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Ratgeber

Was Kinder beim Ponyreiten wirklich lernen

Motorik, Selbstvertrauen, Empathie – warum Pferdearbeit mehr ist als ein Hobby.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Kind striegelt ein Pony konzentriert

Kind striegelt ein Pony konzentriert

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Reiten schult Gleichgewicht und Körpergefühl nachhaltiger als viele Sportarten.
  • Der Umgang mit einem Tier, das ehrlich reagiert, fördert Empathie und Selbstwahrnehmung.
  • Kinder, die Verantwortung für ein Tier übernehmen, entwickeln Verlässlichkeit.
  • Die Wirkung ist besonders stark in der Altersgruppe 3-8 Jahre.

Wenn ein Kind vom Ponyhof nach Hause kommt, ist es meistens schmutzig, glücklich und redet noch stundenlang von “seinem” Pony. Aber was ist eigentlich passiert in dieser Stunde? Warum ist das Erlebnis so nachhaltig?

Motorik: Gleichgewicht, das Training nicht kopieren kann

Reiten ist eines der komplexesten motorischen Erlebnisse, die ein Kind haben kann. Das Pony bewegt sich in alle drei Ebenen gleichzeitig: vor-zurück, links-rechts, auf-ab.

Das Gehirn und die Tiefenmuskulatur müssen kontinuierlich kompensieren – ohne dass das Kind aktiv darüber nachdenkt. Es passiert automatisch.

Konkret was sich entwickelt:

  • Gleichgewichtssinn und Körpermitte
  • Tiefenmuskulatur (Rücken, Bauch, Hüfte)
  • Koordination zwischen oben/unten durch die Zügel
  • Reaktionsvermögen (das Tier ist unberechenbar, der Körper lernt zuzuhören)

Kinder mit Gleichgewichtsproblemen oder motorischer Entwicklungsverzögerung zeigen nach regelmäßigem Reiten oft messbare Fortschritte – das ist der Grund, warum heilpädagogisches Reiten als Fördermaßnahme eingesetzt wird. Mehr dazu im Bereich Reittherapie.

Selbstregulation: Das Pferd als ehrlicher Spiegel

Pferde haben keine soziale Maske. Sie reagieren auf das, was ein Mensch wirklich ist – nicht auf das, was er zeigt.

Ein aufgeregtes, streitsüchtiges Kind, das mit angespannten Schultern zum Pony kommt, wird ein unruhiges Pony bekommen. Ein Kind, das sich beruhigt, tief atmet und langsam auf das Tier zugeht, wird ein ruhiges Pony erleben.

Diese direkte Rückmeldung ist pädagogisch gold wert. Kein Erwachsener muss sagen “Reg dich nicht so auf.” Das Pony zeigt es einfach.

Kinder lernen dabei ohne viele Worte:

  • Den eigenen Zustand wahrzunehmen (“Ich bin gerade aufgedreht – das merkt das Pony”)
  • Sich bewusst zu regulieren
  • Dass ruhiges Verhalten eine Wirkung hat

Empathie: Verantwortung für etwas Lebendiges

Ein Pony zu striegeln ist kein Wellness-Programm für das Tier. Es ist Pflege, die notwendig ist – Verschmutzungen entfernen, Hufe kontrollieren, das Fell in Ordnung bringen.

Wenn ein Kind das übernimmt, passiert etwas: Es ist für ein anderes Lebewesen verantwortlich, das keine Sprache spricht aber trotzdem kommuniziert.

Das schult:

  • Empathie: “Mag das Pony das gerade, was ich tue?”
  • Geduld: Striegeln braucht Zeit, das Pony bestimmt das Tempo mit
  • Verlässlichkeit: Das Tier braucht die Pflege, egal wie das Kind sich fühlt

Viele Eltern berichten, dass ihre Kinder nach mehreren Einheiten auch im Alltag achtsamer mit Tieren umgehen – und manchmal auch mit anderen Menschen.

Selbstvertrauen: Das Gefühl, etwas gemeistert zu haben

Ein Kind, das zum ersten Mal sicher auf einem Pony sitzt, erlebt etwas Substanzielles: “Ich habe das gemacht. Ich war mutig. Das hat geklappt.”

Das ist kein aufgesetztes Lob (“Super gemacht!”), sondern eine echte Erfahrung. Das Pony war groß, manchmal unberechenbar – und das Kind ist draufgeblieben.

Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit – “Ich kann etwas schwieriges schaffen” – ist eine der wertvollsten Grundlagen für gesunde Persönlichkeitsentwicklung.

Besonders Kinder, die in anderen Bereichen unsicher sind (Schule, Sport, sozial), erleben auf dem Ponyhof oft eine unerwartete Stärke.

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