Gesundheit

Impfungen beim Pferd: Core

Ein kurzer Überblick für Eltern mit klarer Einordnung.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Ein Pony steht aufmerksam im Stall.

Ein Pony steht aufmerksam im Stall.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Kurz und klar zu Impfungen beim Pferd: Core: die wichtigsten Punkte ohne Umwege.
  • Lieber einmal zu früh reagieren als zu spät, gerade bei Schmerz- und Stoffwechselthemen.
  • Frühe, kleine Warnzeichen sind oft der Unterschied zwischen kurzer Behandlung und langem Ausfall.
  • Mit ruhigem, klaren Vorgehen und schneller Rücksprache mit Fachleuten schützt du Pony und Nerven.

Neulich hat mich eine Mutter gefragt: Sind eure Ponys eigentlich geimpft? Und ich hab gemerkt: Das ist eine gute Frage, die sich wahrscheinlich mehr Leute stellen.

Kurze Antwort: Ja, sind sie. Alle. Aber ich erzähl mal, was wir impfen und warum. Ist nicht so kompliziert, wie manche denken.

Das Wichtigste zuerst

Es gibt zwei Impfungen, die jedes Pferd haben sollte: Tetanus und Influenza. Das nennt man Core-Impfungen, also das Grundgerüst. Den Rest entscheidet man je nach Situation.

Was sindCore-Impfungen und warum ist das wichtig?

Core-Impfungen sind Impfungen, die jedes Pferd bekommen sollte, egal wo es lebt und was es macht. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin, kurz StIKo Vet, empfiehlt das ausdrücklich. Das ist wie beim Menschen mit Tetanus. Da fragt auch keiner, ob man das braucht. Man macht es einfach.

Bei Pferden sind die Core-Impfungen:

Tetanus (Wundstarrkrampf): Ein Pferd kann sich an jedem kleinen Kratzer mit Tetanus infizieren. Das Bakterium lebt im Boden, in Mist, überall. Einmal im Körper, produziert es ein Gift, das die Muskeln verkrampfen lässt. Das Pferd kann nicht mehr schlucken, nicht mehr atmen. Tetanus endet fast immer tödlich. Die Impfung schützt zu fast hundert Prozent.

Ich hab einmal einen Bericht von einem Hof gelesen, wo ein ungeimpftes Pferd sich an einem Nagel verletzt hatte. Drei Tage später erste Symptome. Eine Woche später war es tot. Das war vermeidbar. Seit ich das gelesen hab, bin ich noch pingeliger mit unseren Impfterminen.

Influenza (Pferdegrippe): Das ist keine harmlose Erkältung. Pferdegrippe ist eine ernste Viruserkrankung, die sich rasend schnell verbreitet. Pferde bekommen hohes Fieber, husten wochenlang, sind komplett platt. Und sie stecken andere Pferde an, bevor sie selbst Symptome zeigen. Auf Turnieren, bei Lehrgängen, überall wo Pferde zusammenkommen, kann sich Influenza explosionsartig ausbreiten.

Bei uns am Hof haben wir regelmäßig neue Ponys, Besuch von anderen Höfen, Kinder die woanders auch reiten. Ohne Influenza-Impfung wäre das ein Risiko. Mit Impfung sind wir entspannt.

Wie oft muss man impfen?

Das ist unterschiedlich, je nach Impfstoff und Alter des Pferds.

Grundimmunisierung: Ein Pferd, das noch nie geimpft wurde, braucht erstmal eine Grundimmunisierung. Das sind meistens drei Impfungen über mehrere Monate verteilt. Erst dann ist der Schutz aufgebaut.

Auffrischung: Danach muss man regelmäßig auffrischen. Bei Influenza ist das oft jährlich, manchmal sogar halbjährlich, wenn das Pferd viel Kontakt zu anderen Pferden hat. Bei Tetanus reicht alle zwei bis drei Jahre.

Klingt nach viel? Ist es auch. Aber wenn man sich einmal einen Impfplan macht und den in den Kalender einträgt, ist es Routine. Wir haben bei uns am Hof eine Liste, wo drinsteht, wann welches Pony dran ist. Einmal im Monat kommt die Tierärztin und macht alle fälligen Impfungen auf einmal. Das ist effizient und stresst die Tiere weniger, als wenn ständig jemand einzeln dran ist.

Optionale Impfungen: Was gibt es noch?

Neben den Core-Impfungen gibt es noch andere Impfungen, die je nach Situation sinnvoll sein können.

Herpes (EHV): Pferdeherpes ist tück isch. Es gibt verschiedene Typen. Manche verursachen Atemwegsprobleme, andere können Fehlgeburten bei tragenden Stuten auslösen oder sogar neurologische Ausfälle. Die Impfung schützt nicht hundertprozentig vor Ansteckung, aber sie mildert den Verlauf deutlich ab.

Wir impfen gegen Herpes, weil wir regelmäßig fremde Pferde am Hof haben. Bei geschlossenen Beständen, wo nie neue Tiere dazukommen, ist das oft weniger kritisch. Aber bei uns? Absolut sinnvoll.

Tollwut: In Deutschland ist Tollwut bei Wildtieren sehr selten geworden, aber nicht ausgestorben. Ein Pferd kann theoretisch von einem tollwütigen Fuchs gebissen werden. Tollwut ist immer tödlich. Die Impfung ist unproblematisch und günstig. Viele Tierärzte empfehlen sie trotzdem, gerade bei Pferden, die viel draußen sind.

Wir impfen unsere Ponys nicht gegen Tollwut, weil das Risiko bei uns extrem gering ist. Aber ich kenne Höfe in waldigen Gegenden, die das machen. Das muss jeder selbst entscheiden.

West-Nil-Virus: Das ist relativ neu in Deutschland. Das Virus wird von Mücken übertragen und kann bei Pferden zu schweren neurologischen Schäden führen. In Risikogebieten, vor allem in Ost- und Süddeutschland, wird die Impfung empfohlen.

Wir sind in Baden-Württemberg, bislang kein Risikogebiet. Sollte sich das ändern, würden wir impfen. Aber Stand jetzt machen wir das nicht.

Was kostet das?

Eine Impfung beim Pferd kostet zwischen 30 und 60 Euro, je nach Impfstoff und Tierarzt. Dazu kommt die Anfahrtspauschale, die liegt oft bei 20 bis 40 Euro. Wenn man mehrere Pferde gleichzeitig impfen lässt, teilt sich die Anfahrt auf.

Bei uns am Hof impfen wir alle Ponys an einem Tag. Das kostet dann insgesamt vielleicht 400 Euro für zehn Tiere. Klingt nach viel, ist aber auf das Jahr gerechnet überschaubar. Und verglichen mit den Kosten, die eine ernsthafte Erkrankung verursachen würde, ist das ein Witz.

Eine Mutter hat mich mal gefragt, ob die Impfkosten auf die Reitstunden umgelegt werden. Nein, direkt nicht. Aber natürlich sind Tierarztkosten, Futter, Hufschmied, alles Teil der laufenden Kosten, die in die Preiskalkulation einfließen. Wir legen das nicht extra aus, aber wir rechnen ehrlich.

Nebenwirkungen: Gibt es die?

Ja, aber selten und meist harmlos. Manche Pferde haben nach der Impfung eine kleine Schwellung an der Einstichstelle. Das geht nach ein, zwei Tagen weg. Manche sind einen Tag lang etwas müde oder haben leicht erhöhte Temperatur. Das ist normal und zeigt, dass das Immunsystem arbeitet.

Ernsthafte allergische Reaktionen sind extrem selten, kommen aber vor. Deshalb bleibt die Tierärztin nach der Impfung immer noch zehn Minuten da und beobachtet das Tier. Sollte es eine Reaktion geben, kann sie sofort eingreifen.

Bei uns gab es bislang nie ernsthafte Probleme. Napoleon war einmal einen Tag lang etwas müde nach der Influenza-Impfung, aber am nächsten Tag war er wieder der Alte.

Impfpass: Warum das wichtig ist

Jedes Pferd sollte einen Impfpass haben, in dem alle Impfungen dokumentiert sind. Das ist wie der Impfausweis beim Menschen. Ohne Impfpass darfst du dein Pferd nicht zu Turnieren mitnehmen, oft auch nicht zu Lehrgängen. Und wenn mal ein Notfall ist und ein fremder Tierarzt sich das Pferd anschaut, will der wissen, wogegen es geimpft ist.

Wir haben für jedes Pony einen Ordner mit allen Unterlagen: Impfpass, Hufschmied-Termine, besondere Vorkommnisse. Das ist nicht nur für uns praktisch, sondern auch für Eltern, die fragen: Ist mein Kind bei euch sicher? Klare Antwort: Ja, weil wir alles dokumentieren und im Blick haben.

Elternfrage: Kann mein Kind sich anstecken?

Nein. Die Krankheiten, gegen die wir Pferde impfen, sind nicht auf Menschen übertragbar. Tetanus überträgt sich nicht von Pferd zu Mensch. Influenza bei Pferden ist ein anderer Erreger als die menschliche Grippe. Und Herpes beim Pferd hat nichts mit Herpes beim Menschen zu tun.

Trotzdem sollten Kinder natürlich nach dem Kontakt mit Pferden Hände waschen. Nicht wegen Impf-Krankheiten, sondern wegen ganz normalem Dreck, Bakterien, Parasiten. Hygiene ist immer sinnvoll.

Woran erkenne ich, dass ein Hof verantwortungsvoll mit Impfungen umgeht?

Ganz einfach: Frag nach. Ein seriöser Hof wird dir offen sagen, welche Impfungen die Pferde haben und wann die letzte Auffrischung war. Wenn jemand ausweicht oder sagt “Ach, das machen wir so ungefähr”, wäre ich vorsichtig.

Bei uns hängt der Impfplan im Büro aus. Jeder kann nachschauen. Wir verstecken nichts, weil wir nichts zu verstecken haben.

Praxisbeispiel: Warum wir einmal einen Impftermin verschoben haben

Letztes Jahr war Simon krank. Nichts Dramatisches, aber er hatte leicht erhöhte Temperatur und war schlapp. An dem Tag sollte eigentlich die Influenza-Auffrischung sein. Wir haben den Tierarzt angerufen und gesagt: Verschieben wir um zwei Wochen, Simon ist nicht fit.

Das war richtig. Man impft niemals ein krankes Pferd. Das Immunsystem ist beschäftigt, die Impfung würde nicht vernünftig wirken, und im schlimmsten Fall macht man das Tier noch kränker. Zwei Wochen später war Simon wieder fit, und die Impfung lief problemlos.

Das zeigt: Impfungen sind wichtig, aber man muss mitdenken. Stur nach Plan ohne Rücksicht funktioniert nicht.

Kontakt Fragen zu Gesundheit und Sicherheit?

Wenn du wissen willst, wie wir bei uns am Hof mit Gesundheit und Vorsorge umgehen, komm vorbei oder schreib mir. Wir erklären das gern ausführlich. Und wenn dein Kind Angst vor Spritzen hat, zeigen wir, dass die Ponys das ganz entspannt machen.

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