
  • Abwehr beim Putzen am Bauch

Eltern fragen mich oft: Muss das Pferd immer rollen, wenn es Kolik hat? Nein. Manche werden still und ziehen sich zurück. Das ist sogar gefährlich, weil es weniger auffällt. Deshalb ist es wichtig, sein Pony gut zu kennen. Ein stilles, sonst waches Pony kann ein Warnzeichen sein.

Eine andere Frage: Soll ich das Pferd laufen lassen? Wenn es sicher ist, kann ruhiges Führen helfen, vor allem damit es nicht wälzt. Aber bitte nicht stundenlang rennen lassen. Und niemals sich selbst in Gefahr bringen. Wenn das Pony sich hinwerfen will und du dabei bist, dann tritt zurück. Sicherheit geht vor.

Und ja, die Frage kommt auch: Darf ich ihm Schmerzmittel geben? Bitte nur in Absprache mit dem Tierarzt. Schmerzmittel können Symptome verschleiern und erschweren die Einschätzung. Der Tierarzt möchte wissen, wie es dem Pferd geht, bevor etwas wirkt.

  1. 1 Futter wegnehmen, Wasser stehen lassen
  2. 2 Pony beobachten und ruhig führen, wenn sicher
  3. 3 Stallgasse frei räumen, Licht an, Ruhe reinbringen
  4. 4 [object Object]
  5. 5 Tierarzt informieren, was du beobachtet hast

Ein Beispiel vom Hof: Vor zwei Jahren hatte Lotti eine leichtere Verstopfung. Sie war nicht dramatisch unruhig, aber sie fraß ihr Heu nicht und der Mist war trocken. Wir haben direkt angerufen, der Tierarzt kam, wir konnten schnell reagieren. Hätten wir gewartet, wäre es schlimmer geworden. Diese kleinen Signale sind oft die wichtigsten.

Eltern fragen mich: Kann Kolik von Futterwechsel kommen? Ja, sehr häufig. Wenn plötzlich mehr Kraftfutter oder anderes Heu kommt, kann der Darm empfindlich reagieren. Deshalb stellen wir bei uns Futter immer langsam um. Über Tage, nicht von heute auf morgen.

Noch eine typische Frage: Was ist mit Wasser im Winter? Kaltes Wasser ist weniger attraktiv, viele Pferde trinken dann weniger. Das kann zu trockenem Kot und damit zu Verstopfungen führen. Wir achten darauf, dass die Tränken nicht zu kalt sind und dass jedes Pony wirklich trinkt. Bei uns gibt es im Winter oft warmes Wasser extra. Das klingt nach Aufwand, spart aber Probleme.

Viele Eltern fragen auch: Muss ich Puls oder Atmung messen? Wenn du dich damit auskennst, ist das super. Es hilft dem Tierarzt. Wenn du keine Erfahrung hast, reicht es, Verhalten und Symptome zu beschreiben. Du musst kein Profi sein. Du musst nur genau beobachten.

Ich sag meinen Reitschülern immer: Du musst dein Pferd nicht besser kennen als der Tierarzt. Aber du musst es besser kennen als jeder andere. DU merkst, wenn was nicht stimmt. Vertrau dem.

Sarah Handte

Ein zweites Beispiel: Bei einem Ferienkurs hat ein Vater erzählt, sein Pony habe nachts immer wieder gescharrt. Tagsüber war es wieder okay. Wir haben ihn gebeten, das Fressverhalten und den Mist im Blick zu behalten. Am nächsten Morgen war weniger Mist da und das Pony war matt. Der Tierarzt kam, es war zum Glück nur eine leichte Gasgeschichte. Aber der Vater hat gelernt, dass wiederholtes Scharren in der Nacht kein Zufall ist.

Eltern fragen mich oft: Woran merke ich, dass es wirklich ein Notfall ist? Wenn das Pony stark schwitzt, sich heftig wälzt, sich nicht beruhigen lässt oder gar nicht mehr aufstehen will, dann ist das ein Notfall. Auch wenn es gar keinen Mist mehr absetzt oder wenn der Bauch sehr aufgebläht wirkt, ist das ein Grund, sofort zu handeln.

Und noch eine Frage: Was kann ich tun, um Kolik vorzubeugen? Eine ganze Menge. Regelmäßiges, faserreiches Futter, genug Bewegung, langsame Futterumstellungen, sauberes Wasser, regelmäßige Zahnkontrolle und eine gute Parasitenkontrolle. Das klingt nach viel, ist aber im Alltag gut machbar.

  • Futter langsam umstellen, nicht abrupt
  • Ausreichend Heu, nicht zu viel Kraftfutter auf einmal
  • Täglich Bewegung, auch an ruhigen Tagen
  • Frisches Wasser, im Winter gerne lauwarm
  • Zähne und Parasiten regelmäßig checken

Ein drittes Beispiel aus dem Stallalltag: Nach einem sehr trockenen Sommer hat sich ein Pony bei uns im Offenstall mehr Sand mitgefressen als sonst. Wir haben das am Kot gesehen. Wir haben sofort reagiert und das Futter angepasst. Es blieb zum Glück ohne Kolik. Solche Kleinigkeiten sind oft die echte Prävention.

Eltern fragen mich manchmal: Soll ich den Bauch abhören? Du kannst dein Ohr an die Flanke legen und schauen, ob du Darmgeräusche hörst. Aber wenn du keine Erfahrung hast, mach dir keinen Stress. Wichtiger ist, ob das Pony frisst, trinkt, Mist absetzt und wie es sich bewegt. Wenn der Bauch still ist, der Mist ausbleibt und das Pferd matt wirkt, ist das ein klarer Grund für den Tierarzt.

Eine weitere Frage: Darf ich dem Pferd wieder Heu geben, wenn es kurz ruhiger wirkt? Ohne Rücksprache besser nicht. Ein kurzer ruhiger Moment kann trügen. Der Tierarzt entscheidet, wann und wie gefüttert wird. Ich habe mir angewöhnt, genau aufzuschreiben, was passiert ist, und dann die Anweisungen zu befolgen. Das hilft, ruhig zu bleiben.

Und noch eine: Wie lange muss ich danach beobachten? Ich sage immer, mindestens einen Tag lang genauer hinschauen. Fressen, trinken, Mist und Verhalten. Wenn alles stabil ist, kann man wieder durchatmen. Aber lieber einmal länger aufmerksam sein als zu schnell abhaken.

Viele Eltern fragen mich: Kann Kolik auch durch Stress kommen? Stress kann den Darm beeinflussen. Ein Umzug, neue Herde, viel Unruhe kann den Magen und Darm durcheinanderbringen. Deshalb versuchen wir, Veränderungen ruhig zu gestalten.

Und was ist mit dem Wälzen? Ja, Pferde wälzen auch aus Freude. Der Unterschied ist: Beim Wälzen aus Freude stehen sie auf, schütteln sich, gehen wieder fressen. Bei Kolik wälzen sie unruhig, kommen nicht zur Ruhe und wirken angespannt. Wenn du unsicher bist, ruf den Tierarzt an.

Zusammengefasst: Kolik ist ernst, aber kein Grund zur Panik, wenn du vorbereitet bist. Kenne die Symptome. Hab die Nummer vom Tierarzt eingespeichert. Nicht um drei Uhr nachts googeln müssen. Und im Zweifel: Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig. Ich hab den Tierarzt bestimmt schon dreimal umsonst rausgeholt. War mir trotzdem nie peinlich.

Fragen? Unsicher bei der Pferdegesundheit?

Du hast Fragen zur artgerechten Haltung oder willst wissen, wie wir bei unseren Ponys Koliken vorbeugen? Schreib mir. Ich erzähl dir gern, was wir bei Napoleon, Chica und den anderen so machen.
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