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Gesundheit

Zecken am Stall: Schutz & Entfernen

Einfacher Eltern-Guide für den Sommer. ohne Panik, aber mit Plan.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Ein Kind trägt Schutzkleidung auf dem Ponyhof.

Ein Kind trägt Schutzkleidung auf dem Ponyhof.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Zecken am Stall: Schutz & Entfernen: worauf es im Alltag wirklich ankommt.
  • Futter, Bewegung und tägliche Kontrolle gehören zusammen und sollten immer als Paket gedacht werden.
  • Lieber einmal zu früh reagieren als zu spät, gerade bei Schmerz- und Stoffwechselthemen.
  • Frühe, kleine Warnzeichen sind oft der Unterschied zwischen kurzer Behandlung und langem Ausfall.

Oh Gott, Zecken. Mein Lieblingsthema. (Nicht.)

Letzten Sommer hab ich bei Coco eine Zecke gefunden, die so vollgesogen war, dass sie aussah wie eine kleine Traube. Ich musste mich echt zusammenreißen, um nicht “IIIIH” zu schreien. Vor den Kindern. Die hätten das nicht verstanden.

Aber hey: Zecken gehören zum Sommer dazu wie Mücken und Sonnenbrand. Man kann sie nicht komplett vermeiden. Was man kann: schnell finden, richtig rausmachen, Ruhe bewahren.

Zecken sind keine Frage von sauber oder unsauber. Sie sitzen im Gras, im Gebüsch und manchmal einfach im Weg. Am Stall sind wir viel draußen, also ist das Thema real. Es hilft, wenn Eltern einen klaren Plan haben. Kein Drama, aber Konsequenz. Und ja, die Kinder merken, wenn wir ruhig bleiben.

Der beste Zeckenschutz in 30 Sekunden

  1. Lange Klamotten: Socken über die Reithose ziehen. Sieht doof aus, hilft aber.
  2. Spray: Zeckenspray auf Haut und Kleidung. Muss neu aufgetragen werden!
  3. Der Körper-Scan: Nach dem Stall IMMER absuchen. Kniekehlen, Leiste, Haaransatz. Die Lieblingsstellen der kleinen Biester.

Viele Eltern fragen mich: Reicht das wirklich mit langen Klamotten? Es ist kein Zauber, aber es macht einen Unterschied. Je weniger Haut frei ist, desto weniger Angriffsfläche. Und wenn dann noch ein Spray dazu kommt, haben wir schon viel gewonnen.

Eine andere Frage, die ich oft höre: Was ist mit den Ponys, kriegen die auch Zecken? Ja, klar. Besonders in Mähne, Schweifansatz, zwischen den Ganaschen und am Bauch. Wir kontrollieren beim Putzen mit. Das gehört einfach dazu.

Und dann kommt schnell die Frage: Muss ich mein Kind nach jedem Stalltag komplett abduschen? Nein. Ein gründliches Absuchen reicht. Duschen ist nett, aber nicht nötig. Wichtig ist, dass man die Zecke überhaupt findet. Denn je länger sie sitzt, desto größer wird das Risiko.

  • Kleidung möglichst geschlossen, Socken über die Hose
  • Helle Farben, damit man Zecken schneller sieht
  • Spray vor dem Stall und nach ein paar Stunden nachlegen
  • Nach dem Stall duschen oder gründlich absuchen
  • Zeckenzange griffbereit im Auto oder der Sattelkammer

Ein Punkt, der oft vergessen wird: die Umgebung. Eltern fragen mich manchmal, ob man Zecken am Stall überhaupt beeinflussen kann. Ein bisschen schon. Wir mähen hohe Kanten, halten Wege frei und sammeln Laub im Frühjahr weg. Zecken mögen feuchte Ecken und dichtes Gras. Wenn der Weg zur Koppel kurz gemäht ist, ist das schon eine kleine Hilfe. Es ersetzt keinen Schutz, aber es reduziert die Stellen, wo sie warten.

Eine weitere Frage: Dürfen Kinder selbst Zecken entfernen? Wenn sie ruhig sind und wir daneben stehen, ja. Für viele ist das eine Mutprobe. Ich erkläre dann Schritt für Schritt, was passiert, und lasse sie die Zange halten. So lernt das Kind, dass es nicht hilflos ist. Wenn es zu viel ist, mache ich es selbst und das Kind schaut zu. Beides ist okay.

Wir haben auch eine kleine Routine am Stall: Nach dem Putzen streichen wir kurz mit den Händen über Hals, Brust und Bauch, einfach um zu fühlen, ob da etwas sitzt. Bei Ponys mit dichter Mähne gehen wir mit den Fingern langsam durch den Haaransatz. So haben wir schon mehrere Zecken früh entdeckt, bevor sie sich richtig festgesaugt haben.

  1. 1 Hände waschen und Licht an
  2. 2 Haut absuchen, besonders warme Stellen
  3. 3 Zecke entfernen, wenn gefunden
  4. 4 Stelle reinigen und Datum notieren
  5. 5 In den nächsten Tagen kurz beobachten

Eltern fragen mich oft: Warum muss man überhaupt das Datum notieren? Weil man später besser einordnen kann, ob Symptome zeitlich passen. Das ist kein Drama, aber es hilft, den Überblick zu behalten.

Ein weiterer Punkt ist die Hautreaktion. Viele Eltern sind unsicher, wenn die Stelle gerötet ist. Eine kleine Rötung direkt nach dem Entfernen ist normal. Wenn die Stelle deutlich größer wird oder sich ringförmig ausbreitet, sollte man zum Arzt. Ich sage es lieber klar: Lieber einmal zu früh hin als einmal zu spät.

Und ja, es gibt immer wieder die Frage: Kann ich die Zecke mit der Karte oder dem Fingernagel rauskratzen? Bitte nicht. Das quetscht und kann es schlimmer machen. Die Zange ist schneller, sauberer und sicherer.

Eltern fragen mich auch: Können Zecken vom Pony auf den Menschen wechseln? Zecken springen nicht, aber sie krabbeln. Wenn ein Kind viel am Hals oder in der Mähne kuschelt, kann eine Zecke in die Kleidung wandern. Deshalb ist der Check nach dem Stall so wichtig, auch wenn man meint, nichts gemerkt zu haben. Ich sage immer: erst absuchen, dann ab aufs Sofa.

Kurze Geschichte, bevor wir loslegen

Letztens kam ein Kind zu mir: “Sarah, da ist was Schwarzes an Penelope.” Und ja, da war was. Eine Zecke, direkt an der Innenseite vom Hinterbein. Da, wo man nicht so gut hinschaut.

Wir haben sie zusammen entfernt. Das Kind war super tapfer und hat die Zeckenzange gehalten. Danach haben wir die Stelle gereinigt. Fertig. Kein Drama.

Aber ich hab’s zum Anlass genommen, mit allen Kindern nochmal durchzugehen, wie das funktioniert. Weil: Das sollte jeder können.

Eltern fragen mich dabei oft: Muss man die Zecke sofort rausnehmen oder kann man bis zuhause warten? Ich sage: Raus damit, sobald ihr sie entdeckt. Je schneller, desto besser. Wenn man eine Zecke entfernt, ist das kein Eingriff, sondern Erste Hilfe.

Noch eine typische Frage: Kann ich die Zecke drehen oder mit Öl betäuben? Nein. Bitte nicht. Das erhöht das Risiko, dass mehr Speichel in die Haut kommt. Am besten eine feine Pinzette oder eine Zeckenzange, so nah wie möglich an der Haut ansetzen und dann gleichmäßig ziehen.

Und dann kommt oft die Sorge: Was ist, wenn ein Teil stecken bleibt? Das ist nicht schön, aber nicht der Weltuntergang. Wenn ein kleiner Rest drin bleibt, heilt die Haut meist von allein. Man kann versuchen, vorsichtig nachzunehmen. Wenn es nicht klappt, lieber in Ruhe lassen und beobachten.

Mythos Besser so
Öl drauf und warten Schnell entfernen, ohne Zusatzmittel
Zecke drehen Gerade und gleichmäßig ziehen
Mit den Fingern raus Pinzette oder Zeckenzange
Stelle sofort zukleben Reinigen und beobachten

Noch ein Beispiel vom Hof: Bei einem Ferienkurs hat ein Vater seine Tochter abgeholt und meinte, sie habe am Hals eine kleine Zecke. Wir haben sie direkt entfernt, die Stelle gereinigt und aufgeschrieben, wann es war. Eine Woche später war alles gut. Das zeigt, wie entspannt es sein kann, wenn man weiß, was zu tun ist.

Eltern fragen mich auch: Muss ich die Zecke aufheben? Das ist kein Muss, aber es kann hilfreich sein, wenn später Symptome auftreten und man dem Arzt zeigen möchte, wie die Zecke aussah. Dafür reicht ein kleines Gefäß oder ein Stück Klebeband.

Manche fragen: Woran merke ich, ob etwas nicht normal ist? Wenn nach einigen Tagen Fieber, starke Müdigkeit oder ein auffälliger Ausschlag auftauchen, sollte man zum Arzt. Wir sagen den Eltern immer: Lieber einmal zu früh als zu spät, vor allem bei Kindern.

1

"Zecke sofort entfernen"

"Zecke möglichst nah an der Haut fassen und gerade herausziehen."

2

"Stelle dokumentieren"

"Bissstelle reinigen und Datum notieren, damit ihr Verlauf und Symptome einordnen könnt."

3

"Körper weiter absuchen"

"Nach dem Entfernen den gesamten Körper systematisch kontrollieren."

4

"In den Wochen beobachten"

"Auf Rötung, grippeartige Symptome oder ungewöhnliche Müdigkeit achten."

5

"Bei Warnzeichen zum Arzt"

"Bei Fieber, kreisförmiger Rötung oder starken Beschwerden ärztlich abklären lassen."

Ein drittes Beispiel: Nach einem Waldspaziergang mit den Ponys haben wir eine kleine Zecke bei Jonas am Haaransatz gefunden. Er war erst kurz panisch. Dann haben wir ruhig erklärt, was jetzt passiert. Er durfte die Zeckenzange halten, ich habe gezogen. Danach war er stolz wie Bolle. So wird aus Angst etwas, das man bewältigen kann.

Eltern fragen mich oft: Was ist mit FSME und Borreliose, muss ich da Angst haben? Angst hilft nicht. Wissen schon. Borreliose wird durch Bakterien ausgelöst und kann behandelt werden, FSME ist eine Virusinfektion, dagegen gibt es eine Impfung. Ob eine Impfung empfohlen ist, hängt vom Wohngebiet ab. In vielen Teilen Süddeutschlands gilt das als sinnvoll. Am besten spricht man das mit dem Kinderarzt ab und schaut auf die Risikokarte.

Eine weitere Frage: Ab wann sind Zecken aktiv? Sobald es milder wird. Es gibt keine feste Grenze, aber schon an warmen Tagen im Frühjahr kann es losgehen. Deshalb fangen wir früh an mit Absuchen und Schutz, nicht erst im Hochsommer.

Eltern wollen auch wissen: Gibt es Stellen am Körper, die wir gern übersehen? Ja. Haaransatz, Ohren, Nacken, Kniekehlen, Leiste, Achseln. Und bei Kindern oft der Bereich unter der Uhr oder am Bund. Da schau ich immer zweimal.

Ein Zeckenstich ist kein Weltuntergang. Ruhe bewahren, Zecke raus, Stelle beobachten, fertig. Hab ich schon hundertmal gemacht, bei mir, bei den Kindern, bei den Ponys. Man gewöhnt sich dran.

Sarah Handte

Noch’n Tipp zum Schluss

FSME-Impfung. Ernsthaft. Wir sind hier in einer Region, wo das Thema relevant ist. Ich bin geimpft, Tim ist geimpft, unsere Kids sind geimpft. Gegen Borreliose gibt’s leider keine Impfung, aber gegen FSME schon. Redet mit eurem Kinderarzt drüber. Das nimmt vielen Eltern Druck.

Und: Zeckensprays halten nicht ewig. Nach ein paar Stunden ist das meiste verflogen. Also bei langen Stalltagen nochmal nachsprühen. Ich hab immer eine Dose in der Sattelkammer.

So, genug über Zecken. Ich krieg schon wieder Gänsehaut, wenn ich zu lange drüber nachdenke. Geht jetzt Ponys kuscheln, das hilft.

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