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Kolik beim Pferd: Symptome erkennen
Bauchschmerzen beim Pferd sind ein Notfall. Erfahre, wie du eine Kolik frühzeitig erkennst und im Ernstfall Leben rettest.

Ein aufmerksames Pferd im Stall beobachtet seine Umgebung
[!CAUTION] Ganz wichtig vorweg: Das hier ersetzt KEINEN Tierarzt. Niemals. Wenn dein Pferd Anzeichen zeigt, SOFORT anrufen. Nicht googeln, nicht WhatsApp, anrufen. Der Tierarzt wird dir nicht den Kopf abreißen, weil du vorsichtig bist. Versprochen.
Woran erkennst du eine Kolik?
Das Gemeine ist: Jedes Pferd zeigt’s anders. Penelope wird zum Beispiel total still, wenn’s ihr nicht gut geht. Kylo dagegen dreht völlig am Rad. Du musst DEIN Pferd kennen. Hier die klassischen Warnsignale:
1. Scharren mit den Vorderhufen
Sieht aus wie nervöses Tänzeln. Als würde das Pferd versuchen, den Schmerz wegzugraben. Coco hat das mal gemacht. Da dachte ich erst, die ist einfach ungeduldig. War sie nicht.
2. Ständig zum Bauch gucken
Der Kopf dreht sich immer wieder zur Flanke. Simon hat das gemacht, immer wieder hingeschaut. Als würde er fragen: “Was ist DAS denn?” Typisches Zeichen.
3. Flehmen
Oberlippe hoch, Zähne gefletscht. Bei Hengsten normal, die checken Stuten. Aber bei Stuten oder Wallachen? Vorsicht.
4. Hinlegen, aufstehen, hinlegen, aufstehen
Das Pferd findet keine Position. Ruffy hat das mal eine Stunde lang gemacht. Ich war fix und fertig. Er hat einfach keine bequeme Lage gefunden.
5. Wälzen ohne Schütteln danach
Normal ist: hinplumpsen, rollen, aufstehen, schütteln, weitergehen. Bei Kolik: rollen, rollen, rollen. Und nicht mehr aufstehen wollen. Das ist richtig übel.
6. Futterverweigerung
DAS ist bei Napoleon der absolute Alarm. Der frisst IMMER. Wenn der sein Müsli stehen lässt, ist was faul. Bei deinem Pferd genauso. Wenn der normale Vielfraß plötzlich nichts anrührt: Obacht.
7. Kalter Schweiß ohne Bewegung
An den Flanken, am Hals. Gruselig, wenn du’s zum ersten Mal siehst. Fiona hatte das mal. Ich dachte, mir bleibt das Herz stehen.
Mein ehrlicher Tipp: Vertrau deinem Bauchgefühl. Du kennst dein Pferd. Wenn irgendwas “off” ist, lieber einmal zu viel anrufen.
Was machst du, wenn du Kolik vermutest?
Erstmal: DURCHATMEN. Ich weiß, leichter gesagt als getan. Aber deine Panik überträgt sich aufs Pferd. Das braucht gerade niemand.
Das machst du SOFORT:
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Tierarzt ANRUFEN. Nicht SMS, nicht E-Mail. Telefon in die Hand, wählen. Sag, was du siehst: Wie verhält sich das Pferd? Wie lange schon? Wenn du’s kannst: Temperatur und Puls nennen.
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Alles Futter weg. Ich weiß, das fühlt sich gemein an. Aber der Darm muss jetzt nicht noch mehr arbeiten. Auch Heu raus.
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Im Schritt führen, wenn’s geht. Langsam. Das regt die Darmtätigkeit an. NICHT traben, NICHT galoppieren. Ganz ruhig.
Das Wälz-Ding:
Früher hieß es immer: “Um Gottes Willen, bloß nicht wälzen lassen, da verdreht sich der Darm!” Heute sagen die meisten Tierärzte: Wenn das Pferd sich wälzen WILL, lass es. Aber an einem sicheren Ort. Box mit viel Stroh, Sandplatz. Bei starken Schmerzen kannst du’s eh nicht verhindern. Wenn du’s versuchst, verletzt du dich am Ende noch.
Check die Vitalwerte (wenn du dich traust):
- Temperatur: Normal ist 37,5–38,2 Grad
- Puls: Normal 28–40 Schläge pro Minute
- Schleimhäute: Rosa ist gut. Blass oder bläulich ist schlecht.
Ich hab mir das mal aufgeschrieben und in der Stallapotheke hingehängt. Nachts um drei willst du nicht überlegen müssen, was nochmal normal war.
Vorbeugen ist besser als Heilen
Kolik lässt sich nie zu 100% verhindern. Manchmal ist es einfach Pech. Aber du kannst VIEL tun:
Heu, Heu, Heu
Pferde sind Dauerfresser. Die brauchen Raufutter, nicht Kraftfutter-Orgien. Attila würde am liebsten nur Müsli. Aber nee. Heu ist König.
Wasser. Immer.
Das ist SO wichtig. Der häufigste Auslöser für Verstopfungskoliken? Zu wenig Wasser. Im Winter: Check, ob’s gefroren ist! Sleepy trinkt im Winter gefühlt die Hälfte, weil er keine Lust auf eiskaltes Wasser hat. Da stellen wir lauwarmes Wasser hin.
Bewegung
Ein Pferd, das sich bewegt, hat einen Darm, der sich bewegt. 24/7 in der Box stehen ist Gift. Unsere Ponys sind so viel wie möglich draußen. Auch im Winter.
Kein Stress
Herdenwechsel, neuer Stall, Turnier. Alles Stress. Und Stress schlägt auf den Magen. Buchstäblich. Als Balu zu uns kam, hat der erstmal zwei Wochen gebraucht, bis er sich eingelebt hat.
Futterumstellung LANGSAM
Neues Heu? Neues Kraftfutter? Immer über 1–2 Wochen einschleichen. Der Darm braucht Zeit, sich anzupassen.
KEIN RASENSCHNITT. NIE.
Ich sag das jedem. Rasenschnitt gärt im Bauch und führt fast garantiert zur Kolik. Wenn Spaziergänger am Paddock vorbeikommen und meinen, sie tun was Gutes. Nee. Einfach nee. (Mehr dazu: Warum man fremde Pferde nicht füttern sollte)
Ich sag meinen Reitschülern immer: Du musst dein Pferd nicht besser kennen als der Tierarzt. Aber du musst es besser kennen als jeder andere. DU merkst, wenn was nicht stimmt. Vertrau dem.
Zusammengefasst: Kolik ist ernst, aber kein Grund zur Panik, wenn du vorbereitet bist. Kenne die Symptome. Hab die Nummer vom Tierarzt eingespeichert. Nicht um drei Uhr nachts googeln müssen. Und im Zweifel: Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig. Ich hab den Tierarzt bestimmt schon dreimal umsonst rausgeholt. War mir trotzdem nie peinlich.
Quellen & Weiterführendes
Das hier basiert auf meiner Erfahrung und auf soliden Fachquellen:
- Bundestierärztekammer: Merkblatt Kolik beim Pferd - Offizielle Empfehlungen zur Ersten Hilfe
- FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung): Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4 - Haltung, Fütterung, Gesundheit
- Vetmeduni Vienna: Forschung zu Kolik-Prävention und Risikofaktoren
- Dr. med. vet. Helmut Ende: “Pferdekrankheiten” - Standardwerk zur Pferdegesundheit
Hinweis: Das hier ersetzt keine tierärztliche Beratung. Im Zweifel immer den Profi fragen.


