Gesundheit

Jakobskreuzkraut erkennen

Was Eltern wissen sollten, ohne Angst, aber mit Respekt.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit09. Februar 2026
Ein Pony steht auf einer Koppel.

Ein Pony steht auf einer Koppel.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Jakobskreuzkraut ist gefährlich, weil sich das Gift im Körper ansammelt und die Leber schädigt.
  • Im zweiten Jahr erkennt man es an hohen Stängeln, gelben Blüten und oft rötlichem Stängelansatz.
  • Im Heu bleibt das Gift erhalten, während der bittere Geschmack verschwindet.
  • Verdächtige Pflanzen werden mit Wurzel entfernt und nicht an Ponys verfüttert.

Vor ein paar Jahren bekam ich einen Anruf, der mir bis heute in den Knochen steckt. Eine befreundete Stallbetreiberin erzählte mir unter Tränen, dass sie ihr bestes Schulpferd einschläfern lassen musste. Die Diagnose: Leberversagen. Der Grund: Jakobskreuzkraut (JKK). Das Pferd hatte nicht gestern einen Giftbusch gefressen und war heute tot umgefallen. Nein, es hatte über Monate, vielleicht Jahre, immer mal wieder kleine Mengen im Heu aufgenommen. Unbemerkt. Schleichend. Bis die Leber einfach „Stopp“ sagte.

Seitdem bin ich paranoid. Und ich finde, ein bisschen Paranoia ist bei diesem Thema genau die richtige Einstellung. Wenn ihr mich im Sommer über die Wiesen stapfen seht, den Blick stur auf den Boden gerichtet, dann suche ich nicht nach vierblättrigen Kleeblättern. Ich suche nach dem „gelben Killer“.

Jakobskreuzkraut sieht harmlos aus. Hübsche gelbe Blüten, flatternde Schmetterlinge drumherum (der Blutbär-Falter liebt es!), es steht idyllisch am Wegrand. Aber der Schein trügt. Es ist eine der größten Gefahren für unsere Pferde.

Kann mein Pferd sich nach einer Vergiftung wieder erholen? Leider nur begrenzt. Die Leber kann sich in Teilen erholen, aber zerstörtes Gewebe kommt nicht zurück. Genau deshalb setzen wir so stark auf Vorbeugung. Wenn man früh handelt, kann man Schlimmeres verhindern. Wenn man erst handelt, wenn das Pferd deutlich abbaut, ist es oft zu spät.

Praxisbeispiel vom Hof: Wir hatten einmal ein Pony, das plötzlich schlecht gefressen hat und müde wirkte. Es war kein JKK, aber der Verdacht war da. Wir haben sofort die Heu Ballen geprüft, den Tierarzt angerufen und die Fütterung umgestellt. Es stellte sich heraus, dass es eine andere Ursache war. Trotzdem war es die richtige Reaktion. Solche Situationen zeigen, wie schnell man reagieren sollte, wenn man ein Risiko im Kopf hat.

Wie erkenne ich den Feind?

Viele Eltern fragen mich besorgt: „Ist jede gelbe Blume gefährlich?“ Nein! Löwenzahn ist super. Hahnenfuß (Butterblume) ist auch gelb, wird aber von Pferden meist stehen gelassen und ist weit weniger dramatisch. Das Jakobskreuzkraut hat einen „Fahrplan“, den man kennen muss:

Gibt es eine App oder eine sichere Methode zum Bestimmen? Apps können helfen, aber sie liegen auch mal daneben. Besser ist, sich einmal die Pflanze vor Ort erklären zu lassen. Wer unsicher ist, macht ein Foto und fragt nach. Ich schaue mir so etwas lieber fünf Mal an, als einmal falsch zu liegen.

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