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Gesundheit

Sommerekzem beim Pferd

Ein verständlicher Überblick. und klare Grenzen, wann der Tierarzt ran muss.

Sarah Handte 6 Min. Lesezeit
Ein Pony steht auf einer grünen Wiese.

Ein Pony steht auf einer grünen Wiese.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Bei Sommerekzem beim Pferd helfen einfache Prinzipien mehr als komplizierte Sonderwege.
  • Futter, Bewegung und tägliche Kontrolle gehören zusammen und sollten immer als Paket gedacht werden.
  • Lieber einmal zu früh reagieren als zu spät, gerade bei Schmerz- und Stoffwechselthemen.
  • Frühe, kleine Warnzeichen sind oft der Unterschied zwischen kurzer Behandlung und langem Ausfall.

Okay, ich muss über was Schwieriges schreiben. Sommerekzem. Wer’s kennt, weiß, wovon ich rede. Wer nicht: gut für euch, ehrlich.

Ein Pony zu sehen, das sich vor lauter Juckreiz blutig scheuert, bricht einem das Herz. Es gibt wenige Sachen, die mich so fertig machen. Aber, und das ist wichtig, mit dem richtigen Management kann auch ein Ekzemer einen guten Sommer haben. Nicht perfekt. Aber gut.

Sommerekzem ist keine Laune. Es ist eine Allergie. Das Pony reagiert über, weil der Speichel bestimmter kleiner Mücken den Körper reizt. Diese winzigen Gnitzen sind fast unsichtbar, aber der Effekt ist groß. Ein Stich reicht, und der Juckreiz bleibt tagelang. Dann beginnt der Kreislauf: Es juckt, das Pony scheuert, die Haut wird wund, es juckt noch mehr.

Lennox hatte das mal richtig schlimm. Vor Jahren, bevor wir ihn bekommen haben. Die Vorbesitzer haben… naja, lassen wir das. Jedenfalls wissen wir jetzt, was zu tun ist. In seinem ersten Sommer bei uns waren Mähne und Schweifansatz schon angegriffen. Wir mussten jeden Tag schauen, putzen, kühlen, eincremen und die Decke konsequent drauf lassen. Das war viel Arbeit, aber es hat geholfen.

Erstmal: Warum juckt es überhaupt so?

Das Sommerekzem ist eine Allergie. Nicht gegen irgendwas Großes, sondern gegen den Speichel von diesen winzigen Mücken, Gnitzen genannt. Die sind so klein, dass man sie kaum sieht. Und ein einziger Stich kann TAGELANG jucken. Stellt euch das mal vor. Ein Mückenstich, der eine Woche juckt. Brutal.

Deshalb ist das Ziel Nummer 1: Nicht gestochen werden. Klingt simpel. Ist es nicht.

Gnitzen sind vor allem bei warmem Wetter aktiv, gern in feuchter Luft und oft in der Dämmerung. Wenn wir abends das Licht am Stall anmachen, sieht man sie manchmal wie kleine Punkte. Genau dann ist Schutz wichtig. Und ja, es macht einen Unterschied, ob ein Pony in der Abenddämmerung auf der Weide steht oder ob es in einer geschützten Ecke mit Wind steht. Wind hilft, weil die kleinen Viecher nicht gut fliegen.

Viele Eltern fragen mich: Ist Sommerekzem ansteckend für andere Pferde oder Kinder? Nein. Es ist keine Krankheit, die sich überträgt. Es ist eine Reaktion im Körper des betroffenen Ponys. Trotzdem sieht es schlimm aus und braucht Pflege.

Ein häufiger Punkt ist die Frage: Woran erkenne ich Sommerekzem überhaupt? Typisch sind kahle Stellen am Mähnenkamm, am Schweifansatz und manchmal an der Bauchlinie. Dazu kommt starkes Scheuern, oft an Pfosten, Bäumen oder der Boxenwand. Die Haut wird dick, warm oder sogar nässend. Manche Ponys werden unruhig und finden keine Ruhe.

Bei uns hatte Nala im Mai plötzlich kurze, abgebrochene Haare am Halsansatz. Erst dachte ich, sie hat sich nur am Zaun gekratzt. Aber dann kam der Juckreiz, und sie fing an, den Schweif wie verrückt zu reiben. Wir haben sofort reagiert, weil wir wissen, wie schnell es eskaliert.

  1. 1 Gnitze sticht
  2. 2 Juckreiz kommt
  3. 3 Pony scheuert
  4. 4 Haut wird wund
  5. 5 Juckreiz wird stärker

Eltern fragen mich oft: Muss der Tierarzt immer kommen? Ich sage: Wenn die Haut nur leicht gereizt ist, kann gutes Management reichen. Aber wenn die Stellen offen, nässend oder stark entzündet sind, dann gehört das in tierärztliche Hände. Auch wenn das Pony sehr leidet, abnimmt oder sich kaum noch anfassen lässt, ist das kein Fall für Hausmittel.

Eine andere Frage, die ich oft höre: Kann man das im Herbst einfach wieder vergessen? Leider nein. Sommerekzem ist meist jedes Jahr wieder da. Wer früh im Jahr startet, hat im Sommer weniger Stress. Deshalb fangen wir hier oft schon im März an, bevor die ersten Insekten richtig da sind.

Eltern wollen auch wissen: Braucht mein Pony unbedingt eine Ekzemerdecke? Für viele betroffene Pferde ist die Decke der wichtigste Schutz. Sie ist nicht schön und im Sommer auch warm, aber sie verhindert Stiche. Bei Lennox war das der Wendepunkt. Ohne Decke war er ständig wund. Mit Decke wurde es deutlich besser. Wichtig ist, dass die Decke passt, sauber bleibt und die Haut darunter kontrolliert wird.

Noch eine typische Frage: Hilft Waschen oder macht es alles schlimmer? Wenn die Haut heiß und gereizt ist, kann lauwarmes Abspülen gut tun. Aber zu viel Shampoo trocknet aus. Wir waschen nur, wenn es nötig ist, und verwenden milde Produkte. Danach kommt eine leichte Pflege. Das ist wie bei empfindlicher Kinderhaut.

Viele Eltern fragen auch: Darf mein Kind beim Eincremen helfen? Ja, wenn es ruhig ist und wir anleiten. Das ist sogar eine gute Lernchance. Kinder merken, wie viel Verantwortung dahinter steckt. Wir lassen sie aber nur an Stellen arbeiten, die nicht offen sind. Bei wunden Bereichen ist es unsere Aufgabe.

  • Morgens Decke kontrollieren und scheuernde Stellen prüfen
  • Schweifansatz und Mähnenkamm kurz anschauen, bevor es juckt
  • Fliegenschutz nur auf trockene Haut, nicht auf offene Stellen
  • Weidezeiten anpassen, wenn die Dämmerung stark ist
  • Ruheplatz mit Wind oder Schatten suchen
  • Wunde Stellen sauber halten und dokumentieren

Eltern fragen mich manchmal: Warum heißt das überhaupt Ekzemer? Ich sage dann: Das ist nur das Wort für ein Pony, das diese Allergie hat. Mehr ist es nicht. Es beschreibt nicht den Charakter, sondern den Hautzustand. Und es erinnert uns daran, dass wir dranbleiben müssen, auch wenn es zwischendurch besser aussieht. Wer früh startet, hat später weniger Drama. Das entlastet Pony und Menschen. Wirklich jeden Tag.

Ein drittes Beispiel: Im letzten Sommer hatten wir einen sehr warmen Juni. Die Gnitzen waren abends brutal. Wir haben die Ponys früher reingeholt und einen Ventilator im Stall laufen lassen. Schon nach wenigen Tagen war die Haut bei Chica ruhiger. Nicht weil wir gezaubert haben, sondern weil wir die Stiche reduziert haben.

Und noch ein Beispiel aus dem Alltag: Bei einem Kindergeburtstag hat ein Junge gefragt, warum das Pony eine Maske trägt. Wir haben erklärt, dass die Maske die Augen und die Ohren schützt, weil dort die kleinen Mücken gerne sitzen. Danach hat er gesagt: Dann ist das wie eine Sonnenbrille gegen Mücken. Genau so ist es. Kinder verstehen das schnell, wenn man es greifbar macht.

Eltern fragen mich oft: Kann ich mit einem Ekzemer normal reiten? In den meisten Fällen ja, wenn das Pony sich wohl fühlt und die Haut nicht schmerzhaft ist. An Tagen mit starkem Juckreiz lassen wir es ruhiger angehen. Man merkt es am Gesicht und an der Spannung im Körper. Wenn die Ohren ständig nach hinten gehen und das Pony nicht still stehen kann, ist das kein Reittag.

Eine weitere Frage: Hilft Futterumstellung? Manche Pferde reagieren empfindlich auf bestimmte Komponenten, aber das Sommerekzem kommt in erster Linie von Insektenstichen. Futter ist also nicht die Hauptursache. Trotzdem hilft eine ausgewogene, nicht zu zuckerreiche Ernährung dem ganzen Immunsystem. Ich sage immer: Es ist ein Baustein, aber nicht die Lösung allein.

Was Eltern auch beschäftigt: Warum hat das Pony an der Bauchlinie so kahle Stellen? Gnitzen stechen gern an warmen, dünn behaarten Bereichen. Die Bauchlinie ist so ein Ort. Wenn man dort scheuernde Stellen sieht, muss man besonders vorsichtig sein, weil die Haut empfindlich ist.

Und dann kommt oft die Frage: Was passiert, wenn wir gar nichts tun? Dann wird der Juckreiz meist jedes Jahr stärker, die Haut wird dicker und empfindlicher, und das Pony leidet mehr. Deshalb ist konsequentes Management so wichtig, auch wenn es mühsam ist.

Was Kinder oft fragen

Die Kinder hier sind echt aufmerksam. Die merken, wenn ein Pony eine Decke trägt, die andere nicht haben. Oder wenn die Mähne abgescheuert ist.

“Warum hat Lennox so eine komische Jacke an?” Ich sage dann: Weil sein Körper auf die kleinen Mücken reagiert, und die Jacke schützt ihn, damit es nicht so juckt. Dann verstehen sie es meist sofort.

“Darf ich ihn trotzdem streicheln?” Klar, aber vorsichtig an den Stellen, wo er sich gescheuert hat. Die tun manchmal noch weh. Ich zeige den Kindern dann eine ruhige Hand und sage: Wenn er weggeht, lassen wir ihn.

“Wird er wieder gesund?” Das Ekzem geht nicht weg. Es ist wie eine Allergie bei Menschen. Aber wir können dafür sorgen, dass es ihm gut geht. Und das machen wir.

“Warum trägt er auch eine Maske?” Weil die Gnitzen gern an den Ohren und am Gesicht stechen. Die Maske schützt die empfindlichen Stellen.

“Tut das weh?” Ja, das kann richtig weh tun. Juckreiz fühlt sich fies an, und die wunden Stellen brennen. Deshalb sind wir vorsichtig und geben dem Pony Ruhe.

“Kann ich ihm helfen?” Ja, indem du ruhig bist, nicht ziehst und auf seine Zeichen achtest. Nähe geht auch ohne Druck.

Ich find’s wichtig, den Kindern das ehrlich zu erklären. Die verstehen mehr, als man denkt. Und sie lernen dabei auch was über Verantwortung und Fürsorge.

Zum Schluss noch etwas, das ich Eltern immer mitgebe: Wenn ihr unsicher seid, ruft lieber einmal zu früh an als zu spät. Sommerekzem kann man gut managen, aber es braucht Aufmerksamkeit. Ein Pony, das nicht mehr zur Ruhe kommt, zeigt uns deutlich, dass wir handeln müssen. Und wenn wir es dann schaffen, dass es am Abend entspannt mit halben Augen dasteht, dann war es ein guter Tag.

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