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Gesundheit

Pferdegestützte Interventionen

Ein sensibler Überblick. mit klarer Einordnung und respektvollem Ton.

Sarah Handte 8 Min. Lesezeit
Ein ruhiger Moment zwischen Kind und Pony.

Ein ruhiger Moment zwischen Kind und Pony.

Ich muss am Anfang was Wichtiges sagen: Ich bin keine Ärztin. Keine Therapeutin. Keine Wissenschaftlerin. Ich bin eine Frau mit einem Ponyhof und einem Herzen für Kinder, die anders ticken. Und ich sehe, was hier passiert. Aber ich werde niemals behaupten, dass wir irgendwas “heilen”. Weil das nicht stimmt. Und weil solche Versprechen gefährlich sind.

Dieses Thema liegt mir am Herzen, aber es ist auch heikel. Deshalb will ich ehrlich mit euch sein: über das, was funktioniert, was nicht funktioniert, und was wir einfach noch nicht wissen.

Was die Forschung sagt (kurz zusammengefasst)

Es gibt Studien, die positive Effekte zeigen. Zum Beispiel bei sozialer Interaktion, Motivation und Ruhe. Aber: Die Studienlage ist dünn, die Ergebnisse hängen stark vom Setting ab, und “positiver Effekt” ist nicht gleich “Heilung”. Wer euch was anderes erzählt, erzählt euch Quatsch.

Okay, aber was heißt das konkret?

Die Forschung sagt im Prinzip: “Interessant, da passiert was, wir wissen aber noch nicht genau warum und für wen es funktioniert.”

Was ich hier bei uns sehe:

  • Kinder, die sonst nicht sprechen, reden plötzlich mit Sleepy.
  • Kinder, die Berührung sonst meiden, bürsten Lennox minutenlang.
  • Kinder, die keinen Blickkontakt halten können, gucken dem Pony in die Augen.

Ist das wissenschaftlich bewiesen? Nicht so richtig. Ist es real? Ja, verdammt nochmal.

Aber es funktioniert nicht bei allen. Das ist wichtig. Und manchmal funktioniert es an einem Tag und am nächsten nicht. Und manche Kinder haben Angst vor großen Tieren, und das ist auch okay.

Wie so eine Einheit bei uns aussieht

Wir starten langsam. Ganz langsam. Manchmal kommen Kinder erstmal nur, um den Stall anzugucken. Von weitem. Das ist okay.

Wenn sie soweit sind, machen wir einfache Sachen:

  • Halfter holen (immer das gleiche, immer vom gleichen Platz)
  • Das Pony begrüßen (Fiona ist toll dafür, die steht ruhig und schnuppert vorsichtig)
  • Vielleicht ein bisschen striegeln
  • Vielleicht auch nicht

Reiten ist oft gar nicht das Ziel. Manchmal ist das Ziel: Drei Minuten neben Ruffy stehen, ohne wegzulaufen. Und das ist dann ein Riesenerfolg.

Ein Junge, ich nenn ihn Lukas, der kam am Anfang nur bis zum Zaun. Hat von dort aus die Ponys beobachtet. Vier Wochen lang. Dann ist er rein. Hat sich neben Coco gestellt. Hat sie angeschaut. Und dann hat er “Hallo” gesagt. Sein erstes Wort seit Monaten, hat seine Mama erzählt.

Sowas vergisst man nicht.

Was mir wichtig ist

Das Kind entscheidet. Nicht der Zeitplan, nicht die Eltern, nicht ich. Wenn ein Kind heute nicht kann, dann kann es heute nicht. Dann machen wir was anderes oder gar nichts.

Den Ponys geht’s gut. Das ist nicht verhandelbar. Wenn Lennox mal einen schlechten Tag hat, dann arbeiten wir halt mit Fiona. Oder gar nicht. Die Ponys sind keine Therapiegeräte, die sind Lebewesen. Mit Gefühlen. Mit Grenzen.

Keine Wunder. Ich sag den Eltern immer am Anfang: Ich kann euch nichts versprechen. Vielleicht passiert was Tolles. Vielleicht auch nicht. Was ich versprechen kann: Ich geb mir Mühe, und euer Kind ist hier sicher und willkommen.

Wann es vielleicht nicht passt

Ehrlich sein heißt auch: Es passt nicht immer.

  • Wenn ein Kind panische Angst vor großen Tieren hat, dann ist ein Ponyhof erstmal der falsche Ort.
  • Wenn ein Kind gerade total reizüberflutet ist, dann macht mehr Input keinen Sinn.
  • Wenn die Erwartungen der Eltern unrealistisch sind (“Mein Kind wird danach normal sein”), dann muss ich das ansprechen.

In solchen Fällen suchen wir gemeinsam nach Alternativen. Vielleicht erstmal Videos gucken. Vielleicht mit Quacky anfangen (Enten sind kleiner und weniger bedrohlich). Vielleicht ein anderes Setting.

Was ich Eltern noch sagen will

Bitte, bitte: Seht das, was wir hier machen, als Ergänzung. Nicht als Ersatz.

Wenn euer Kind eine Therapie braucht (Logopädie, Ergotherapie, Verhaltenstherapie, was auch immer), dann macht das. Das ist wichtig. Wir können ein bisschen was dazugeben. Ein gutes Gefühl. Eine Erfahrung. Einen Moment der Ruhe.

Aber wir sind kein Krankenhaus. Wir sind ein Ponyhof. Mit echten, geduldigen, manchmal sturen, manchmal wunderbaren Ponys. Und einer Ente.

Kontakt Fragen?

Wenn ihr mehr wissen wollt, schreibt mir. Ich erzähl euch gern, wie wir arbeiten. Und ob es für euer Kind passen könnte. Ganz ohne Druck.

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