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Pferdewissen

Warum blubbern Pferde mit den Nüstern?

Pferdesprache verstehen. Und warum dieses Geräusch mehr verrät, als du denkst.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Nahaufnahme der Nüstern eines entspannten Ponys

Nahaufnahme der Nüstern eines entspannten Ponys

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Warum blubbern Pferde mit den Nüstern?: worauf es im Alltag wirklich ankommt.
  • Saubere Grundlagen im Alltag verhindern viele typische Probleme schon bevor sie entstehen.
  • Ruhige Kommunikation und passende Aufgaben bringen mehr als laute Korrekturen in letzter Minute.
  • Wenn die Basics sitzen, werden alle weiteren Schritte deutlich leichter.

Da stand ich neulich mit einer Kindergruppe bei Napoleon, und der hat einfach losgeblubert. So richtig laut. Prrrrrr. Eines der Mädchen hat sich fast weggeschmissen vor Lachen. „Der macht ja wie ein Motor!" Und ja, ein bisschen schon. Aber was da passiert, ist eigentlich richtig spannend.

Pferde reden die ganze Zeit mit uns. Nur halt nicht mit Worten. Sie reden mit Ohren, Schweif, Körperhaltung und eben mit den Nüstern. Wenn du lernst, das zu lesen, verstehst du dein Pony besser als mit jeder App der Welt. Und genau das zeigen wir den Kids am Hof jeden Tag.

Was genau „Blubbern" ist

Das Geräusch, das die meisten als Blubbern kennen, entsteht, wenn das Pferd die Luft durch die geschlossenen, entspannten Lippen oder Nüstern ausstößt. Die Lippen flattern dabei locker, und es entsteht dieses typische brrrr-brrrr-Geräusch. Manchmal leise, manchmal so laut, dass man es am anderen Ende des Stalls hört.

Technisch gesehen ist es ein „Schnauben mit geschlossenen Lippen". Die Atemluft vibriert an den weichen Nüstern und erzeugt diesen Ton. Es ist kein absichtlicher Laut wie Wiehern, sondern eher ein Nebeneffekt davon, wie entspannt die gesamte Muskulatur des Pferdekopfes gerade ist. Je lockerer die Muskeln, desto mehr flattert und blubbert es.

Pferdesprache in echt

Pferde haben kein Wort für „mir geht’s gut". Aber sie haben ein Geräusch dafür. Das Blubbern ist das Pferde-Äquivalent von „Ahhh, alles chillig gerade". Wer das einmal kapiert hat, hört es überall. Nach dem Fressen, nach dem Putzen, nach einer guten Runde auf dem Platz. Es ist das ehrlichste Feedback, das ein Pferd geben kann.

Entspannung vs. Spannung

Nicht jedes Geräusch aus der Nase bedeutet dasselbe. Und hier wird es spannend. Denn es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Blubbern und anderen Nüstern-Geräuschen.

Das Blubbern kommt aus der Tiefenentspannung. Das Pferd steht locker, der Kopf ist eher unten, die Augen sind weich, die Unterlippe hängt vielleicht sogar ein bisschen. Alles in dem Pferd sagt: „Ich bin safe. Mir geht’s gut." Das ist das Blubbern, das wir lieben.

Dann gibt es das kurze, scharfe Schnauben. Das klingt anders. Lauter, knapper, oft verbunden mit einem hochgerissenen Kopf. Das ist kein Entspannungssignal. Das ist: „Was war das? Hab ich da was gesehen? Ist das gefährlich?" Das ist Aufmerksamkeit, manchmal auch leichte Anspannung.

Und dann gibt es noch das tiefe, lange Ausatmen. Das ist oft ein Zeichen dafür, dass das Pferd gerade Anspannung loslässt. Nach einer Übung, nach einer stressigen Situation, nach dem Anbinden. Das ist so was wie Durchatmen. Gut, aber anders als das Blubbern.

Geräusch Was es bedeutet
Blubbern (langes Prrrr) Tiefe Entspannung, Wohlbefinden, alles gut
Kurzes scharfes Schnauben Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, leichte Anspannung
Tiefes langes Ausatmen Anspannung loslassen, Durchatmen, Erleichterung
Schnorcheln beim Fressen Normal, Futter wird durch die Nase geatmet
Lautes Prusten Staub oder Irritation in der Nase, kann auch Protest sein

Typische Situationen am Hof

Bei uns am Hof gibt es ein paar Situationen, in denen das Blubbern fast garantiert kommt. Und ich liebe jede einzelne davon.

Nach dem Putzen. Wenn ein Kind Napoleon zwanzig Minuten lang gebürstet hat, mit der weichen Bürste über den Rücken und die Schulter, dann macht Napoleon dieses tiefe Prrrr und lässt die Unterlippe hängen. Das ist sein „Wellness-Blubbern". Die Kinder grinsen dann immer, weil sie genau wissen, was das heißt: Napoleon fand das gut.

Beim Fressen ist es auch typisch. Nach ein paar Happen Heu oder wenn sie eine Möhre bekommen haben. Das ist so ein zufriedenes Geräusch. Wie wenn du nach dem Essen zurücklehnst und sagst: „Das war lecker."

Und dann gibt es das Blubbern nach der Arbeit. Wenn wir mit Coco eine Longenrunde gemacht haben und sie steht danach im Schatten, dann kommt oft so ein langes, genüssliches Blubbern. Das ist: „Okay, Feierabend, war gut."

Manchmal höre ich es auch morgens, wenn ich den Stall aufmache. Die Ponys stehen da, es ist ruhig, die Sonne kommt rein, und dann hörst du aus verschiedenen Ecken dieses leise Prrrr. Das ist der schönste Start in den Tag.

Was Kinder daran lernen

Das ist der Teil, der mich als Reitpädagogin am meisten begeistert. Denn wenn Kinder lernen, das Blubbern zu erkennen und zu verstehen, lernen sie etwas viel Größeres: Empathie.

Ein Kind, das versteht, wann ein Pferd entspannt ist, lernt auch zu verstehen, wann ein Pferd NICHT entspannt ist. Und das ist eine Fähigkeit, die weit über den Stall hinausgeht. Wer ein Pferd lesen kann, kann auch Menschen besser lesen.

Ich mache mit den Kids manchmal eine Übung: Wir stehen bei einem Pony und ich sage: „Sagt mir, wie geht es dem Pony gerade?" Am Anfang gucken sie ratlos. Aber nach ein paar Wochen am Hof sagen sie Sachen wie: „Der ist gerade chillig, guck mal, die Lippe hängt" oder „Der ist angespannt, guck seine Ohren". Das ist unfassbar. Da lernen Sechsjährige nonverbale Kommunikation, und sie wissen nicht mal, dass sie das gerade tun.

Ein Junge bei uns, sieben Jahre, hat mal zu seinem Papa gesagt: „Papa, Coco hat geblubbert, das heißt sie fand das Putzen gut." Der Papa war völlig baff. Sein Sohn konnte ein Tier lesen. Das lehrt kein Schulbuch.

Wann man genauer hinschauen sollte

Meistens ist Blubbern ein positives Zeichen. Aber es gibt ein paar Situationen, in denen man aufmerksam werden sollte.

Wenn ein Pferd dauerhaft laut durch die Nüstern atmet, auch in Ruhe, kann das auf Atemwegsprobleme hindeuten. Chronisches Husten, Nasenausfluss oder pfeifende Atemgeräusche sind keine Entspannungssignale, sondern Warnzeichen.

Auch wenn ein Pferd plötzlich viel häufiger schnaubt als sonst, kann das Stress oder Unbehagen bedeuten. Vielleicht ist was im Futter, vielleicht passt was in der Umgebung nicht, vielleicht ist jemand Neues in der Herde.

Kontext-Check

  • Ist das Pferd insgesamt entspannt? Kopfhaltung, Ohren, Schweif?
  • Kommt das Blubbern nach einer angenehmen Situation?
  • Gibt es Nasenausfluss, Husten oder pfeifende Geräusche?
  • Ist das Verhalten verändert im Vergleich zu sonst?
  • Frisst und trinkt das Pferd normal?

Wenn du dir unsicher bist, sprich mit deinem Reitlehrer oder deinem Tierarzt. Die können einschätzen, ob das Geräusch normal ist oder ob man genauer hinschauen sollte. Aber in neunzig Prozent der Fälle ist Blubbern einfach nur: Pony happy.

Mini-Beobachtungsübung

Hier eine kleine Übung, die ich mit Kindern am Hof mache und die du auch zu Hause vorbereiten kannst. Wir nennen sie den „Pony Stimmungs-Check". Die funktioniert so:

Stell dich neben das Pony und beobachte fünf Minuten lang still. Nicht reden, nicht anfassen, nur gucken und hören. Danach beantwortest du drei Fragen: Erstens, wo waren die Ohren die meiste Zeit? Zweitens, wie hat das Pony geatmet? Und drittens, hat es Geräusche gemacht, und wenn ja, welche?

Kinder, die das regelmäßig machen, werden zu richtig guten Pferdelesern. Und was mich jedes Mal umhaut: Sie fangen an, das auf andere Tiere und sogar auf Menschen zu übertragen. Ein Mädchen hat mir nach ein paar Wochen gesagt: „Sarah, die Lehrerin war heute angespannt, die hat die Augenbrauen so zusammengezogen wie Coco wenn sie genervt ist." Ich musste so hart lachen. Aber sie hatte recht.

Pferdesprache ist universell. Und das Blubbern ist der freundlichste Satz, den ein Pferd machen kann. Es heißt: „Mir geht’s gut. Und ich fühl mich bei dir sicher." Wenn du das hörst, hast du alles richtig gemacht.

Kontakt Du willst das live sehen?

Bring dein Kind zum Ponyhof und schau zu, wie es die Sprache der Pferde lernt. Kein Lehrbuch, kein Video, sondern echte Ponys, die echte Sachen sagen. Nur halt mit Ohren und Nüstern statt mit Worten.

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