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Gesundheit

Lahmheit beim Pferd erkennen

Wie du verschiedene Formen der Lahmheit findest, schnell reagierst und was wirklich Notfall ist.

Sarah Handte 7 Min. Lesezeit
Pony steht auf einem Huf und wird untersucht

Pony steht auf einem Huf und wird untersucht

Lahmheit ist einer der wichtigsten Alarmsignale bei Pferden. Für uns am Hof bedeutet ein unsicherer, steifer oder hinkender Schritt: aufwachen, beobachten, und möglichst schnell handeln. Nicht jede Störung ist gleich dramatisch — es gibt „leichte“ Lahmheiten, die sich mit Ruhe und Hufpflege bessern, und Notfälle, die sofort tierärztliche Hilfe brauchen. Ich zeige euch, wie ihr im Stall systematisch vorgeht, welche Erstchecks sinnvoll sind und wann ihr ohne Zögern den Tierarzt rufen solltet.

Wichtig: Dieser Text ersetzt keinen Tierarztbesuch. Aber er hilft euch, im Ernstfall richtig einzuschätzen, wie dringend das Problem ist — und welche Maßnahmen bis zum Eintreffen des Profis sinnvoll sind.

Was ist Lahmheit eigentlich?

Lahmheit heißt: das Pferd vermeidet, ein Bein normal zu belasten oder zu bewegen. Die Ursachen sind vielfältig: Verletzungen, Hufprobleme, Sehnen‑/Bänderverletzungen, Gelenkentzündungen, aber auch Probleme weit entfernt vom Bein (z. B. Rückenprobleme). Wichtig ist, den Unterschied zwischen akuter (plötzlich auftretender) und chronischer (schleichender) Lahmheit zu sehen — das entscheidet oft über Dringlichkeit und Therapie.

Kurzer Merksatz: vorne = oft Huf, Fessel, Sprunggelenk; hinten = oft Hüfte, Knie, Kniekehle, Hufmechanik. Aber es gibt viele Ausnahmen.

Sofort‑Checks im Stall — systematisch und stressfrei

Wenn ihr eine Lahmheit bemerkt, arbeite strukturiert:

  1. Sichtkontrolle im Stand: Steht das Pferd ungleich gewichtet? Hält es eines der Beine entlastet? Sind Schwellungen, Wunden, Überwärmung sichtbar?
  2. Kurz tasten: Fühlt ihr Wärme an Gelenken oder Sehnen? Ist eine Schwellung weich oder hart? Vorsichtig fühlen — Schmerz kann Abwehrreaktionen auslösen.
  3. Hufzustand checken: Lockerer Hufnagel, eingeklemmter Stein, Hufsohle auf Druck reagieren? Viele Lahmheiten kommen von kleinen, sofort erkennbaren Hufproblemen.
  4. Schritt probelaufen lassen: Führt das Pferd an der Hand auf festem Boden. Achtet auf veränderte Trittfolge, Ausweichbewegungen, verkürzte Schritte.
  5. Auf hartem vs. weichem Boden testen: Treten Symptome nur auf hartem Untergrund auf, ist das häufig Huf/Strahl/Schuhproblematik. Auf weichem Boden eher Sehnen-/Muskelfragen.

Elternfrage im Fließtext: Mein Kind hat bemerkt, dass das Pony „komisch läuft“ — soll ich das ignorieren? Niemals. Kinder sehen oft kleine Veränderungen; ernst nehmen und die obigen Checks durchführen. Meist ist es eine kleine Sache, die sich aber schnell verschlechtern kann.

Einfache Tests, die ihr vor dem Tierarzt machen könnt

  • Hufzangen‑Drucktest (vorsichtig): leichter Druck an der Sohle, mittig sowie an den Seiten. Schmerzreaktion kann auf Strahl- oder Sohlenerkrankung hinweisen. Bitte mit Gefühl machen.
  • Palpation entlang der Fessel, Sehnenstrang und Gallen: lokale Schmerzpunkte zeigen Entzündung oder Zerrung.
  • Flexionsprüfung (nur erfahrene Hände): Bein kurz anheben und beugen, dann gleich loslaufen lassen. Verschlimmerung der Lahmheit nach Flexion deutet oft auf Gelenksprobleme. Vorsicht: Dies macht man besser vom Tierarzt anleiten lassen.
  • Beobachtung beim Wenden: Verändert sich die Lahmheit auf Links vs. Rechts? Dies kann Hinweise auf lokal begrenzte Probleme geben.

Wichtig: Nicht zu viel rumprobieren. Unsachgemäße Manipulation kann Schäden verschlimmern. Wenn ihr euch unsicher fühlt, lieber Dokumentieren (Video), Tierarzt anrufen und beschreiben.

Häufige Ursachen & typische Hinweise

  • Eingeklemmter Stein / Hufgeschwür: plötzlicher kurzer Lahmheitsausbruch, oft schlagartig, Huf zeigt Druckempfindlichkeit.
  • Hufrehe: häufige Vorderbeine betroffen, Hufpuls spürbar, Pferd steht hinten untergesetzt, empfindliche Sohlen.
  • Prellung / Zerrung: nach Belastung oder abrupter Bewegung, eher warmes, druckschmerzhaftes Weichteilgewebe.
  • Sehnenverletzung (z. B. oberer Sehnenstrang): Schwellung, tastbare Verdickung, oft chronischer Verlauf.
  • Gelenkentzündung / Arthrose: bei älteren Tieren schleichend, steifer Schritt nach Ruhe, Bewegungsfreude reduziert.
  • Fremdkörper oder Wundinfektion: sichtbare Verletzung, Eiter, Fieber möglich.

Elternfrage im Fließtext: Kann ein Hufnagel lahm machen? Ja — ein loser oder falsch gesetzter Hufnagel kann ziepen. Ein Check beim Hufschmied hilft schnell.

Akutmanagement: Was ihr sofort tun könnt

  • Ruhe, Ruhe, Ruhe: Das Pferd nicht weiter belasten. Kein Reiten, keine ruckartigen Bewegungen.
  • Kühlen bei Schwellung: Kalte Umschläge oder gezieltes Kühlen der betroffenen Stelle (nicht eiskalt, 10–15 Minuten, dann Pause).
  • Kein Schmerzmittel ohne Absprache: Schmerzmittel können den Verlauf verschleiern und Diagnosen erschweren. Immer mit Tierarzt abklären.
  • Wundversorgung: bei offenen Wunden reinigen (sauberes Wasser), notfalls abdecken und Tierarzt informieren.
  • Dokumentation: Video vom Gang auf hartem und weichem Boden machen — das hilft dem Tierarzt oft sofort bei der Einschätzung.

Wichtiger Hinweis: Wenn das Pferd plötzlich sehr stark lahmt, nicht mehr auftreten kann oder starke Schwellungen/Blutungen hat — Tierarzt sofort rufen (Notfall).

Wann der Tierarzt unbedingt kommen sollte

  • Plötzlich starke Lahmheit, das Pferd kann kaum stehen.
  • Schwellung mit starker Erwärmung oder offene Wunde.
  • Verdacht auf Hufrehe oder Sehnenschaden.
  • Wenn einfache Maßnahmen (Kühlen, Ruhigstellen) keine Verbesserung bringen oder das Pferd sich verschlechtert.
  • Fieber, Verhaltensänderungen oder Appetitverlust begleitend zur Lahmheit.

Erklärt dem Tierarzt genau, was ihr beobachtet: Wie lange schon, wie verändert sich das Gangbild, gibt es sichtbare Wunden, wie reagiert das Pferd auf Drucktests? Das spart Zeit und ermöglicht gezielte Vorbereitung (z. B. Röntgen, Ultraschall).

Reha & Nachsorge — was ihr beachten solltet

Sobald die akute Phase überstanden ist, beginnt die oft längere Phase der Nachsorge:

  • Angepasste Bewegung: kontrollierter Aufbau, zuerst geführt, später leichte Bodenarbeit.
  • Physio/Manuelle Therapie: viele Pferde profitieren von physio, Massage oder Lasertherapie — in Absprache mit Tierarzt.
  • Hufbearbeitung: korrektes Ausbalancieren der Hufe hilft langfristig.
  • Langsamer Trainingsaufbau: kurze, häufige, schonende Einheiten statt schneller Rückkehr zu Vollbelastung.
  • Ernährungscheck: bei Sehnen/Bandproblemen unterstützt Mineral- & Vitaminhaushalt die Heilung.

Praxisbeispiel: Nach einer leichten Fesselbandzerrung haben wir mit 12 Wochen kontrolliertem Aufbau gearbeitet — Schrittarbeit am langen Strick, dann Flachtrab, schrittweise Stundensteigerung. Geduld zahlt sich aus.

Vorbeugen — die besten Alltagsmaßnahmen

  • Regelmäßige Hufpflege (6–8 Wochen Takt).
  • Gute Stall- & Fütterungsroutine: keine plötzlichen Futterumstellungen.
  • Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet Gelenke und Sehnen.
  • Aufwärmen vor Arbeit: 10–15 Minuten Schritt vor Belastung reduziert das Verletzungsrisiko.
  • Bodencheck: rutschige oder harte Böden vermeiden.

Elternfrage im Fließtext: Kann ich Sehnenprobleme verhindern? Teilweise. Gute Hufbalance, moderates Training, vernünftige Bodenverhältnisse und langsamer Aufbau helfen viel.

Kontakt Unsicher bei einer Lahmheit?

Wenn du willst, beschreibe kurz die Symptome oder schick ein Video — ich schaue mir das an und gebe eine Einschätzung, ob der Tierarzt sofort kommen sollte oder welche erste Maßnahme sinnvoll ist. Wir sind erreichbar und helfen gern.

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