Stallalltag
Eine Woche auf dem Ponyhof: So läuft's wirklich
Von Mistgabeln bis Kindergeburtstagen - ein ehrlicher Einblick in unseren Alltag auf dem Ponyhof.

Verschiedene Szenen vom Ponyhof - Stallarbeit, Kinder beim Ponyreiten, Fütterung am Morgen.
Für eilige Eltern (TL;DR)
- Kurz und klar zu Eine Woche auf dem Ponyhof: So läuft's wirklich: die wichtigsten Punkte ohne Umwege.
- Klare Routinen helfen Kindern und Ponys, weil beide besser wissen, was als Nächstes passiert.
- Saubere Grundlagen im Alltag verhindern viele typische Probleme schon bevor sie entstehen.
- Ruhige Kommunikation und passende Aufgaben bringen mehr als laute Korrekturen in letzter Minute.
Montag, 6:30 Uhr. Mein Wecker klingelt. Ich drück ihn weg, weil ich noch fünf Minuten brauche. Dann fällt mir ein: Die Ponys warten. Die haben keinen Snooze-Button.
Montag: Der Start in die Woche
Montags sind meistens ruhig. Keine Reitstunden am Vormittag, nur Stallarbeit. Perfekt, um die Woche zu planen.
6:45 Uhr bin ich im Stall. Erster Check: Sind alle fit? Steht jemand komisch? Hat jemand nicht gefressen? Meistens ist alles okay. Meistens.
Manchmal steht Napoleon lahm. Nicht viel, aber genug, dass ich den Tierarzt anrufen muss. Meistens hat er sich beim Rumtoben verletzt. Typisch Napoleon.
Montag-To-Do:
- Futter vorbereiten für die ganze Woche
- Heu-Bestellung checken (läuft uns aus?)
- Boxen misten (ja, jeden Tag)
- Paddocks abäppeln
- Terminkalender durchgehen (wer kommt diese Woche?)
Wenn’s gut läuft, bin ich um 10 Uhr durch. Wenn’s schlecht läuft, steh ich bis Mittag da.
Dienstag & Mittwoch: Reitstunden-Marathon
Dienstag und Mittwoch sind unsere vollen Tage. Von 14 Uhr bis 18 Uhr laufen Reitstunden am Stück. Manchmal mehr.
Das bedeutet:
- Ponys fertig machen: Putzen, Satteln, Trensen
- Kinder einteilen (wer reitet wen?)
- Stunde geben
- Pony wieder versorgen
- Nächste Stunde
Klingt simpel, ist es aber nicht. Irgendwas ist immer. Ein Kind hat vergessen, Reitstiefel mitzubringen. Ein Pony will partout nicht in die Halle. Coco hat Blähungen und kann nicht geritten werden.
Zwischendurch muss ich Eltern-Fragen beantworten:
- „Wann kann mein Kind aufsteigen?" (Wenn es bereit ist, nicht wenn du es willst.)
- „Kann Lisa beim Kindergeburtstag dabei sein, obwohl sie noch nie geritten ist?" (Nein.)
- „Gibt’s auch Rabatt, wenn wir drei Geschwister anmelden?" (Ja, aber fragt nicht nach mehr.)
Abends bin ich platt. Körperlich und mental.
Donnerstag: Verwaltungstag
Donnerstag ist mein Bürotag. Klingt entspannt, ist es aber nicht.
Was ansteht:
- Rechnungen schreiben (Eltern bezahlen nicht von alleine)
- E-Mails beantworten (hunderte)
- Termine koordinieren (Kindergeburtstage, Ferienkurse, Einzelstunden)
- Social Media (Instagram, Facebook - muss ja auch gemacht werden)
- Tierarzt-Termine organisieren
- Hufschmied-Termin bestätigen
Nachmittags kommen trotzdem Reitstunden. Weniger als Dienstag/Mittwoch, aber genug, um mich vom Schreibtisch zu reißen.
Und irgendwas geht immer kaputt. Letztens war die Tränke im Paddock defekt. Ich hab zwei Stunden gebraucht, um das zu fixen. Zwei Stunden, die ich eigentlich für Buchhaltung eingeplant hatte.
Freitag: Vorbereitung aufs Wochenende
Freitag ist Vorbereitungstag. Am Wochenende kommen immer mehr Leute, also muss alles perfekt sein.
Freitag-Checkliste:
- Stall gründlich durchputzen (nicht nur Boxen, auch Gänge)
- Sattelkammer aufräumen (die Kinder werfen alles durcheinander)
- Paddocks nochmal checken (sind die Zäune okay?)
- Ponys gründlich durchgucken (ist jemand krank? Hat jemand was am Huf?)
- Futter für Wochenende vorbereiten
- Putzzeug sortieren (wo ist schon wieder der Hufkratzer?)
Abends bin ich meistens fertig. Aber dann kommt oft noch eine WhatsApp: „Können wir morgen spontan vorbeikommen?" oder „Lisa ist krank, können wir den Termin verschieben?"
Samstag: Chaos mit Kindern
Samstag ist der vollste Tag. Von 9 Uhr bis 17 Uhr non-stop.
Vormittags: Reitstunden. Mittags: Kindergeburtstag (meistens). Nachmittags: Mehr Reitstunden.
Kindergeburtstage sind… anstrengend. Zehn aufgedrehte Kids, die alle gleichzeitig auf ein Pony wollen. Eltern, die Fotos machen und dabei im Weg stehen. Und immer mindestens ein Kind, das Angst bekommt.
Manchmal haben wir Geburtstage mit vielen Kindern. Wir haben nur sechs Ponys. Das ist dann logistisch wie ein Militäreinsatz.
Aber: Die Kinder hatten Spaß. Und am Ende des Tages ist das, was zählt.
Sonntag: „Ruhetag"
Sonntag ist offiziell Ruhetag. Keine Reitstunden, keine Kindergeburtstage.
Heißt das, ich hab frei? Nein.
Sonntag-Routine:
- 7 Uhr: Ponys füttern
- 8 Uhr: Boxen misten
- 9 Uhr: Alle Ponys einzeln durchchecken (wie waren sie die Woche? Muss ich was beobachten?)
- 10 Uhr: Weiden/Paddocks abäppeln
- 11 Uhr: Wartungsarbeiten (was ist kaputt und muss repariert werden?)
Manchmal nehm ich mir nachmittags frei. Manchmal kommt jemand zum Probe-Reiten vorbei. Manchmal muss ich Heu nachladen, weil wir mehr verbraucht haben als gedacht.
Ein echter freier Tag ist selten.
Was niemand dir sagt
Ponyhof klingt romantisch. Ist es manchmal auch. Aber der Alltag ist hart.
Was mich nervt:
- Es ist nie sauber. NIE. Immer ist irgendwo Mist, Heu oder Dreck.
- Ponys sind manchmal einfach nur Arschlöcher. Napoleon, ich schau dich an.
- Eltern denken, alles ist easy. Ist es nicht.
- Es gibt keine Pausen. Ponys brauchen jeden Tag Versorgung.
- Du stinkst immer nach Stall. Immer.
Was ich liebe:
- Die Ponys. Auch wenn sie nerven.
- Die Kinder. Vor allem, wenn sie das erste Mal alleine traben.
- Die Ruhe am Morgen, wenn nur die Ponys und ich da sind.
- Zu sehen, wie schüchterne Kinder selbstbewusster werden.
- Wenn alles läuft, wie es soll (kommt selten vor, aber wenn, ist es großartig).
Ein Ponyhof ist kein Nine-to-Five-Job. Es ist ein 24/7-Lebensstil. Manchmal chaotisch, manchmal frustrierend, aber niemals langweilig.
Falls ihr überlegt, selbst einen Ponyhof zu eröffnen: Macht es. Aber seid euch bewusst, worauf ihr euch einlasst. Es ist die beste und gleichzeitig härteste Arbeit, die ich je gemacht hab. Und ich würde es trotzdem wieder machen.


