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Mein Weg zur Reittherapie
Von der pädagogischen Fachkraft zur Reittherapeutin. mein Weg war nicht geplant, aber stimmig.

Eine Reittherapeutin und ein Therapiepferd gehen gemeinsam einen friedlichen Waldweg entlang.
Für eilige Eltern (TL;DR)
- Reittherapie beginnt oft mit Unsicherheit und genau das ist normal.
- Der Weg besteht aus kleinen Schritten, die im Alltag spürbar etwas verändern.
- Vertrauen wächst durch feste Abläufe, klare Begleitung und ehrliches Feedback.
- Fortschritt heißt nicht perfekt, sondern dranbleiben mit realistischem Tempo.
Manche Leute haben einen Fünf-Jahres-Plan. Ich hatte Pferde. Und irgendwie ist daraus das hier geworden.
Die Sache mit dem Stall
Von Anfang an: Ich bin quasi im Stall aufgewachsen. Na gut, nicht wortwörtlich. Ich hatte ein normales Kinderzimmer und so. Aber gefühlt war ich mehr bei den Pferden als zuhause. Susanne Steegmüller, das ist Tims Mama, die hat mir alles beigebracht. Wie man ein Pferd putzt. Wie man Geduld lernt. Wie man hinfallt und wieder aufsteht, im wörtlichen und im übertragenen Sinne.
Ich erinnere mich noch an diesen einen Sommer. Da war ich vielleicht zehn. Ich hab den ganzen Tag im Stall verbracht. Als meine Eltern mich abends abgeholt haben, roch ich nach Pferd und Heu und war komplett glücklich. Meine Mama hat nur den Kopf geschüttelt. Aber ich glaube, sie hat’s verstanden.
Der Stall war für mich nie nur ein Ort. Der war Zuhause. Da konnte ich sein, wie ich bin. Kein Druck, keine Erwartungen. Nur ich und die Pferde.
Dann kam die Pädagogik
Nach der Schule war mir klar: Irgendwas mit Menschen. Ich hab die Ausbildung zur Erzieherin gemacht, weil ich dachte, Kinder und ich, das passt. Und das stimmt auch, irgendwie.
In der Kita hab ich dann aber gemerkt: Es gibt so unterschiedliche Kinder. Die Lauten, die sofort auf einen zukommen. Und die Leisen. Die am Rand stehen. Die, die sich nicht trauen.
Und weißt du was? Die haben mich am meisten berührt. Weil ich die kannte. Weil ich manchmal selbst so war.
Ich hab damals oft gedacht: Für diese Kinder müsste es was anderes geben. Irgendwas, wo sie rauskommen aus ihrem Schneckenhaus, ohne Druck.
Der Moment, der alles verändert hat
Das klingt jetzt dramatisch, aber so war’s.
In der Kita gab’s ein Mädchen, das kaum gesprochen hat. Total in sich gekehrt. Wir haben alles probiert. Spielangebote, Einzelbetreuung, nix hat richtig funktioniert.
Dann, an einem Wochenende, kam das Kind mit seiner Mutter zufällig bei uns am Stall vorbei. Und dieses Mädchen? Hat gestrahlt. Hat mit dem Pony geredet. Hat gelacht. Ich stand daneben und dachte: Was zur Hölle?
In dem Moment ist mir was klar geworden. Diese Verbindung zwischen Kindern und Pferden, das ist es. Das ist das, was ich machen will.
Napoleon war damals übrigens das Pony, mit dem sie so aufgeblüht ist. Der alte Charmeur.
Die Weiterbildung
Ich hab angefangen zu recherchieren. Reittherapie, Reitpädagogik, was gibt’s da eigentlich? Und dann hab ich die Weiterbildung gemacht.
War nicht einfach, nebenbei. Arbeiten, lernen, am Wochenende Praxisstunden. Manchmal war ich so müde, dass ich im Stall fast eingeschlafen bin. Aber jedes Mal, wenn ich gesehen hab, wie ein Kind auf dem Pony sitzt und plötzlich grinst, das war’s wert.
Ich hab so viel gelernt. Über die Wirkung von Pferden. Über Körpersprache. Über mich selbst, ehrlich gesagt. Balu zum Beispiel hat mir beigebracht, dass ich manchmal zu ungeduldig bin. Der macht halt sein Tempo, da kann ich noch so drängeln.
Wie Leben ist ein Ponyhof entstanden
Das war eigentlich Tims Idee, der Social-Media-Kram. Der hat damals angefangen, Videos vom Stall zu posten. Einfach so, weil er’s lustig fand. Napoleon in seiner ganzen Pracht, Chica beim Blödsinn machen, solche Sachen.
Und dann haben wir irgendwann gemerkt: Da kommen ja richtige Anfragen. Leute wollen ihre Kinder aufs Pony setzen. Wollen Geburtstage feiern. Wollen das hier erleben.
Und ich hatte gerade meine Reittherapie-Ausbildung fertig.
Manchmal fügen sich Dinge einfach, weißt du?
Jetzt machen wir das zusammen. Tim macht das ganze Drumherum: Website, Organisation, den ganzen Kram, den ich nicht kann. Und ich bin bei den Ponys und den Kindern. Genau da, wo ich hingehöre.
Warum ich das immer noch mache
Es gibt so Momente. Letzte Woche zum Beispiel.
Ein Junge, total schüchtern. Beim ersten Mal hat er Penelope nicht mal angeguckt. Beim dritten Mal hat er ihr einen Kuss auf die Nase gegeben und gesagt: “Du bist meine beste Freundin.”
Ich hab mich umgedreht, damit keiner sieht, dass ich fast heule.
Oder das Mädchen mit der Angststörung. Die hat sechs Monate gebraucht, um Sleepy selbst zu führen. Und als sie’s endlich geschafft hat, stand ihre Mama am Zaun und hat geweint. Ich auch.
Das ist es. Das sind die Momente, für die ich morgens aufstehe. Für die ich auch mal nachts um zwei im Stall bin, wenn’s einem Pony nicht gut geht. Für die ich das hier mache.
Pferde haben mir so viel gegeben. Jetzt gebe ich das weiter, an die Kinder, die hier zu uns kommen.
Mein Weg war nicht geplant. Ich hatte keinen Masterplan, kein Vision Board, nix davon. Aber es hat gepasst. Schritt für Schritt. Pony für Pony. Kind für Kind.
Wenn du Fragen hast, zur Reittherapie, zum Hof, zu irgendetwas, schreib mir. Ich antworte immer. Manchmal dauert’s ein bisschen, weil Kylo grad wieder Blödsinn macht, aber ich antworte.
Versprochen.


