Saisonales
Pferde im Winter: Fütterung

Pony im verschneiten Paddock.
Wisst ihr, was ich am Winter am meisten hasse? Um sechs Uhr morgens im Dunkeln gefrorene Tränken aufhacken. Das ist wirklich nicht mein Highlight.
Winter am Ponyhof ist anders. Alles wird ruhiger, die Tage sind kürzer, und unsere Ponys verwandeln sich in Wollknäuel auf vier Beinen. Aber es ist auch die Zeit, wo wir am meisten aufpassen müssen. Also, hier mal alles, was ich in den letzten Jahren gelernt hab.
Fütterung im Winter: Napoleon frisst uns die Haare vom Kopf
Okay, ich übertreibe. Aber nur ein bisschen.
Im Winter brauchen Pferde deutlich mehr Energie, um ihre Körpertemperatur zu halten. Das ist ja auch logisch. Und unsere Ponys zeigen das auch deutlich. Napoleon zum Beispiel: der ist im Sommer schon ein guter Esser, aber im Winter? Der verschwindet quasi im Heuhaufen und kommt erst im März wieder raus.
Ich hab mal nachgemessen (ja, ich bin so ein Nerd): Der frisst im Winter locker 30% mehr Heu als im Sommer!
Was wir bei der Fütterung beachten:
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Heu, Heu, Heu: Das ist die Basis. Bei Minusgraden geben wir großzügig. Faustregel: mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht pro Tag. Bei Napoleon… naja, bei Napoleon schummeln wir ein bisschen nach oben. Die Verdauung erzeugt Wärme von innen. Das ist wie eine eingebaute Heizung.
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Kraftfutter individuell: Simon ist älter und braucht seine Extra-Portion. Sleepy ist eher der Leichtfuttrige. Napoleon kriegt eigentlich weniger, weil… naja, ihr wisst schon. Der muss aufpassen. Lennox ist irgendwo dazwischen. Jedes Pony ist anders.
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Mash-Dienstag (und manchmal auch Freitag): Ein- bis zweimal die Woche gibt’s warmes Mash. Leinsamen, Rübenschnitzel, ein bisschen Honig. Die stehen dann da und sabbern schon, wenn ich nur mit dem Eimer komme. Das ist auch so ein Winterritual, das ich ehrlich gesagt sehr mag.
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Wasser, mein persönlicher Endgegner: Gefrorene Tränken. Jeden. Verdammten. Morgen. Beheizbare Tränken wären der Traum, aber die sind teuer. Also: mehrmals täglich kontrollieren, Eis raushauen, fluchen, weitermachen.
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Salzleckstein nicht vergessen: Wird oft vergessen, aber auch im Winter brauchen die Ponys Mineralien. Attila schleckt seinen quasi runter, Coco rührt ihren kaum an. Wie gesagt: jedes Pony ist anders.
Bewegung trotz Kälte: Wenn Kylo Hummeln im Hintern hat
Kennt ihr das, wenn ein Pferd zu lange rumsteht? Kylo zum Beispiel: wenn der zwei Tage nicht richtig rauskommt, dann geht der ab wie eine Rakete. Das ist lustig, aber auch ein bisschen gefährlich.
Bewegung ist im Winter mega wichtig. Für die Verdauung, für die Gelenke, für den Kopf. Aber es ist auch nicht immer einfach umzusetzen.
Unser Winter-Bewegungsprogramm:
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Täglicher Auslauf, auch bei Kälte: Unsere Ponys kommen jeden Tag raus, wenn irgendwie möglich. Der befestigte Paddock ist im Winter Gold wert. Pferde können Kälte nämlich erstaunlich gut ab, oft besser als Hitze. Wichtig ist nur, dass sie nicht nass UND kalt sind gleichzeitig.
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Reithalle als Rettung: Bei Glatteis oder wenn’s richtig doof ist, nutzen wir unsere kleine Halle. Da können die Ponys auch mal frei laufen. Penelope galoppiert dann immer eine Runde, als hätte sie darauf gewartet. Simon trabt gemütlich hinterher. Ruffy steht in der Ecke und guckt, ob er irgendwas Fressbares findet (Spoiler: meistens nein).
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Lange aufwärmen: Das ist so ein Punkt, den ich am Anfang unterschätzt hab. Im Winter brauchen Pferde echt lange Schritt-Phasen zum Aufwärmen. Kaltstart und dann gleich los? Nee, da riskiert man Verspannungen oder Schlimmeres.
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Kopfarbeit nicht vergessen: Pucki liebt Stangenarbeit. Balu macht gerne Gelassenheitstraining (obwohl der eh schon tiefenentspannt ist). Fiona macht, worauf Fiona gerade Lust hat. Aber Hauptsache, die Birne wird benutzt. Ansonsten drehen die durch.
Winterfell und Pflege: Vom Pony zum Plüschtier
Ich liebe es, wie unsere Ponys im Winter aussehen. Wie aufgepumpte Stofftiere. Coco wird richtig rund und flauschig, Chica kriegt so einen süßen Teddy-Look… aber dieses Fell braucht auch Pflege.
Was wir bei der Fellpflege machen:
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Grobe Verschmutzungen raus: Vor allem in der Sattel- und Gurtlage. Dreck unter’m Sattel bedeutet Druckstellen, bedeutet unglückliches Pony, bedeutet unglückliche Sarah.
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Regelmäßige Haut-Checks: Unters Fell gucken! Der feuchte Winter ist perfekt für Pilze und Milben. Hab ich schon hinter mir, will ich nicht nochmal. Bei den Ponys also: regelmäßig Haut kontrollieren.
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Nach der Arbeit trocknen lassen: Ein verschwitztes Pferd in die Kälte stellen bedeutet Erkältung. Abschwitzdecke drauf oder Zeit zum Trocknen geben. Klingt logisch, vergisst man aber manchmal, wenn man selbst friert und schnell rein will.
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Mähne und Schweif entwirren: Vor allem wenn die Ponys im Matsch rumgewühlt haben. Lennox liebt das aus irgendeinem Grund. Der sieht manchmal aus, als hätte er eine Schlammschlacht veranstaltet. Hat er wahrscheinlich auch.
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Eindecken, unsere Philosophie: Wir decken fast nie ein. Unsere robusten Ponys haben ihre natürliche Winterjacke und das reicht. Was sie brauchen, ist ein trockener, windgeschützter Unterstand. Keine fancy Thermodecke.
Stall und Paddock: Matschmanagement, mein liebstes Hobby (nicht)
Nässe und Matsch sind die echten Feinde im Winter. Nicht die Kälte. Strahlfäule, Mauke, wunde Hufe: das passiert alles durch zu viel Feuchtigkeit.
Was wir gegen den Matsch-Wahnsinn tun:
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Trockene Liegeflächen sind Pflicht: Die Ponys müssen sich trocken hinlegen können. Wir nutzen viel Stroh und misten regelmäßig. Ja, das ist Arbeit. Ja, es ist eklig bei Minusgraden. Mach ich trotzdem.
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Befestigte Bereiche: An den Stellen, wo die Ponys oft stehen (Tränke, Futterstation), haben wir Paddockplatten. Das war eine der besten Investitionen ever. Vorher war da knöcheltiefer Morast.
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Abäppeln, auch auf dem Paddock: Klingt nervig, ist aber wichtig für die Hygiene. Und irgendwie auch meditativ? Ich hab komische Hobbies.
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Hufe, Hufe, Hufe: Täglich auskratzen und kontrollieren. Strahlfäule schleicht sich so schnell ein bei Nässe. Bei Attila muss ich besonders aufpassen, der hat etwas empfindlichere Hufe.
Das Wichtigste: Mehr Kuscheln, weniger Stress
Wisst ihr, was im Winter am wichtigsten ist? Zeit.
Die Ponys sind angestauter, manchmal ein bisschen muffelig. Die Tage sind kurz, es ist kalt, alles ist doof. Ich kenn das Gefühl.
Also nehm ich mir extra Zeit. Ein paar Minuten mehr bei Simon, der ist alt und braucht seine Streicheleinheiten. Ein Leckerli mehr für Sleepy, der dann diese zufriedenen Kau-Geräusche macht. Ein nettes Wort für Fiona, die es sowieso nicht glaubt, aber ich versuch’s trotzdem.
Das kostet nix außer Zeit. Und es macht so viel aus.
Pferde können Kälte erstaunlich gut vertragen, oft besser als Hitze. Das Wichtigste ist genug Raufutter. Die Verdauung erzeugt Wärme von innen. Das ist wie eine eingebaute Heizung. Deshalb geben wir im Winter so großzügig Heu. Und deshalb sieht Napoleon im März aus wie eine Kugel.
Der Winter ist anstrengend, keine Frage. Die frühen Morgen, die gefrorenen Tränken, der ewige Matsch... Aber dann reite ich an einem klaren Winternachmittag mit Balu durch die verschneite Landschaft, und er dampft aus den Nüstern, und alles ist weiß und still. Und dann weiß ich wieder, warum ich das mache.
Kontakt Winterfragen?
Wie managt ihr den Winter mit euren Pferden? Habt ihr noch weitere Tipps? Schreibt uns gern. Ich freue mich immer über Austausch, und über Mitleid wegen der gefrorenen Tränken.


