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Gesundheit

Pferde & ADHS: Stall hilft

Struktur, klare Aufgaben und viel Bewegung. oft genau das Richtige.

Sarah Handte 7 Min. Lesezeit
Ein Kind führt ein Pony mit klarer Aufgabe.

Ein Kind führt ein Pony mit klarer Aufgabe.

Ich hab da eine Geschichte für euch. Vor ein paar Monaten kam ein Junge zu uns, ich nenn ihn mal Max. Seine Mama hat mir vorher erzählt: “Er kann sich nirgends konzentrieren. Schule ist ein Kampf. Zu Hause ist ein Kampf. Alles ist ein Kampf.” Sie war so müde. Und er auch.

Und dann hab ich Max am Putzplatz mit Ruffy gesehen. Ruffy ist unser großer Schimmel, der ist so geduldig, der könnte Berge versetzen. Und Max hat den gestriegelt. Eine halbe Stunde. Konzentriert. Ruhig. Hat jede Anweisung befolgt. “Jetzt die andere Seite.” Okay. “Jetzt den Schweif.” Okay.

Als seine Mama ihn abgeholt hat, hatte sie Tränen in den Augen. “Das hab ich noch nie erlebt”, hat sie gesagt.

Ich bin keine Therapeutin, das sag ich immer gleich dazu. Aber ich sehe, was im Stall passiert. Und bei vielen Kindern mit ADHS passiert hier was, das anderswo nicht klappt. Warum? Weil der Stall einfach anders funktioniert.

Warum der Stall oft besser funktioniert als andere Orte

Pferde reagieren klar und ehrlich. Die Aufgaben sind konkret, nicht abstrakt wie in der Schule. Und die Umgebung bietet natürliche Pausen, Bewegung, frische Luft. Für viele Kinder ist das genau die Kombination, die ihnen sonst fehlt.

Was bei uns gut funktioniert

Ich hab über die Jahre ein paar Sachen rausgefunden, die echt helfen:

Kurze, klare Ansagen. Nicht: “Kannst du bitte das Pony fertig machen?” Sondern: “Hol den Striegel aus der blauen Kiste.” Zack, erledigt. Nächste Ansage. Das funktioniert, weil’s überschaubar ist.

Immer die gleiche Reihenfolge. Ankommen, Jacke aufhängen, Halfter holen, Pony holen, Putzen, Einheit, Aufräumen, Tschüss sagen. Jedes Mal. Die Kinder wissen nach drei Besuchen, was als Nächstes kommt. Das gibt Sicherheit.

Mehr Lob als Korrektur. Ja, manchmal wird der Striegel falsch gehalten. Aber das Pony geht davon nicht kaputt. Also sag ich erstmal: “Super, dass du schon angefangen hast!” Und dann zeig ich’s nochmal.

Die Aufgabenkarten-Idee

Das ist so eine Sache, die sich bei uns entwickelt hat. Eigentlich aus Verzweiflung, wenn ich ehrlich bin. Ich hatte ein Kind, das sich null merken konnte, was als Nächstes kam. Jedes Mal: “Was soll ich jetzt machen? Was soll ich jetzt machen?”

Also hab ich kleine Karten gemacht. Mit Bildern. Striegel bedeutet Karte mit Striegel-Bild. Hufkratzer bedeutet Karte mit Hufkratzer. Und das Kind hakt ab. Physisch. Mit einem Stift.

Ihr glaubt nicht, wie gut das funktioniert. Simon, unser Fuchs, wird jetzt immer von dem gleichen Kind geputzt. Und das Kind ist so stolz auf seine ausgefüllte Karte. “Guck mal, alles grün!” Ja, mein Schatz. Alles grün.

Worauf ich achte

Jedes Kind ist anders. Auch jedes ADHS ist anders. Deshalb:

  • Tempo des Kindes. Manche brauchen mehr Action, manche mehr Ruhe. Balu ist gut für die Energiebündel. Der macht mit, wenn’s etwas wilder wird. Sleepy ist besser für die Kinder, die erstmal runterkommen müssen.
  • Klare Regeln, aber kein Gebrüll. “Nicht rennen am Pferd” ist eine Regel. Aber ich erklär auch warum. Und wenn’s passiert, sag ich ruhig: “Stopp, geh nochmal zurück und lauf.”
  • Pausen sind okay. Manchmal setz ich mich mit dem Kind auf einen Strohballen und wir gucken einfach nur zu, wie die Ponys Heu fressen. Das ist auch eine Einheit.

Wenn's zu viel wird

Ehrlich gesagt: Der Stall kann auch laut und trubelig sein. Wenn andere Kinder da sind, wenn Ponys rumwuseln, wenn jemand mit dem Traktor fährt. Für manche ist das zu viel.

Dann machen wir einen Schritt zurück. Wörtlich. Wir gehen in eine ruhige Ecke. Manchmal halten wir einfach zusammen Fiona am Strick und stehen da. Nichts tun. Atmen. Fiona atmen lassen.

Lennox ist auch super dafür. Der ist so entspannt, dass man daneben automatisch ruhiger wird. Ich nenn ihn manchmal unseren “Beruhigungspony”. Er nimmt’s gelassen.

Wichtig für Eltern

Ich sag das immer ganz ehrlich: Was wir hier machen, ersetzt keine Therapie. Keine Ergo, keine Verhaltenstherapie, keinen Arzt. Wir sind ein Ponyhof, keine Klinik.

Aber wir können einen Raum bieten, wo Kinder gute Erfahrungen machen. Wo sie merken: Ich kann mich konzentrieren. Ich kann was schaffen. Dieses Pony hört auf mich.

Das ist viel. Das ist manchmal sogar alles, was an dem Tag gebraucht wird.

Kontakt Interesse an einer Einheit?

Schreibt mir gern, erzählt mir von eurem Kind, und wir schauen zusammen, ob und wie es passen könnte. Kein Druck, kein Verkaufsgespräch. Einfach ein Gespräch.

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