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Therapie

Reittherapie & Heilpädagogik

Sarah Handte 7 Min. Lesezeit
Einblick in unsere reittherapeutische Arbeit

Einblick in unsere reittherapeutische Arbeit

Wisst ihr, was mich immer wieder umhaut?

Wenn ein Kind hierherkommt. Schüchtern, ängstlich, in sich gekehrt. Und nach ein paar Wochen mit Balu plötzlich lacht. Richtig lacht. Von innen raus.

Das ist der Moment, für den ich das hier mache.

Reittherapie ist nicht Reitunterricht. Das ist das Erste, was ich Eltern sage. Es geht nicht darum, dass euer Kind am Ende galoppieren kann. Es geht darum, dass es sich traut. Dass es spürt: Ich kann das. Ich bin was wert. Und da ist jemand, ein grosses, warmes, felliges Jemand, der mich mag, so wie ich bin.

Was ist das eigentlich, Reittherapie?

Ich erklär’s mal so: Stellt euch vor, euer Kind hat Schwierigkeiten. Vielleicht kann es sich nicht konzentrieren. Vielleicht hat es Angst vor allem. Vielleicht bewegt es sich ungeschickt. Vielleicht redet es nicht.

In der klassischen Therapie sitzt man in einem Raum und macht Übungen. Oder spricht. Oder malt.

Bei der Reittherapie gibt’s Sleepy.

Sleepy ist warm. Sleepy atmet. Sleepy bewegt sich. Und Sleepy urteilt nicht. Dem ist egal, ob du die richtige Antwort weisst oder den Ball fangen kannst. Der will nur, dass du freundlich zu ihm bist.

Das öffnet Türen, die sonst zu bleiben.

Ich hatte mal ein Mädchen, das hat mit niemandem geredet. Selektiver Mutismus, hiess das. Die Eltern waren verzweifelt. Nach drei Monaten mit Napoleon hat sie angefangen, mir Sachen zu erzählen. Über Napoleon. Was er gerade denkt. Ob er müde ist. Und irgendwann hat sie vergessen, dass sie ja eigentlich nicht redet.

Für wen ist das was?

Ehrlich gesagt: Für mehr Kinder als man denkt.

Klar, es gibt die offensichtlichen Fälle:

  • Kinder mit ADHS: Die profitieren massiv. Die Bewegung beruhigt, die Struktur hilft, und das Pony gibt sofortiges Feedback
  • Kinder mit Autismus: Pferde sind berechenbarer als Menschen. Weniger Small Talk, weniger soziale Regeln
  • Kinder mit motorischen Problemen: Das Reiten trainiert Balance, Koordination, Körpergefühl. Ohne dass es sich wie Training anfühlt
  • Kinder mit Ängsten: Ein Pony zu führen gibt Selbstvertrauen. Echt, nicht aufgesetzt

Aber dann gibt’s auch die, die keinen Befund haben. Die einfach irgendwie struggeln. Schüchtern sind. Unsicher. Gemobbt werden. Sich nichts zutrauen.

Ruffy ist für die perfekt. Der ist so unerschütterlich freundlich, dass jedes Kind irgendwann merkt: Hier passiert mir nichts Schlimmes.

Wie läuft so eine Stunde ab?

Jede Einheit ist anders, weil jedes Kind anders ist. Aber grob:

Ankommen (5-10 Minuten) Das Kind kommt an, begrüsst das Pony. Manchmal reden wir kurz, wie die Woche war. Manchmal nicht. Manche Kinder brauchen erst mal Ruhe.

Pflege (10-15 Minuten) Putzen, striegeln, Hufe auskratzen. Das ist nicht nur so dahingesagt. Das IST Therapie. Das Kind lernt: Ich kann für jemanden sorgen. Ich bin fähig. Coco vertraut mir.

Die eigentliche Zeit mit dem Pony (20-30 Minuten) Das kann Reiten sein. Muss aber nicht. Manchmal führen wir nur. Manchmal machen wir Bodenarbeit. Manchmal sitzen wir auf Fiona und machen Übungen. Arme kreisen, Augen zumachen, sich drehen.

Es geht immer darum, was das Kind gerade braucht. Nicht darum, was im Lehrbuch steht.

Abschluss (5-10 Minuten) Pony versorgen, Leckerli geben, verabschieden. Kurz reflektieren: Was war gut heute?

Warum gerade DIESE Ponys?

Ich werde das oft gefragt. Kann doch jedes Pferd, oder?

Nee. Kann nicht jedes.

Penelope zum Beispiel ist ein Therapie-Naturtalent. Die hat eine Ruhe, die steckt an. Wenn ein Kind aufgeregt ist, wird Penelope einfach noch ruhiger. Als würde sie sagen: “Hey, alles gut. Atmen wir mal durch.”

Kylo ist super für Kinder, die körperliche Unterstützung brauchen. Der ist gross genug für Stabilität, aber so sanft, dass man sich nicht fürchten muss.

Attila wiederum ist der Richtige für Kids, die Grenzen austesten. Der macht nicht alles mit, aber er ist fair. Wenn du freundlich bist, ist er freundlich. Wenn du motzig bist, steht er still. Klare Regeln, klare Konsequenzen. Aber nie böse.

Ich such für jedes Kind das passende Pony aus. Das ist keine Wissenschaft, das ist Bauchgefühl nach Jahren Erfahrung.

“Neulich hat ein Vater zu mir gesagt: ‘Ich versteh nicht, wie ein Pony das schafft, was drei Jahre Therapie nicht geschafft haben.’ Ich hab geantwortet: ‘Das Pony ist ehrlich. Und Kinder spüren das.’”

Sarah Handte

Ist das anerkannt? Zahlt die Kasse?

Kurze Antwort: Jein.

Reittherapie (also richtig therapeutisch, mit Zielen und Dokumentation) kann von der Krankenkasse bezuschusst werden. Dafür braucht ihr eine ärztliche Verordnung. Kinderarzt geht meistens. Die Kasse muss genehmigen, das dauert manchmal, aber es lohnt sich nachzufragen.

Heilpädagogisches Reiten ist eher pädagogisch als medizinisch. Da zahlt manchmal das Jugendamt oder die Eingliederungshilfe. Kommt auf den Einzelfall an.

Private Stunden, wenn ihr einfach das Gefühl habt, eurem Kind tut das gut, ohne Diagnose, zahlt ihr selbst. Ist okay, manche Dinge brauchen keinen Stempel.

Ich helfe euch gern mit dem Papierkram, wenn ihr nicht weiterwisst. Das System ist kompliziert, ich weiss.

Ich sag's mal so: Manche Kinder blühen im Fussballverein auf. Manche beim Malen. Und manche, vielleicht euer Kind, brauchen ein Pony. Etwas, das atmet und fühlt und reagiert. Etwas, das nicht urteilt. Etwas, das einfach da ist.

Kontakt Wollt ihr mal schauen?

Wir quatschen. Ihr erzählt mir von eurem Kind, ich zeig euch den Hof und die Ponys. Ganz ohne Druck. Und dann gucken wir, ob das was füreinander ist.

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