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Pferdewissen

Zahnprobleme beim Pferd erkennen

Kauen, Futter verlieren, Kopfschlagen. oft steckt der Zahn dahinter.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Pferdezahnarzt kontrolliert die Zähne eines Pferdes

Pferdezahnarzt kontrolliert die Zähne eines Pferdes

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Bei Zahnprobleme beim Pferd erkennen helfen einfache Prinzipien mehr als komplizierte Sonderwege.
  • Mit ruhigem, klaren Vorgehen und schneller Rücksprache mit Fachleuten schützt du Pony und Nerven.
  • Futter, Bewegung und tägliche Kontrolle gehören zusammen und sollten immer als Paket gedacht werden.
  • Lieber einmal zu früh reagieren als zu spät, gerade bei Schmerz- und Stoffwechselthemen.

Ich muss euch mal was erzählen. Letzte Woche stand ich morgens im Stall und Balu, unser großer Brauner, der eigentlich alles frisst, was nicht bei drei auf dem Baum ist, der stand vor seinem Heunetz und hat nur so lustlos dran gezupft. Und dann hab ich’s gesehen: diese kleinen Heu-Päckchen auf dem Boden. Kennt ihr das? Wenn sie das Futter so halb kauen und dann wieder ausspucken?

Da war mir sofort klar: Zahnarzt-Termin machen. Denn Zähne, das unterschätzt man echt leicht. Die arbeiten beim Pferd quasi 16 Stunden am Tag. Und wenn da was nicht stimmt, merkst du das im ganzen Verhalten.

Warum Pferdezähne so anfällig sind

Pferde haben ein komplett anderes Gebiss als wir Menschen. Ihre Zähne wachsen ein Leben lang nach, weil sie durch das ständige Kauen von Raufutter abgerieben werden. Das ist genial, solange alles im Gleichgewicht ist. Aber wenn das Pferdmehr auf einer Seite kaut, oder wenn die Zähne nicht gleichmäßig abgenutzt werden, entstehen scharfe Kanten. Die nennt man Haken.

Diese Haken können die Backenschleimhaut oder die Zunge verletzen. Das tut weh. Das Pferd kaut dann vorsichtiger, manchmal gar nicht mehr richtig. Dadurch wird das Futter schlechter verdaut, und der Teufelskreis beginnt.

Pferde haben auch Wolfszähne, das sind kleine Zähne vor den Backenzähnen. Die können Probleme machen, wenn sie im Weg sind beim Reiten, weil das Gebiss draufdrückt. Dann müssen sie gezogen werden. Klingt brutal, ist aber oft nötig.

Bei älteren Pferden kommen noch andere Probleme dazu. Die Zähne werden locker, brechen ab, oder es entstehen Lücken. Dadurch fällt Futter raus beim Kauen, das Pferd nimmt ab, und die Verdauung leidet.

Typische Symptome: Woran erkenne ich Zahnprobleme?

Es gibt ein paar deutliche Zeichen, dass mit den Zähnen was nicht stimmt.

Futter ausspucken (Wickelkauen): Das Pferd kaut, formt kleine Päckchen und lässt sie fallen. Das passiert, wenn das Kauen wehtut oder die Zähne nicht richtig greifen.

Gewichtsverlust: Wenn das Pferd nicht richtig kaut, kommt weniger Nahrung im Darm an. Es nimmt ab, obwohl es genug frisst.

Kopfschlagen beim Reiten: Ein Pferd, das beim Reiten ständig den Kopf schlägt, hat oft Zahnprobleme. Das Gebiss drückt auf eine schmerzhafte Stelle, und das Pferd weicht aus.

Einseitiges Kauen: Das Pferd kaut nur auf einer Seite, hält den Kopf schief. Das deutet auf Schmerzen auf der anderen Seite hin.

Mundgeruch: Pferde riechen normalerweise süßlich nach Heu. Wenn es aus dem Maul modrig oder faulig riecht, kann das eine Entzündung oder ein fauler Zahn sein.

Speicheln: Übermäßiger Speichelfluss kann auf Schmerzen oder Reizungen hindeuten.

Bei Balu war es das Wickelkauen. Der hat das Heu gekaut, aber nicht runtergeschluckt. Stattdessen fielen diese kleinen nassen Heu-Ballen raus. Ich hab sofort den Zahnarzt gerufen. Der hat geschaut und tatsächlich: scharfe Haken an den Backenzähnen. Mit der Raspel in zehn Minuten abgefeilt, und Balu hat wieder normal gefressen.

Wie oft braucht ein Pferd Zahnkontrolle?

Die Faustregel ist: Einmal im Jahr. Bei jungen Pferden unter fünf Jahren manchmal öfter, weil da noch viel im Gebiss passiert. Die Milchzähne fallen aus, die bleibenden Zähne kommen durch, das kann zu Verzahnungsproblemen führen.

Bei älteren Pferden ab 15 Jahren auch öfter, weil die Zähne verschleißen und Probleme häufiger werden.

Wir haben einen festen Termin: Jeden Frühling kommt der Pferdezahnarzt und checkt alle durch. Das kostet pro Pferd zwischen 80 und 150 Euro, je nachdem ob nur Kontrolle oder auch Behandlung nötig ist. Klingt nach viel, aber verglichen mit dem, was Zahnprobleme anrichten können, ist das ein Schnäppchen.

Was macht der Pferdezahnarzt?

Der Zahnarzt schaut sich das Gebiss gründlich an. Dafür benutzt er ein Maulgatter, das hält das Maul offen, damit er reinschauen kann. Manche Pferde brauchen eine leichte Sedierung, damit sie ruhig stehen. Ist nichts Schlimmes, das Pferd ist danach innerhalb von einer Stunde wieder fit.

Wenn scharfe Kanten da sind, werden die mit einer Raspel abgefeilt. Das tut nicht weh, weil Pferdezähne keine Nerven in den Außenschichten haben. Aber es ist nötig, damit die Kanten die Schleimhaut nicht verletzen.

Wenn Wolfszähne stören, werden die unter lokaler Betäubung gezogen. Bei lockeren Zähnen oder Geschwüren im Maul kann der Zahnarzt auch behandeln. Manchmal sind Röntgenbilder nötig, um tiefer liegende Probleme zu erkennen.

Bei Simon hatten wir mal einen abgebrochenen Backenzahn. Der war nicht sichtbar von außen, aber Simon hat beim Fressen immer seltsam gekaut. Der Zahnarzt hat ein Röntgenbild gemacht und den Bruch gesehen. Der Zahn musste gezogen werden. Das war ein größerer Eingriff, aber danach war Simon wie ausgewechselt.

Kann man Zahnproblemen vorbeugen?

Teilweise ja, komplett verhindern nicht.

Regelmäßige Kontrolle: Das ist der wichtigste Punkt. Einmal im Jahr Zahnarzt, dann werden Probleme früh erkannt.

Gutes Futter: Hochwertiges Heu, nicht zu hart, nicht zu weich. Zu hartes Futter kann die Zähne überlasten, zu weiches nutzt sie nicht genug ab.

Abwechslung: Gelegentlich Äste zum Knabbern, das nutzt die Schneidezähne ab und beschäftigt das Pferd.

Aufmerksam sein: Wenn du merkst, dass das Pferd anders frisst, sofort kontrollieren.

Bei uns haben wir eine Regel: Wer morgens füttert, schaut ob Futterreste liegen. Wenn ja, wird das notiert. Wenn es zwei Tage hintereinander passiert, rufen wir den Tierarzt. Lieber einmal zu viel als zu spät.

Elternfragen direkt beantwortet

Kann mein Kind ein Zahnproblem erkennen? Ja, wenn es aufmerksam ist. Wir zeigen das Kindern: Schau, ob das Pony normal frisst. Schau, ob Futter liegen bleibt. Das können schon Grundschulkinder lernen.

Muss man als Elternteil die Zähne kontrollieren? Nein, das machen Profis. Aber du kannst beobachten, ob das Pony normal frisst und sich normal verhält.

Was kostet eine Zahnbehandlung? Kontrolle ab 80 Euro, Behandlung mit Raspeln 100 bis 150 Euro, Zahn ziehen kann 200 bis 300 Euro kosten.

Tut das dem Pferd weh? Nein, das Raspeln nicht. Zahn ziehen wird unter Betäubung gemacht.

Wie oft sollte man die Zähne checken lassen? Einmal im Jahr. Bei jungen oder alten Pferden öfter.

Kontakt Fragen zur Pferdegesundheit?

Wenn du mehr wissen willst über Gesundheitsvorsorge am Hof oder Fragen zu unseren Ponys hast, meld dich einfach. Wir erklären das gern.

Zahnprobleme bei jungen vs. alten Pferden

Bei jungen Pferden sind Zahnprobleme oft Wachstumsprobleme. Zwischen zwei und fünf Jahren wechselt das Pferd von Milchzähnen auf bleibende Zähne. Das kann unangenehm sein. Manchmal bleiben Milchzahnkappen hängen, das sind Reste der allen Zähne, die nicht richtig abgefallen sind. Die müssen dann manuell entfernt werden.

Bei Lennox hatten wir das. Der war drei Jahre alt und hat plötzlich beim Fressen den Kopf geschüttelt. Wir haben geschaut und eine Milchzahnkappe gesehen, die halb hing. Der Zahnarzt hat sie entfernt, Lennox war sofort erleichtert.

Bei älteren Pferden ist es komplizierter. Die Zähne werden kürzer, weil sie ein Leben lang abgerieben werden. Irgendwann sind sie so kurz, dass das Kauen schwierig wird. Manche alten Pferde brauchen spezielles Futter, das schon vorzerkleinert ist, weil sie nicht mehr richtig kauen können.

Simon ist jetzt 18 Jahre alt. Seine Zähne sind okay, aber wir merken, dass er länger braucht zum Fressen. Wir geben ihm deswegen eingeweichte Heucobs, das sind gepresste Heupellets, die man in Wasser auflöst. Das kann er gut kauen und verdauen. Für ihn ist das perfekt.

Verhaltensänderungen durch Zahnschmerzen

Ein Pferd mit Zahnschmerzen verhält sich anders. Nicht nur beim Fressen, sondern auch beim Reiten und im Umgang.

Manche Pferde werden beim Reiten widersetzlich. Sie werfen den Kopf, gehen nicht richtig vorwärts, lassen sich schwer stellen. Eltern denken dann oft, das Pferd ist frech oder schlecht erzogen. Aber oft sind es Schmerzen. Das Gebiss drückt auf eine schmerzhafte Stelle, und das Pferd versucht, dem auszuweichen.

Bei Chica hatten wir das mal. Die wurde plötzlich beim Reiten total störrisch, wollte nicht links herum laufen. Wir haben alles gecheckt: Sattel, Rücken, Beine. Alles okay. Dann kam der Zahnarzt und fand einen scharfen Haken links oben. Sobald der weg war, lief Chica wieder normal.

Das zeigt: Bevor man ein Pferd bestraft oder trainiert, sollte man Schmerzen ausschließen. Zahnprobleme sind eine häufige versteckte Ursache für Verhaltensprobleme.

Praxisbeispiel: Als Penelope aufhörte zu fressen

Einmal im Februar hatte Penelope plötzlich keinen Appetit mehr. Die hat morgens ihr Heu angeschaut und nicht gefressen. Das war total untypisch, weil Penelope eigentlich immer frisst. Wir haben sofort den Tierarzt gerufen, weil Fressunlust bei Pferden schnell gefährlich werden kann.

Der Tierarzt hat die Zähne kontrolliert und einen entzündeten Bereich im hinteren Maul gefunden. Vermutlich hatte sie sich an einem scharfen Haken die Schleimhaut verletzt, und das hatte sich entzündet. Wir haben den Haken abgefeilt, die Entzündung mit einem Gel behandelt, und drei Tage später hat Penelope wieder normal gefressen.

Das war ein Weckruf für mich. Seitdem kontrolliere ich bei allen Ponys regelmäßig, ob sie ihr Futter komplett auffressen. Wenn nicht, wird gecheckt.

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