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Ratgeber

Warum Reiten der beste Sport ist

Mehr als nur ein Hobby: Wie Reiten Körper, Geist und Charakter stärkt.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Kind beim Reiten auf dem Ponyhof

Kind beim Reiten auf dem Ponyhof

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Reiten verbindet Bewegung, Balance und Verantwortung in einer Einheit.
  • Kinder trainieren Körpergefühl und Konzentration ohne reinen Leistungsdruck.
  • Der Kontakt zum Pony stärkt Selbstvertrauen und soziale Kompetenz.
  • Ob es der beste Sport ist, entscheidet am Ende, ob dein Kind dabei aufblüht.

“Das Pferd macht doch die ganze Arbeit, man sitzt ja nur drauf!”

Ha. Haha. HAHAHA.

Sorry, aber diesen Satz höre ich mindestens einmal im Monat. Meistens von Leuten, die noch nie auf einem Pferd gesessen haben. Ich lade die dann immer ein: “Komm, setz dich mal auf Napoleon. Nur zehn Minuten im Trab.” Danach reden wir weiter.

Spoiler: Die meisten haben am nächsten Tag Muskelkater an Stellen, von denen sie nicht wussten, dass da Muskeln sind.

Okay, aber mal ehrlich: Was macht Reiten so besonders?

Ich könnte jetzt aufzählen, was ich in Büchern gelesen hab. Mach ich aber nicht. Ich erzähl euch, was ich jeden Tag bei uns auf dem Hof sehe.

1. Der Körper arbeitet, ohne dass das Kind es merkt

Letzte Woche kam ein Papa zu mir und meinte: “Meine Tochter hasst Sport. Turnen? Keine Chance. Schwimmen? Katastrophe.” Und ich so: “Okay, aber guck mal.” Seine Tochter sass auf Coco und hat zwanzig Minuten lang Balance gehalten, ihre Rumpfmuskeln angespannt und koordiniert Arme und Beine eingesetzt.

Sie hat es nur nicht gemerkt. Weil sie damit beschäftigt war, Cocos Mähne schön zu finden.

Was trainiert wird:

  • Gleichgewicht: Ständig. Bei jedem Schritt muss man sich neu ausbalancieren
  • Rücken und Core: Wer schlapp sitzt, fällt quasi um. Der Körper lernt von selbst, aufrecht zu sein
  • Koordination: Rechte Hand macht das, linkes Bein macht was anderes, dabei den Blick geradeaus. Das ist wie Schlagzeug spielen, nur auf einem Tier

Kind beim Reiten - volle Konzentration am Ponyhof Renningen

2. Charakterschule auf vier Beinen

Das hier ist, was mir am meisten am Herzen liegt. Klar, Sport ist gut für den Körper. Aber Reiten? Das formt Menschen.

Ich hatte letzten Monat einen Jungen hier. Sieben Jahre, verwöhnt wie nix (sorry, aber ist so), gewohnt, dass alle nach seiner Pfeife tanzen. Und dann kam Pucki.

Pucki ist toll. Aber Pucki macht halt ihr Ding. Wenn der Junge sie angeschrien hat, ist sie einfach stehengeblieben. Wenn er nett war, hat sie mitgemacht. Nach vier Wochen hat er kapiert: “Oh. Die ist kein Spielzeug. Die hat eigene Meinungen.”

Seine Mutter hat geheult vor Freude, weil er zum ersten Mal “Bitte” gesagt hat. Zu einem Pony.

Was Kinder lernen:

  • Verantwortung: Bevor du reitest, versorgst du das Tier. Punkt. Kein “Ich hab aber keine Lust”
  • Empathie: Wie geht’s dem Pony heute? Müde? Aufgedreht? Kinder lernen hinzuschauen
  • Dass die Welt sich nicht um sie dreht: Ein 200kg-Pony lässt sich nicht durch Meckern überzeugen. Man muss fair sein. Klar sein. Geduldig

Gemeinsam stark - Kind und Pony stärken sich gegenseitig in Renningen

3. Endlich mal kein Bildschirm

Ich will jetzt nicht den “Früher war alles besser”-Opa spielen. Aber manchmal mach ich mir schon Sorgen, wie viel Zeit Kinder vor Screens verbringen.

Im Stall gibt’s kein WLAN. Na gut, ein bisschen. Aber keiner guckt aufs Handy, wenn Sleepy grade die Nase in die Jackentasche steckt und nach Leckerlis sucht.

Hier gibt’s:

  • Dreck (sehr viel Dreck)
  • Wetter (egal welches, wir sind draussen)
  • Gerüche (ja, auch die nicht so feinen)
  • Echtes Leben

Kinder kommen dreckig und glücklich nach Hause. Ist das nicht eigentlich, wie Kindheit sein sollte?

4. Selbstvertrauen, das echt ist

Nicht dieses “Jeder ist ein Gewinner!”-Ding. Sondern echtes Selbstvertrauen, das man sich erarbeitet hat.

Als Lennox letzten Sommer einem total unsicheren Mädchen beigebracht hat, dass sie ihn führen kann, ganz alleine, über den Hof, da hab ich in ihren Augen was gesehen. Diese Erkenntnis: “Wow. Ich kann das. ICH kann das.”

Das nimmt sie mit. In die Schule, zu Freunden, überall hin.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Alter können Kinder mit dem Reiten beginnen?

Bei uns ab etwa 3 Jahren, aber das ist sehr individuell. Manche Dreijährige wollen nur kuscheln (völlig okay!), andere wollen sofort hoch. Ab 6 wird’s dann “richtiger” Unterricht. Aber mal ehrlich, die Kleinen lernen auch beim Mähne bürsten was fürs Leben.

Ist Reiten nicht gefährlich für Kinder?

Die Frage versteh ich. Aber statistisch ist Fussball gefährlicher. Mit Helm, vernünftigen Ponys und Leuten die aufpassen, ist Reiten ziemlich sicher. Klar, es ist ein Tier, kein Fahrrad. Aber genau deshalb lernen die Kids ja auch Respekt.

Braucht mein Kind eine eigene Ausrüstung?

Am Anfang: Helm (können wir auch leihen) und feste Schuhe mit bisschen Absatz. Das war’s. Die schicke Reithose kommt später, wenn ihr wisst, dass es ernst ist.

Wie oft sollte mein Kind reiten?

Einmal die Woche ist super. Regelmässigkeit schlägt Häufigkeit. Lieber jede Woche als dreimal im Monat “wenn es passt”. Die Beziehung zum Pony braucht Kontinuität.


Wisst ihr, was ich nach über zehn Jahren hier gelernt hab? Reiten ist nicht einfach Sport. Es ist schwer zu beschreiben. Eine Art, die Welt zu sehen. Respektvoll, geduldig, ehrlich.

Und nebenbei macht es auch noch unfassbar viel Spass.

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