Ratgeber
Was kostet Reiten für Kinder?

Sparschwein im Pferdestall symbolisiert Reitkosten
Hand aufs Herz: Wir wissen, dass Reiten nicht billig ist. Und wir wissen auch, dass viele Eltern erstmal schlucken, wenn sie sich die Preise anschauen.
Deshalb hier mal Klartext. Kein Marketing-Blabla, sondern die echten Zahlen.
“Reiten ist doch ein Sport für Reiche.” Diesen Satz hören wir mindestens einmal die Woche. Und ja, ich versteh das total. Napoleon alleine frisst uns die Haare vom Kopf (der kleine Kerl hat einen Appetit, das glaubt man nicht), dann kommt der Tierarzt, der Hufschmied, das Heu wird auch jedes Jahr teurer…
Aber: Muss Reiten deshalb unbezahlbar sein? Wir finden: Nein. Und wir finden vor allem, dass man vorher wissen sollte, was auf einen zukommt. Nix nervt mehr als versteckte Kosten, die plötzlich nach der Anmeldung auftauchen.
Also: Butter bei die Fische. Was kostet das jetzt wirklich, wenn euer Kind in Renningen oder Leonberg reiten lernen will?
Der große Kosten-Vergleich
Ich hab mir mal die Mühe gemacht und die drei üblichen Modelle verglichen: Reitverein, gewerbliche Reitschule, und dann halt wir, der Ponyhof.
| Kostenpunkt | Reitverein | Reitschule | Ponyhof |
|---|---|---|---|
| Monatsbeitrag | 80-120 € | 100-140 € | Kein Abo! |
| Mitgliedschaft | 60-100 €/Jahr | Meist keine | Keine |
| Arbeitsstunden | 10-20h/Jahr | Keine | Keine |
| Bindung | Jahresvertrag | 3-6 Monate | Flexibel |
| Pro Stunde | ~25-30 € | 30-45 € | ab 25 € |
Warum wir kein Abo-Modell haben
Also, ich erzähl mal kurz, wie wir dazu gekommen sind.
Tim und ich sind selbst Eltern. Wir wissen, wie das läuft: Im Oktober ist Reiten das Größte, im November ist plötzlich Turnen viel cooler, im Dezember will das Kind unbedingt Klavier lernen, und im Januar ist sowieso alles doof.
Bei unserem ersten Kind haben wir mal ein Jahres-Abo für eine Musikschule abgeschlossen. Nach drei Monaten war das Interesse weg, aber wir haben noch neun Monate weitergezahlt. Nie wieder.
Deshalb bei uns: Du buchst einen Termin mit Coco, Penelope oder wem auch immer, du bezahlst diesen Termin, fertig. Kind krank? Passiert, kein Problem. Oma hat Geburtstag? Okay. Drei Wochen keine Lust? Auch gut, wir sind ja noch da, wenn die Lust wiederkommt.
- Du buchst einen Termin.
- Du bezahlst diesen Termin.
- Fertig.
Keine Kündigungsfristen. Keine “Karteileichen-Gebühren”. Das ist fair, finden wir.
Die versteckten Kosten beim Reiten (und wie man sie spart)
Jetzt mal abseits vom Unterricht. Da gibt’s ja noch die ganze Ausrüstung. Und hier kann man wirklich ein Vermögen ausgeben. Muss man aber nicht!
Ich hab letztens mit einer Mama geredet, die meinte, sie hätte 400 Euro für die Erstausstattung ihrer Tochter ausgegeben. Da bin ich fast vom Hocker gefallen. 400 Euro? Für den Anfang?!
Also, hier mal meine ehrliche Einschätzung:
1. Der Reithelm
Okay, hier gibt’s keine Kompromisse. Ein guter Helm muss sein. Nicht verhandelbar. Sleepy ist zwar der entspannteste Kerl, den man sich vorstellen kann, aber auch von Sleepy kann man runterfallen. Ist mir selbst schon passiert (ich erzähl die Geschichte ein andermal, war peinlich).
- Kosten: Ab ca. 50 Euro kriegt man was Ordentliches im Sportgeschäft.
- Spartipp: Wir verleihen Helme kostenlos! Für die ersten paar Stunden reicht das völlig. Wenn euer Kind dann dabei bleibt, lohnt sich ein eigener. Schon aus hygienischen Gründen. Aber keiner muss am ersten Tag einen Helm kaufen.
2. Die Hose
Ich sag’s mal so: Wenn euer Kind in einer 100-Euro-Reithose auf Kylo sitzt und Kylo beschließt, sich ausgerechnet jetzt in der Pfütze zu wälzen… dann habt ihr 100 Euro im Matsch.
Am Anfang: Leggings. Jogginghose. Was Bequemes ohne dicke Innennähte (das scheuert nämlich brutal). Jeans sind eher suboptimal, aber wenn’s nicht anders geht, geht’s halt nicht anders.
- Alternative: Eine bequeme Leggings oder Jogginghose tut es am Anfang. Echt.
- Spartipp: Second-Hand! Kinder wachsen so schnell aus Reithosen raus, dass man auf Kleinanzeigen oder auf Basaren oft quasi neue Hosen für 10-20 Euro findet. Hab ich bei unseren Kids auch so gemacht.
3. Das Schuhwerk
Gummistiefel gehen klar. Im Sommer schwitzt man drin, im Winter friert man, aber sie gehen. Wichtig ist nur: über den Knöchel und fester Halt.
- No-Go: Sandalen, Ballerinas, Crocs… Ich muss euch nicht erzählen, was passiert, wenn 250 Kilo Simon auf eure Zehen treten. (Spoiler: Es tut weh. Sehr.)
- Spartipp: Feste Wanderschuhe oder Stiefeletten, die ihr eh schon habt. Muss nichts Spezielles sein.
Unser Fazit: Was ist es mir wert?
Ja, 25 Euro für eine Stunde klingt erstmal nach Geld. Ich versteh das.
Aber wisst ihr was? Letzte Woche stand ein Kind bei Balu und hat ihm zum ersten Mal alleine die Hufe ausgekratzt. Die Mama hat daneben gestanden und hatte Tränen in den Augen. “Zu Hause kriegt sie nicht mal ihre Schuhe selbst angezogen”, hat sie gesagt.
Das ist es, was dahintersteckt:
-
Individuelle Betreuung: Bei uns stehen keine 15 Kinder in der Halle und reiten im Kreis. Wir nehmen uns Zeit. Für jedes Kind und für jedes Pony.
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Tierwohl: Unsere Ponys leben im Herdenverband, haben ihre Macken und ihre Persönlichkeiten. Fiona ist manchmal zickig, Lennox braucht seine Auszeiten, und Attila… naja, Attila ist Attila. Sie sind keine Sportgeräte. Das kostet mehr, klar, aber anders wollen wir’s nicht.
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Das ganze Erlebnis: Bei uns wird nicht nur oben draufgesessen. Putzen, Füttern, Kuscheln gehört dazu. Und wenn ich sehe, wie Ruffy seinen Kopf in den Arm von so einem kleinen Kind legt… das kriegt man halt nicht bei der Playstation.
Also, wenn ihr vergleicht: Schaut nicht nur auf den Preis pro Minute. Schaut drauf, was euer Kind dafür bekommt. Und dann entscheidet.
Wir sind keine Luxus-Reitschule. Aber wir geben alles. Und Napoleon, Coco, Penelope und der Rest der Bande übrigens auch.


