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Stallalltag

Ein Tag im Leben unserer Pferde

Sarah Handte 5 Min. Lesezeit
Ponys grasen friedlich auf der Weide.

Ponys grasen friedlich auf der Weide.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Kurz und klar zu Ein Tag im Leben unserer Pferde: die wichtigsten Punkte ohne Umwege.
  • Saubere Grundlagen im Alltag verhindern viele typische Probleme schon bevor sie entstehen.
  • Ruhige Kommunikation und passende Aufgaben bringen mehr als laute Korrekturen in letzter Minute.
  • Wenn die Basics sitzen, werden alle weiteren Schritte deutlich leichter.

“Wie sieht eigentlich so ein Tag bei euch aus?” Diese Frage krieg ich ständig. Also, hier kommt die ehrliche Antwort. Mit allem drum und dran.

Der Tag beginnt bei uns nicht mit Kaffee, sondern mit den Ponys. Noch bevor der Hof richtig wach ist, gehe ich eine Runde durch den Stall und über den Paddock. Wer steht schon am Tor, wer schläft noch, wer schaut mich an und sagt mit den Augen: Heute bitte extra Heu. Ich sehe in dieser ersten Runde schon sehr viel. Ein Pony, das sonst immer als Erstes da ist und heute lieber in der Ecke bleibt, fällt sofort auf. Das ist kein Drama, aber es ist ein Hinweis.

Elternfrage im Text beantwortet: Steht ihr wirklich jeden Tag so früh auf. Ja. Tiere warten nicht. Wasser, Heu, Kontrolle, das ist jeden Tag gleich. Genau diese Regelmäßigkeit ist für Pferde wichtig, weil sie Sicherheit gibt. Pferde mögen Vorhersehbarkeit. Wenn das Futter immer zur ähnlichen Zeit kommt, bleibt die Herde ruhiger. Das ist keine Sentimentalität, das ist einfach Pferdeverhalten.

Spoiler: Es ist weniger romantisch als man denkt. Mehr Mist, weniger Sonnenuntergänge. Aber ich liebe es trotzdem. Jeden Tag. Naja, fast jeden.

Nach der ersten Runde kommt das Füttern. Heu zuerst, dann Wasser kontrollieren, dann prüfen, ob alle gut trinken. Wir legen Heu so hin, dass kein Gedränge entsteht. Pferde sind Herdentiere, aber auch rangklar. Wenn ein Pony am Rand steht und nicht richtig zum Heu kommt, sehe ich das in zwei Minuten. Dann wird nachgelegt oder umgelegt, damit es fair bleibt.

Elternfrage im Text beantwortet: Wie oft bekommen eure Ponys Futter. Heu gibt es mehrmals am Tag, nicht nur einmal. Das ist wichtig für den Magen und für die Ruhe. Pferde sind dafür gemacht, viel zu kauen. Lange Fresspausen machen sie unruhig. Kraftfutter gibt es bei uns nur, wenn es wirklich nötig ist, zum Beispiel für ein Pony mit hohem Bedarf. Für die meisten reicht gutes Heu und ein passendes Mineralfutter.

Viele Eltern wundern sich, wie viel Zeit das Misten frisst. Ich sag dann ehrlich: viel. Mist, nasse Einstreu, Futterreste, das alles muss raus. Sauberkeit hat nichts mit Luxus zu tun, sondern mit Gesundheit. Wenn die Box feucht bleibt, steigt das Risiko für Husten und Hautprobleme. Deshalb ist Misten nicht der lästige Teil, sondern die Basis.

Praxisbeispiel vom Hof: Wir hatten einmal eine Woche Dauerregen, die Paddocks waren schwer. Napoleon stand ständig an der gleichen Stelle, wo es am trockensten war. Der Boden wurde dort hart und rutschig. Wir haben den Bereich mit frischem Sand aufgefüllt und das Futter an eine andere Stelle gelegt. Zwei Tage später war die Fläche wieder okay. Das ist Stallalltag. Man reagiert, passt an und schaut, was es mit dem Pferd macht.

Elternfrage im Text beantwortet: Dürfen Kinder beim Misten helfen. Ja, aber angeleitet und mit ruhiger Hand. Wir zeigen, wie man die Mistgabel hält und wie man sich bewegt, ohne das Pony zu bedrängen. Für Kinder ist das anstrengend, aber es ist auch eine tolle Übung. Motorik, Kraftdosierung und Aufmerksamkeit werden dabei ganz nebenbei trainiert. Und sie lernen, dass Pflege auch Arbeit bedeutet.

Nach dem Misten schauen wir die Hufe. Nicht lange, aber regelmäßig. Hufkontrolle ist wie Zähneputzen. Kurz, aber wichtig. Ich kratze Matsch heraus, schaue nach Steinen und fühle, ob alles normal warm ist. Das ist Alltag, nicht Notfall.

Elternfrage im Text beantwortet: Wie merkt man, ob ein Pony sich verletzt hat. Man merkt es oft an Kleinigkeiten. Das Pony stellt den Huf anders, es geht langsamer, es mag nicht drehen. Manchmal ist es nur ein kleiner Stein, manchmal ist es mehr. Deshalb sind die kurzen Checks so wichtig. Wir sehen viel, bevor es ein Problem wird.

Am Vormittag gehen die Ponys raus. Weide oder Paddock, je nach Wetter und Boden. Bewegung ist das A und O. Pferde sind Bewegungs Tiere. Sie brauchen das tägliche Laufen, sonst werden sie steif und unruhig. Auch wenn wir an dem Tag keine Reitstunde haben, sorgen wir dafür, dass sie sich bewegen.

Praxisbeispiel vom Hof: Letzten Winter hatten wir eine Woche mit hartem Boden. Weide war zu rutschig. Wir haben dann einen kleinen Rundweg über den Hof gemacht, jedes Pony einzeln, nur Schritt. Zehn Minuten reichen manchmal schon, um Gelenke und Kreislauf in Gang zu bringen. Die Ponys waren danach sichtbar zufriedener.

Elternfrage im Text beantwortet: Warum dürfen die Ponys nicht einfach den ganzen Tag in der Box bleiben. Weil Pferde das psychisch und körperlich nicht gut vertragen. Sie sind darauf ausgelegt, sich zu bewegen und Kontakt zu haben. Wer sie einsperrt, bekommt oft Probleme mit Verdauung, Muskulatur und Verhalten. Bewegung ist kein Extra, Bewegung ist Grundversorgung.

Wenn Kinder bei uns sind, verändert sich der Tagesrhythmus ein bisschen. Wir planen mehr Zeit ein und wir erklären mehr. Ein Kind, das ein Pony führt, lernt etwas über Tempo, Abstand und Körpersprache. Wenn ein Pony die Ohren anlegt, dann ist das ein Signal. Wenn es den Kopf senkt, ist es entspannt. Diese Wahrnehmungsschulung passiert im Alltag, nicht im Lehrbuch.

Elternfrage im Text beantwortet: Was lernt mein Kind am Ponyhof außer Reiten. Es lernt, sich zu konzentrieren, sich zu koordinieren und Verantwortung zu übernehmen. Beim Führen muss es den Abstand halten, beim Putzen muss es die eigene Hand dosieren. Das sind kleine Bewegungen, aber sie stärken die Feinmotorik und die Körperwahrnehmung. Wir sehen oft, wie Kinder nach ein paar Wochen sicherer stehen und ruhiger werden.

Praxisbeispiel vom Hof: Ein Kind, das zu Beginn immer stolperte, weil es hastig war, hat nach ein paar Besuchen gelernt, langsamer zu gehen. Es musste sich am Pony orientieren. Das Pony gibt das Tempo vor, nicht das Kind. Das hat ihm geholfen, den eigenen Körper besser zu spüren. Solche Dinge sieht man im Alltag ganz klar.

Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Pausen. Pferde brauchen Ruhe. Ich sage oft: ein guter Hof arbeitet im Rhythmus von Bewegung und Ruhe. Wir planen nicht jede Minute voll. Das merkt man auch bei den Ponys. Wenn sie nach der Bewegung eine ruhige Phase haben, können sie besser fressen und entspannen.

Elternfrage im Text beantwortet: Was macht ihr, wenn ein Pony keine Lust auf Kinder hat. Dann bekommt es Ruhe. Wir setzen kein Pony ein, das mental nicht bereit ist. Manchmal ist es zu müde, manchmal hat es einen schlechten Tag. Das ist normal. Wir haben immer Alternativen und erklären Kindern, dass ein Pony kein Spielzeug ist. Das ist wichtig für den Respekt.

Nachmittags kommen oft die Kindergruppen. Dann wird geputzt, geführt, manchmal geritten. Die Ponys sind dann schon im Rhythmus. Das hilft. Ein Pony, das vorher genug Bewegung hatte, ist meist entspannter. Wir achten sehr darauf, dass die Kinder nicht einfach loslaufen, sondern zuerst den Kontakt herstellen. Hand hin, Pony schnuppern lassen, kurz warten. Das sind Kleinigkeiten, aber sie machen den Unterschied.

Praxisbeispiel vom Hof: Ein Junge wollte einmal direkt aufsteigen, ohne zu streicheln. Das Pony wich zurück. Wir haben kurz gestoppt, ihm erklärt, dass er erst Hallo sagen soll. Er hat sich dann ganz bewusst vor das Pony gestellt, die Hand hingehalten und gewartet. Danach war der ganze Ablauf ruhig. Das war eine kleine Lernszene, aber eine wichtige.

Elternfrage im Text beantwortet: Ist es nicht gefährlich, wenn so viele Kinder auf dem Hof sind. Wir arbeiten mit klaren Regeln und festen Wegen. Kinder bewegen sich nie hinter dem Pferd, ohne dass jemand dabei ist. Sie wissen, wo sie stehen sollen, und wir wiederholen das immer wieder. Sicherheit ist kein einmaliger Hinweis, sondern eine Routine.

Am Abend machen wir eine letzte Runde. Wir zählen durch, kontrollieren Wasser, schauen, ob alle ruhig sind. Die Ponys wissen genau, dass jetzt der Tag ausklingt. Manche legen sich hin, andere stehen noch am Heu. Diese letzte Runde ist mein Lieblingsmoment. Es ist still, nur die Geräusche vom Kauen und das Schnauben.

Elternfrage im Text beantwortet: Macht ihr das auch am Wochenende. Ja. Pferde kennen keinen Sonntag. Routine ist jeden Tag wichtig. Das ist vielleicht der größte Unterschied zu einem Hobby, das man einfach mal ausfallen lässt.

Was viele nicht sehen, ist die Planung hinter dem Alltag. Futterbestellung, Hufschmied Termine, Tierarzt, Weidepflege. Wenn wir das gut machen, läuft der Alltag ruhig. Wenn wir es schleifen lassen, merkt es die Herde zuerst. Pferde sind sensibel für Veränderungen. Das ist kein Aberglaube, das ist Beobachtung. Sie reagieren auf Spannung, auf Hektik, auf ungewohnte Abläufe. Darum ist Ruhe im Ablauf so wertvoll.

Das Wichtigste für glückliche Pferde? Routine. Die wissen gerne, was als Nächstes kommt. Und Liebe. Aber das ist ja klar.

Sarah Handte

Für Kinder ist dieser Alltag oft beeindruckend. Sie sehen, dass Tiere Bedürfnisse haben, die jeden Tag gleich wichtig sind. Sie erleben, wie Verantwortung aussieht. Das ist nicht nur ein netter Nebeneffekt, sondern ein echtes Lernfeld. Ein Kind, das morgens mit mir die Tränke checkt, versteht plötzlich, warum Wasser so wichtig ist. Ein Kind, das merkt, dass ein Pony nicht einfach mitläuft, lernt, genauer zu sein. Diese kleinen Erfahrungen gehen viel tiefer, als man denkt.

Elternfrage im Text beantwortet: Kann mein Kind auch einfach nur schauen, ohne zu reiten. Ja. Viele Kinder kommen erst mal nur zum Zuschauen. Das ist völlig okay. Der Hofalltag bietet genug Eindrücke, ohne dass man gleich reiten muss. Beobachten ist auch Lernen, gerade bei Pferden.

Praxisbeispiel vom Hof: Ein Mädchen kam mehrere Wochen nur zum Putzen. Sie hat jedes Mal dasselbe Pony ausgesucht und wurde mit jeder Woche sicherer. Irgendwann sagte sie, sie wolle einmal aufsteigen. Sie war dann so ruhig, dass es ein sehr schönes erstes Mal wurde. Der Alltag hat ihr Vertrauen aufgebaut.

Am Ende ist ein Tag bei uns kein Spektakel. Es ist eine Kette aus kleinen Dingen, die zusammen wichtig sind. Füttern, Misten, Bewegen, Schauen, Zuhören. Das klingt einfach, ist aber anspruchsvoll. Und genau das macht den Ponyalltag aus. Viele Kleinigkeiten, die ein gutes Ganzes ergeben.

So sieht's aus, ein typischer Tag bei uns. Mist, Heu, Karotten, Kopfkraulen, repeat. Keine Hollywood-Produktion, aber echt. Und wenn ich abends rausgehe und alles ruhig ist, dann weiß ich: Heute war ein guter Tag.

Und wenn du mal live sehen willst, wie so ein Tag wirklich aussieht, komm gern vorbei. Nicht für das Foto, sondern für den Geruch von Heu, das Schnauben am Morgen und die kleinen Momente, die man nur erlebt, wenn man da ist. Das ist der Alltag, den ich meine.

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