Ratgeber
Ab welchem Alter können Kinder reiten?
Warum Alter allein nicht reicht und woran du erkennst, ob dein Kind bereit ist.

Kleines Kind sitzt glücklich auf einem Shetlandpony
Für eilige Eltern (TL;DR)
- Nicht die Zahl im Pass entscheidet, sondern Reife, Balance und echtes Interesse.
- Wenn drei von fünf Reifezeichen passen, ist ein sanfter Start meist gut machbar.
- Die ersten Termine dürfen kurz sein mit Kennenlernen, Führen und wenigen Minuten im Schritt.
- Ohne Druck lernen Kinder schneller Vertrauen und kommen lieber wieder.
Die Frage, die ich am häufigsten von Eltern höre, ist: „Ab wann kann mein Kind reiten?" Und meine Antwort ist immer dieselbe: „Das kommt nicht aufs Alter an."
Warum Alter allein nicht reicht
Es gibt keine offizielle Altersgrenze fürs Reiten. Die FN, die Deutsche Reiterliche Vereinigung, empfiehlt den Einstieg ab etwa sechs Jahren für regelmäßigen Reitunterricht. Geführtes Ponyreiten geht früher, schon ab drei oder vier Jahren.
Aber diese Zahlen sind Richtwerte. Jedes Kind ist anders. Ein vierjähriges Kind, das motorisch fit ist, keine Angst vor großen Tieren hat und sich zehn Minuten konzentrieren kann, ist weiter als manches Sechsjährige, das sich beim Anblick eines Ponys hinter Mama versteckt.
Was wirklich zählt: Kann das Kind grundlegende Anweisungen verstehen und umsetzen? Kann es sich festhalten? Hat es genug Körperspannung, um im Sattel zu sitzen? Und vor allem: Will es das überhaupt? Wenn ein Kind sagt: „Ich will aufs Pony", dann ist das der wichtigste Indikator. Motivation macht vieles wett.
5 Reifezeichen
Statt aufs Alter zu schauen, schaue ich auf fünf Dinge. Wenn mindestens drei davon gegeben sind, können wir es versuchen.
Ist mein Kind bereit?
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Es kann mindestens 10 Minuten auf einer Sache konzentriert bleiben
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Es kann einfache Anweisungen verstehen und umsetzen (links, rechts, stopp)
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Es hat keine extreme Angst vor großen Tieren
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Es kann grundlegend das Gleichgewicht halten (Fahrrad, Roller, Balancieren)
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Es WILL reiten, nicht die Eltern wollen es für das Kind
Punkt fünf ist der wichtigste. Ich hab schon Eltern erlebt, die ihr Kind aufs Pony drücken wollten, weil SIE als Kind gerne geritten wären. Das Kind hat geheult. Das ist keine Reitstunde, das ist Stress. Für alle Beteiligten.
Typische Ängste
Angst ist normal. Ein Kind steht vor einem Tier, das drei- bis viermal so groß ist wie es selbst. Das ist beeindruckend und einschüchternd. Aber: Die meisten Kinder verlieren die Angst innerhalb der ersten zehn Minuten, wenn das Umfeld stimmt.
Was hilft: Das Kind erstmal ankommen lassen. Nicht sofort aufs Pferd. Erst die Ponys angucken, streicheln, Möhren geben. Dann vielleicht mal auf den Arm nehmen lassen und neben dem Pony stehen. Dann auf einen Hocker steigen und über den Rücken schauen. Und erst wenn das Kind sagt „Ich will drauf", geht es drauf.
Bei uns gibt es kein „Und jetzt steigst du auf, los!" Wir lassen dem Kind die Kontrolle. Es entscheidet das Tempo. Manche Kinder sitzen nach fünf Minuten oben, andere brauchen zwei Besuche. Beides ist völlig okay.
Wie Eltern gut begleiten
Der größte Fehler, den Eltern machen können: Zu viel Druck aufbauen. „Nun trau dich doch!" oder „Guck mal, die kleine Lisa schafft das auch!" Das hilft nicht. Das macht es schlimmer.
Was hilft: Da sein, ohne zu drängen. Ruhig nebenstehen. Wenn das Kind guckt, bestätigend nicken. Wenn es Angst hat, Verständnis zeigen. Und wenn es aufsteigt, sich freuen. Nicht übertrieben, aber ehrlich.
Und bitte: Die Erwartungen runterschrauben. Die erste Reitstunde ist kein Galopprennen. Es ist zehn Minuten Schritt gehen, vielleicht im Kreis, vielleicht nur eine Runde über den Hof. Das ist genug. Das ist sogar richtig viel für ein Kind, das noch nie auf einem Pony saß.
Was bei 3 bis 4 anders ist als bei 6 bis 7
| Altersgruppe | Was möglich ist | Worauf achten |
|---|---|---|
| 3–4 Jahre | Geführtes Ponyreiten, maximal 15 Min., viel Streicheln und Kennenlernen | Volle Aufsicht, keine eigene Kontrolle, Elternteil immer direkt daneben |
| 5–6 Jahre | Geführtes Reiten, erste eigene Signale (links/rechts), Putzen lernen | Konzentration begrenzt, Pausen einplanen, Motorik trainieren |
| 7–8 Jahre | Eigenständiges Reiten an der Longe, Trab möglich, Bodenarbeit | Kann Anweisungen folgen, Balance ist besser, emotional stabiler |
Bei uns am Hof sieht das so aus: Die Kleinen, drei bis vier, kommen zum geführten Ponyreiten. Da sitzt das Kind oben, und ein Erwachsener führt das Pony. Das Kind lernt Balance, spürt die Bewegung, und hat Spaß. Keine Zügel, keine Befehle, nur Erleben.
Ab fünf fangen wir an, dem Kind mehr Verantwortung zu geben. Es darf lenken, Stopp sagen, sich vorbeugen und streicheln. Das sind kleine Schritte, aber für das Kind sind sie riesig.
Ab sieben können die meisten Kinder an der Longe reiten. Das heißt, sie sitzen alleine, haben Zügel und Steigbügel, und ich stehe in der Mitte und kontrolliere das Pony über eine lange Leine. Das ist der Übergang zum eigenständigen Reiten.
Unser Ablauf am Hof
Der erste Besuch bei uns läuft immer gleich ab. Egal ob das Kind drei oder acht ist.
Erstens: Ankommen. Das Kind darf sich umschauen, die Ponys angucken, Fragen stellen. Kein Zeitdruck. Zweitens: Kennenlernen. Wir gehen zusammen zu einem Pony, meistens Napoleon, weil der so geduldig ist. Das Kind darf streicheln, riechen, gucken. Drittens: Vorbereiten. Wenn das Kind möchte, helfen wir beim Putzen. Das baut Vertrauen auf. Viertens: Aufsitzen. Wenn das Kind bereit ist. Und fünftens: Losgehen. Im Schritt, geführt, eine Runde. Mehr nicht beim ersten Mal.
Danach reden wir mit den Eltern: Wie hat es sich angefühlt? War das Kind entspannt? Will es wiederkommen? Wenn ja, machen wir einen Folgetermin. Wenn nein, ist das kein Versagen. Manchmal braucht es einfach ein halbes Jahr mehr.
Entscheidungshilfe
Wenn du als Elternteil unsicher bist, ob dein Kind bereit ist, dann mach dir keinen Kopf. Kommt einfach vorbei. Schaut euch den Hof an, schaut euch die Ponys an. Dein Kind wird dir in fünf Minuten zeigen, ob es bereit ist. Daran, wie es auf die Ponys zugeht. Daran, ob es sich versteckt oder vor Neugier platzt. Daran, ob es die Arme ausstreckt und sagt: „Darf ich das streicheln?"
Kinder, die bereit sind, sagen es dir. Du musst nur zuhören. Und wenn sie noch nicht bereit sind, dann ist das auch okay. Die Ponys laufen nicht weg. Die sind nächsten Monat auch noch da.
Die bestehende Kompakt-Zusammenfassung findest du übrigens in unserem Artikel zum Thema Reiten ab welchem Alter. Dort haben wir die wichtigsten Punkte kurz und knapp zusammengefasst.
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