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Gesundheit

Hufrehe: Frühwarnzeichen erkennen

Ein ehrlicher Überblick, ohne Panik, aber mit klaren Signalen.

Sarah Handte 7 Min. Lesezeit
Eine Person tastet den Huf eines Ponys ab.

Eine Person tastet den Huf eines Ponys ab.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Hufrehe startet oft schleichend und wird erst spät eindeutig erkannt.
  • Kleine Veränderungen im Gangbild und Verhalten sind wichtige Frühsignale.
  • Regelmäßige Huf- und Pulskontrolle hilft, Probleme früh zu sehen.
  • Mit schneller Reaktion und angepasstem Futter sinkt das Risiko für schwere Verläufe.

Ich will euch nicht Angst machen. Aber Hufrehe ist eins von diesen Themen, wo ich finde, lieber zu viel wissen als zu wenig. Weil wenn es passiert, muss man schnell sein. Häufig ist es kein einzelnes dramatisches Ereignis, sondern eine Reihe feiner Signale, die man lernen muss zu lesen. Wenn du diese Signale kennst, kannst du oft verhindern, dass aus einem frühen Problem ein Notfall wird.

Eine Bekannte hat ihr Pferd an Hufrehe verloren. Nicht weil sie etwas grob falsch gemacht hat, sondern weil die Zeichen über Wochen übersehen wurden und niemand früh genug eingegriffen hat. Das möchte ich verhindern. Mir ist wichtig, dass ihr und eure Kinder diese Dinge verstehen könnt. Wir zeigen das hier ganz praktisch, so wie wir es den Kids beibringen, und nicht als Universitätsvorlesung.

Bei uns auf dem Hof haben wir eine Kiste mit Eimern und Handtüchern. Die steht nicht zur Deko da. Wenn der Tierarzt unterwegs ist, wissen alle genau, wo die Hilfsmittel sind. Ich zeige den Kindern oft, wie man ruhig bleibt und Schritt für Schritt handelt. Das nimmt dem Ereignis seine Panik. Ein klarer Kopf rettet manchmal mehr als ein Medikament.

Wann du SOFORT den Tierarzt rufst

Wenn dein Pony sich kaum bewegen will, die Vorderbeine komisch weit nach vorne streckt oder die Hufe sich heiß anfühlen, ruf an. Nicht morgen. Jetzt. Und wenn es falscher Alarm war, ist das in Ordnung. Besser einmal zu viel angerufen als einmal zu wenig. Weitere Alarmzeichen sind: das Pony nimmt eine ungewöhnliche Körperhaltung ein, es steht breitbeinig, es verweigert die Bewegung, es hat deutlich kurzen, schmerzhaften Schritt. Wenn neben diesen Zeichen auch Fieber oder Appetitlosigkeit auftreten, ist das akute Handlungsbedarf.

So fühlst du den Hufpuls

Das klingt komplizierter als es ist. Ich zeig es den Kindern hier manchmal, und die meisten kapieren es schnell. Wir machen das in drei Schritten und immer mit ruhiger Stimme.

Erst einmal, was ist der Hufpuls. Der Hufpuls ist nichts Mysteriöses. Es ist die verstärkte Pulsation in den arteriellen Gefäßen an der Innenseite des Fesselkopfs. Wenn dort ein deutlicher Puls spürbar ist, kann das ein Zeichen für eine entzündliche Reaktion im Hufbereich sein.

Wo du hingreifst. Seitlich am Fesselkopf, dort, wo du die Sehnen fühlst. Nicht vorne, nicht hinten, seitlich. Lege die Finger ganz sacht an. Du musst nicht quetschen. Ein Finger reicht oft. Vergleiche immer beide Seiten. Bei den meisten Ponys spüre ich nichts bemerkbares. Wenn ein Puls da ist, fühlt es sich an wie ein leichtes Klopfen. Wenn es richtig pocht, wie ein kleines Herz, dann ist das nicht normal. Ein starkes Klopfen kann auf eine heftige Entzündung hindeuten.

Was normal ist. Fast nichts. Ein ganz leichtes Pulsieren, wenn überhaupt. Bei den meisten Ponys spürst du da nichts. Manche sensible Ponys zeigen einen minimal fühlbaren Puls, aber es ist kaum wahrnehmbar.

Was nicht normal ist. Wenn es richtig pocht wie ein kleines Herz unter der Hand, das ist ein Alarmzeichen. Wenn du zusätzlich beim Tasten hitze in den Hufen spürst, wenn das Pony beim Gehen steif wirkt, dann rufst du den Tierarzt.

Praxisbeispiel 1. Kylo hat einmal in der frühen Phase nur einen minimalen Hufpuls gezeigt. Er lief zuerst sauber, aber suchte ständig den Rand des Paddocks. Wir haben ihn sofort in den Stall geholt, kalt gewaschen und den Tierarzt angerufen. Wir haben so eine schwere Phase verhindern können, weil wir früh reagiert haben.

Praxisbeispiel 2. Penelope, die immer so zuverlässig ist, hat vor zwei Jahren an einem Morgen heißere Vorderhufe gehabt. Ich habe das einem Elternpaar gezeigt, das ihren Sohn zu Besuch hatte. Die Eltern waren erleichtert, dass sie nun den Puls fühlen und verstehen konnten, warum wir sofort reagiert haben. Das Pony wurde geerdet, gekühlt und eine Stunde später war der Puls sichtbar ruhiger. Der Tierarzt kam später und bestätigte, dass wir rechtzeitig eingegriffen hatten.

Elterntipp. Lasst euch den Hufpuls einmal von einer erfahrenen Person zeigen. Macht das gemeinsam mit eurem Kind. Es ist nichts Unangenehmes, und Kinder lieben solche kleinen Detektivaufgaben. Gleichzeitig lernen sie Ruhe und bewusstes Handeln.

Die feinen Warnsignale davor

Bevor es richtig schlimm wird, gibt es oft Zeichen. Die sind leicht zu übersehen, wenn man nicht weiß, worauf man achten soll. Wir nennen das die unsichtbaren Warnlichter.

Wendeschmerz. Das Pony will sich auf hartem Boden nicht drehen. Es macht einen großen Bogen statt einen engen Kreis. Bei uns hat Napoleon das einmal gezeigt, als er plötzlich keinen engen Wendekreis mehr machen wollte. Wir haben den Boden geprüft und später festgestellt, dass er eine leichte Druckstelle im Huf hatte. Die frühe Reaktion hat uns erlaubt, den Hufmechaniker einzuladen und einen weiteren Schaden zu verhindern.

Boden-Wählerisch. Das Pony sucht sich immer die weichen Stellen aus. Meidet Schotter oder Asphalt. Das ist ein Klassiker. Ponys mit Problemen gehen automatisch auf weiches Gras. Wenn du das siehst, beobachte, ob es nur gelegentlich passiert oder systematisch.

Ständiges Verlagern. Steht nicht ruhig, sondern trippelt immer hin und her. Als würden die Füße wehtun. Tun sie wahrscheinlich auch. Das Verhalten sieht manchmal so aus, als sei das Pony unruhig, in Wahrheit ist es eine Schmerzantwort.

Warme Hufe. Wenn du alle vier Hufe anfasst und die Vorderen sind deutlich wärmer als die Hinteren. Das ist oft ein begleitendes Zeichen. Wärme ist eine Entzündungsreaktion. Manchmal ist sie subtil, aber wenn du die Hände vergleichst, merkst du den Unterschied.

Verändertes Gangbild. Kurzer, schmerzverzerrter Schritt, vor allem vorne. Manche Ponys laufen im Vorderbeinbereich wie auf Eiern. Andere verlagern das Gewicht nach hinten, um die Vorderbeine zu entlasten.

Appetit und Verhalten. Manche Ponys fressen noch, aber wirken matt. Andere lehnen Futter ab. Das ist kein zuverlässiger Indikator alleine, aber in Kombination mit anderen Signalen relevant.

Praxisbeispiel 3. Ein typischer Vorfrühling-Fall. Bei uns war ein Pony, das im Winter normal war. Im April begann es, die Weideflächen zu meiden, es fraß weniger Gras und hatte einen leichten Hufpuls. Wir haben die Weidezeiten reduziert, das Pony getrennt geführt und den Tierarzt informiert. Ergebnis: Entwarnung nach zwei Tagen Ruhe und Anpassung der Weide. Hätte man das verpasst, wäre es ernster geworden.

Elterntipps als Fließtext. Viele fragen, wie oft sie kontrollieren sollen. Bei Risikoponys jeden Morgen. Bei anderen Ponys zweimal pro Woche im Frühling und Herbst. Wenn euer Kind am Stall ist, macht daraus eine Routine. Eine Woche täglich, dann wird das zur Gewohnheit und Eltern bemerken die feinen Unterschiede schneller.

Was du sofort tun kannst

Der Tierarzt ist unterwegs, aber was machst du in der Zwischenzeit. Handeln und nicht hektisch werden ist das Ziel.

  1. Nicht laufen lassen. Ich weiß, das ist schwer, wenn man nervös ist und etwas tun will. Aber jeder Schritt schadet potentiell dem Hufbein, das unter Spannung steht. Ruhig halten ist oft das Beste.

  2. Weicher Untergrund. Dicke Einstreu, Sand, was auch immer weich ist. Notfalls Handtücher unter die Hufe legen. Das entlastet und verhindert weitere Druckspitzen.

  3. Kühlen. Das ist Gold wert. Hufe in kaltes Wasser stellen, kaltes Wasser drüber laufen lassen, so kalt wie möglich ohne zu schaden. Kälte hemmt Entzündungsprozesse. Wir haben hier immer eine Kiste mit Eimern und einer Plane bereit. Kinder dürfen helfen, die Eimer zu tragen. Es ist eine sinnvolle Aufgabe, die sie auch beruhigt.

  4. Nichts zu fressen. Auch wenn das Pony bettelt. Wenn der Auslöser Futter war, macht mehr Futter alles schlimmer. Bei zuckrigen Gräsern ist das besonders wichtig.

  5. Schmerzreduktion. Gib keine Schmerzmittel ohne Absprache mit dem Tierarzt. Manche Medikamente können die Diagnose erschweren oder Nebenwirkungen haben.

  6. Kein Hufmechaniker ohne Absprache. Wenn ein Hufmechaniker kommt, ist Absprache mit dem Tierarzt wichtig. Manchmal helfen Softeinwirkungen, in anderen Fällen kann eine falsche Behandlung schaden.

Praktische Hilfestellung. Wenn ihr mit Kindern zusammen handelt, verteilt Aufgaben. Ein Kind kann Wasser holen, ein anderes kann die Scheune schließen, ein drittes kann bei ruhiger Stimme das Pferd beruhigen. Das gibt Struktur und verhindert hektische Alleingänge.

Elternfrage beantwortet im Text. Soll ich mein Kind wieder an das Pony lassen, wenn der Tierarzt kommt. Ja, in den meisten Fällen ist es gut, das Kind dabei zu haben, solange es ruhig ist. Es ist eine Lerngelegenheit. Wir erklären den Kindern, warum wir kühlen, warum wir nicht füttern und warum der Tierarzt wichtig ist. Das schafft Verständnis und Respekt für das Tier.

Wann das Risiko am höchsten

Frühjahr ist die gefährlichste Zeit. Das Gras wächst schnell, hat viel Zucker und die Ponys wollen nach dem Winter endlich wieder richtig grasen. Verständlich, aber riskant. In dieser Phase steigt das Risiko für Stoffwechselumstellungen, die Hufbelastung verändert sich und alte Baustellen werden reaktiviert.

Ich bin im April und Mai besonders wachsam. Weidezeiten werden strikt eingehalten, und bei den Moppelponys gibt es Fressbremsen. Napoleon guckt mich dann immer an, als hätte ich ihn persönlich beleidigt, weil er keinen Vollzugriff auf das Frischgras bekommt. Wir setzen Fressbremsen ein, führen die Ponys zeitlich gestaffelt auf die Weide, und messen regelmäßig Gewicht und Körperkondition.

Andere Risikofaktoren sind Übergewicht, zu lange Hufe und Stoffwechselkrankheiten. Übergewicht erkennen wir daran, dass man die Rippen nicht mehr fühlen kann. Ein gesundes Pony hat die Rippen leicht fühlbar. Zu lange Hufe kontrolliert der Hufschmied alle 6 bis 8 Wochen. Stoffwechselkrankheiten, wie zum Beispiel eine Insulinresistenz, müssen tierärztlich untersucht werden. Besonders ältere Ponys brauchen hier regelmäßige Checks.

Elterntipp. Wenn euer Pony zu den Risikoponys gehört, fragt euren Tierarzt nach einer individuellen Weideplanung. Viele Probleme lassen sich durch einfache Maßnahmen verhindern. Es kostet etwas Organisation, aber spart viel Herzschmerz.

Zusammenfassung der wichtigsten Präventionsschritte als Fließtext. Beobachten, täglich die Hufe kontrollieren, das Gewicht im Auge behalten, Weidezeiten steuern und bei Unsicherheit lieber den Tierarzt fragen. Früh reagieren ist das A und O.

Kontakt Willst du mehr wissen?

Ich erkläre gern, wie wir hier vorbeugen und worauf wir achten. Hufrehe muss nicht passieren, wenn man aufmerksam ist. Kommt gern vorbei, wir zeigen euch die Routine zum Hufcheck und wie man kühlende Maßnahmen sicher mit Kindern durchführt. Lernen durch Tun ist das Beste.

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