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Wissen

Können Pferde Angst spüren?

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Nahaufnahme einer Hand, die sanft das Maul eines Pferdes berührt - Vertrauen und Empathie.

Nahaufnahme einer Hand, die sanft das Maul eines Pferdes berührt - Vertrauen und Empathie.

Diese Frage höre ich ständig. Meistens von Eltern, die selbst ein bisschen mulmig sind, wenn ihr Kind auf Penelope oder Napoleon sitzt. "Merkt das Pony, dass ich nervös bin?" Und ich sag dann immer: Ja. Hundertprozentig ja. Das ist aber nicht schlimm. Lass mich erklären, warum.

Was die Wissenschaft sagt (und was ich im Stall sehe)

Pferde sind quasi lebende Lügendetektoren. Klingt übertrieben? Ist es nicht.

Die haben Jahrmillionen überlebt, weil sie SOFORT gecheckt haben, wenn irgendwas nicht stimmt. Als Fluchttiere mussten die blitzschnell reagieren. Sonst waren sie Löwenfutter. Diese Fähigkeit ist immer noch da. Auch wenn Chica jetzt eher vor Plastiktüten flüchtet als vor Raubtieren.

Was Pferde alles wahrnehmen:

  • Deine Körpersprache: Wenn du Angst hast, wirst du steif. Deine Schultern gehen hoch, deine Atmung wird flach. Das merkt Sleepy sofort. Auch wenn er aussieht, als würde er dösen.

  • Deinen Herzschlag: Ja, echt jetzt. Studien haben gezeigt, dass Pferde auf unseren Puls reagieren. Wenn dein Herz rast, denkt das Pony: “Hm, die ist aufgeregt. Muss ich auch aufgeregt sein?”

  • Deinen Geruch: Das ist das Verrückte. Wir schwitzen anders, wenn wir Stress haben. Andere Pheromone. Und Pferde riechen das. Kylo schnuppert manchmal so an mir rum und ich weiß genau, der checkt gerade meine Stimmung.

Letzte Woche hatte ich eine Reitschülerin, die total angespannt war. Am Vortag hatte sie eine Mathearbeit verhauen. Sie hat kein Wort gesagt. Aber Simon wollte einfach nicht vorwärtslaufen. Der hat gespürt, dass irgendwas nicht stimmt. Als sie mir dann erzählt hat, was los ist und wir kurz gequatscht haben, ging’s auf einmal.

Das ist mehr als nur Instinkt

Hier wird’s für mich richtig spannend. Pferde sind nicht nur gute Beobachter. Die bauen echte Beziehungen auf.

Napoleon zum Beispiel. Der kennt mich seit Jahren. Der weiß, wie ich ticke. Wenn ich gestresst in den Stall komme (ja, das passiert auch mir), dann guckt der mich an und wird ruhiger. Als würde er sagen: “Hey, chill mal.”

Balu macht das auch. Der ist so ein Empath unter den Ponys. In der Reittherapie hatte ich mal ein Kind, das furchtbar traurig war. Eltern in Scheidung, das ganze Drama. Balu hat den ganzen Tag seinen Kopf an dem Kind gelassen. Einfach so. Als hätte er’s gewusst.

Das ist der Grund, warum Pferde so wertvoll in der Therapie sind. Die urteilen nicht. Die labern nicht. Die sind einfach DA.

Pferde spüren deine Angst. Und jetzt?

Jetzt mal ehrlich: Das klingt vielleicht erstmal beunruhigend. "Toll, das Pony weiß, dass ich Schiss hab." Aber eigentlich ist es eine Chance. Denn wenn du lernst, ruhiger zu werden, lernst du auch was über dich selbst. Pferde sind wie Spiegel. Und manchmal ist das, was die uns zeigen, genau das, was wir sehen müssen.

Was du konkret tun kannst

Praktische Tipps. Weil theoretisches Gerede niemandem hilft:

  • Atmen, bevor du zum Pony gehst: Klingt banal, wirkt Wunder. Drei tiefe Atemzüge. Ich mach das auch noch nach zwanzig Jahren, wenn’s mal hektisch wird.

  • Langsam annähern: Fiona zum Beispiel mag’s gar nicht, wenn jemand angestürmt kommt. Die braucht ihre Zeit. Und weißt du was? Die meisten Menschen eigentlich auch.

  • Nicht so tun, als wärst du nicht nervös: Die Pferde merken’s eh. Besser ehrlich sein. Ich sag den Kindern manchmal: “Sag dem Pony, dass du aufgeregt bist.” Klingt komisch, hilft aber.

  • Zeit investieren: Attila hat am Anfang null Bock auf mich gehabt. Hat gedauert, bis wir uns kannten. Aber jetzt? Der kommt angaloppiert, wenn er mich sieht.

Am Ende ist es wie mit Menschen. Vertrauen braucht Zeit. Und Ehrlichkeit. Quacky hat mir beigebracht, dass Geduld alles ist. Manchmal steh ich einfach zehn Minuten neben ihm und mach gar nix. Und dann stupst er mich an. “Okay, jetzt bist du bereit.”

Das ist Pferdesprache.

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