Gesundheit
Impfungen beim Pferd: Core
Ein kurzer Überblick für Eltern mit klarer Einordnung.

Ein Pony steht aufmerksam im Stall.
Für eilige Eltern (TL;DR)
- Core-Impfungen: Influenza, Tetanus und Herpes gehören zum Mindestschutz.
- Impfschema einhalten: Regelmäßige Auffrischungen sichern den Schutz.
- Stallruhe beachten: Nach der Impfung brauchen die Ponys ein paar Tage Pause.
- Dokumentation: Der Equidenpass muss für Turniere und Stallwechsel aktuell sein.
Neulich hat mich eine Mutter gefragt: Sind eure Ponys eigentlich geimpft? Und ich hab gemerkt: Das ist eine gute Frage, die sich wahrscheinlich mehr Leute stellen.
Das Wichtigste zuerst
Es gibt drei Core-Impfungen für Pferde: Tetanus, Influenza und Herpes (EHV). Sie bilden den empfohlenen Grundschutz. Welche weiteren Impfungen sinnvoll sind, entscheidet die Tierärztin passend zum einzelnen Pferd und zum Bestand.
Was sind Core-Impfungen und warum ist das wichtig?
Core-Impfungen sind Impfungen, die jedes Pferd bekommen sollte, egal wo es lebt und was es macht. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin, kurz StIKo Vet, empfiehlt das ausdrücklich. Das ist wie beim Menschen mit Tetanus. Da fragt auch keiner, ob man das braucht. Man macht es einfach.
Bei Pferden sind die Core-Impfungen Tetanus, Influenza und Herpes (EHV):
Tetanus (Wundstarrkrampf): Ein Pferd kann sich an jedem kleinen Kratzer mit Tetanus infizieren. Das Bakterium lebt im Boden, in Mist, überall. Einmal im Körper, produziert es ein Gift, das die Muskeln verkrampfen lässt. Das Pferd kann nicht mehr schlucken, nicht mehr atmen. Tetanus endet fast immer tödlich. Die Impfung schützt zu fast hundert Prozent.
Ich hab einmal einen Bericht von einem Hof gelesen, wo ein ungeimpftes Pferd sich an einem Nagel verletzt hatte. Drei Tage später erste Symptome. Eine Woche später war es tot. Das war vermeidbar. Seit ich das gelesen hab, bin ich noch pingeliger mit unseren Impfterminen.
Influenza (Pferdegrippe): Das ist keine harmlose Erkältung. Pferdegrippe ist eine ernste Viruserkrankung, die sich rasend schnell verbreitet. Pferde bekommen hohes Fieber, husten wochenlang, sind komplett platt. Und sie stecken andere Pferde an, bevor sie selbst Symptome zeigen. Auf Turnieren, bei Lehrgängen, überall wo Pferde zusammenkommen, kann sich Influenza explosionsartig ausbreiten.
Im Stallalltag gibt es regelmäßig neue Ponys, Besuch von anderen Höfen und Kinder, die woanders auch reiten. Ohne Influenza-Impfung wäre das ein Risiko. Mit Impfung sind wir entspannt.
Herpes (EHV): Pferdeherpes ist tückisch. Es gibt verschiedene Typen. Manche verursachen Atemwegsprobleme, andere können Fehlgeburten bei tragenden Stuten auslösen oder sogar neurologische Ausfälle. Die Impfung schützt nicht hundertprozentig vor Ansteckung, kann aber Krankheitszeichen und Virusausscheidung verringern. Die StIKo Vet führt EHV weiterhin als Core-Impfung. Den konkreten Impfplan stimmen wir mit unserer Tierärztin auf den Bestand ab.
Wir impfen gegen Herpes, weil wir regelmäßig fremde Pferde am Hof haben. Für uns gehört das deshalb zum verlässlichen Grundschutz.
Wie oft muss man impfen?
Das ist unterschiedlich, je nach Impfstoff und Alter des Pferds.
Grundimmunisierung: Ein Pferd, das noch nie geimpft wurde, braucht erstmal eine Grundimmunisierung. Das sind meistens drei Impfungen über mehrere Monate verteilt. Erst dann ist der Schutz aufgebaut.
Auffrischung: Danach muss man regelmäßig auffrischen. Bei Influenza ist das oft jährlich, manchmal sogar halbjährlich, wenn das Pferd viel Kontakt zu anderen Pferden hat. Bei Tetanus reicht alle zwei bis drei Jahre.
Klingt nach viel? Ist es auch. Aber wenn man sich einmal einen Impfplan macht und den in den Kalender einträgt, ist es Routine. Wir führen eine Liste, wo drinsteht, wann welches Pony dran ist. Einmal im Monat kommt die Tierärztin und macht alle fälligen Impfungen auf einmal. Das ist effizient und stresst die Tiere weniger, als wenn ständig jemand einzeln dran ist.
Weitere Impfungen: Was gibt es noch?
Neben den Core-Impfungen gibt es noch andere Impfungen, die je nach Situation sinnvoll sein können.
Tollwut: In Deutschland ist Tollwut bei Wildtieren sehr selten geworden, aber nicht ausgestorben. Ein Pferd kann theoretisch von einem tollwütigen Fuchs gebissen werden. Tollwut ist immer tödlich. Die Impfung ist unproblematisch und günstig. Viele Tierärzte empfehlen sie trotzdem, gerade bei Pferden, die viel draußen sind.
Wir impfen unsere Ponys nicht gegen Tollwut, weil das Risiko bei uns extrem gering ist. Aber ich kenne Höfe in waldigen Gegenden, die das machen. Das muss jeder selbst entscheiden.
West-Nil-Virus: Das Virus wird von Mücken übertragen und kann bei Pferden schwere neurologische Erkrankungen auslösen. Das Infektionsgeschehen und die Impfempfehlungen können sich von Saison zu Saison ändern. Deshalb prüfen wir die aktuellen Hinweise von FLI und StIKo Vet und besprechen den individuellen Schutz mit unserer Tierärztin.
Was kostet das?
Die Kosten hängen vom Impfstoff, der tierärztlichen Leistung, der Anfahrt und der aktuellen Gebührenordnung ab. Eine belastbare Summe nennt euch die behandelnde Praxis. Wir bündeln Termine nach Möglichkeit, ohne notwendige Impfintervalle zu verschieben.
Eine Mutter hat mich mal gefragt, ob die Impfkosten auf die Reitstunden umgelegt werden. Nein, direkt nicht. Aber natürlich sind Tierarztkosten, Futter, Hufschmied, alles Teil der laufenden Kosten, die in die Preiskalkulation einfließen. Wir legen das nicht extra aus, aber wir rechnen ehrlich.
Nebenwirkungen: Gibt es die?
Ja, aber selten und meist harmlos. Manche Pferde haben nach der Impfung eine kleine Schwellung an der Einstichstelle. Das geht nach ein, zwei Tagen weg. Manche sind einen Tag lang etwas müde oder haben leicht erhöhte Temperatur. Das ist normal und zeigt, dass das Immunsystem arbeitet.
Ernsthafte allergische Reaktionen sind extrem selten, kommen aber vor. Deshalb bleibt die Tierärztin nach der Impfung immer noch zehn Minuten da und beobachtet das Tier. Sollte es eine Reaktion geben, kann sie sofort eingreifen.
Bei uns gab es bislang nie ernsthafte Probleme. Napoleon war einmal einen Tag lang etwas müde nach der Influenza-Impfung, aber am nächsten Tag war er wieder der Alte.
Impfpass: Warum das wichtig ist
Jedes Pferd sollte einen Impfpass haben, in dem alle Impfungen dokumentiert sind. Das ist wie der Impfausweis beim Menschen. Ohne Impfpass darfst ihr euer Pferd nicht zu Turnieren mitnehmen, oft auch nicht zu Lehrgängen. Und wenn mal ein Notfall ist und ein fremder Tierarzt sich das Pferd anschaut, will der wissen, wogegen es geimpft ist.
Wir haben für jedes Pony einen Ordner mit allen Unterlagen: Impfpass, Hufschmied-Termine, besondere Vorkommnisse. Das ist nicht nur für uns praktisch, sondern auch für Eltern, die fragen: Ist mein Kind bei euch sicher? Klare Antwort: Ja, weil wir alles dokumentieren und im Blick haben.
Kann mein Kind sich anstecken?
Nein. Die Krankheiten, gegen die wir Pferde impfen, sind nicht auf Menschen übertragbar. Tetanus überträgt sich nicht von Pferd zu Mensch. Influenza bei Pferden ist ein anderer Erreger als die menschliche Grippe. Und Herpes beim Pferd hat nichts mit Herpes beim Menschen zu tun.
Trotzdem sollten Kinder natürlich nach dem Kontakt mit Pferden Hände waschen. Nicht wegen Impf-Krankheiten, sondern wegen ganz normalem Dreck, Bakterien, Parasiten. Hygiene ist immer sinnvoll.
Woran erkenne ich, dass ein Hof verantwortungsvoll mit Impfungen umgeht?
Ganz einfach: Frag nach. Ein seriöser Hof wird euch offen sagen, welche Impfungen die Pferde haben und wann die letzte Auffrischung war. Wenn jemand ausweicht oder sagt „Ach, das machen wir so ungefähr“, wäre ich vorsichtig.
Bei uns hängt der Impfplan im Büro aus. Jeder kann nachschauen. Wir verstecken nichts, weil wir nichts zu verstecken haben.
Praxisbeispiel: Warum wir einmal einen Impftermin verschoben haben
Letztes Jahr war Simon krank. Nichts Dramatisches, aber er hatte leicht erhöhte Temperatur und war schlapp. An dem Tag sollte eigentlich die Influenza-Auffrischung sein. Wir haben den Tierarzt angerufen und gesagt: Verschieben wir um zwei Wochen, Simon ist nicht fit.
Das war richtig. Man impft niemals ein krankes Pferd. Das Immunsystem ist beschäftigt, die Impfung würde nicht vernünftig wirken, und im schlimmsten Fall macht man das Tier noch kränker. Zwei Wochen später war Simon wieder fit, und die Impfung lief problemlos.
Das zeigt: Impfungen sind wichtig, aber man muss mitdenken. Stur nach Plan ohne Rücksicht funktioniert nicht.
Kontakt Fragen zu Gesundheit und Sicherheit?
Wenn ihr wissen willst, wie wir mit Gesundheit und Vorsorge umgehen, schreib mir. Wir erklären das gern ausführlich. Und wenn euer Kind Angst vor Spritzen hat, zeigen wir, dass die Ponys das ganz entspannt machen.
Quellen
- StIKo Vet: Leitlinie zur Impfung von Pferden, Stand 06.01.2025
- Friedrich-Loeffler-Institut: StIKo Vet hält an EHV als Core-Impfung fest
- Friedrich-Loeffler-Institut: West-Nil-Virus und aktuelle Fallzahlen
- Friedrich-Loeffler-Institut: West-Nil-Virus im Jahr 2025
Passendes Angebot auf dem Ponyhof
Wenn du das Thema praktisch angehen willst, ist dieses Angebot der nächste sinnvolle Schritt.


