Gesundheit

Wurmkur oder Kotprobe?

Warum wir nicht mehr einfach „blind“ entwurmen und was der Mistkäfer damit zu tun hat.

Sarah Handte 5 Min. Lesezeit05. Februar 2026
Ein Pony steht ruhig am Stall.

Ein Pony steht ruhig am Stall.

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Bei Wurmkur oder Kotprobe? helfen einfache Prinzipien mehr als komplizierte Sonderwege.
  • Mit ruhigem, klaren Vorgehen und schneller Rücksprache mit Fachleuten schützt ihr Pony und Nerven.
  • Futter, Bewegung und tägliche Kontrolle gehören zusammen und sollten immer als Paket gedacht werden.
  • Lieber einmal zu früh reagieren als zu spät, gerade bei Schmerz- und Stoffwechselthemen.

Letzte Woche am Putzplatz. Eine Mama fragt mich: „Sarah, warum macht ihr eigentlich so einen Aufstand mit diesen Kotproben? Meine Freundin gibt ihrem Pferd einfach alle drei Monate die Paste und gut.“

Und ich so... atme tief durch... „Okay, setzt euch mal hin, das wird länger.“

Ich sag das jetzt ganz offen: wir fahren bei uns selektive Entwurmung. Klingt nach Wissenschaft, ist aber eigentlich einfach: wir geben nur dann Medizin, wenn wir sicher wissen, dass Würmer ein Problem sind. Nicht nach Kalender, nicht automatisch. Ich habe früher auch gedacht, einmal pro Quartal Paste rein und alles ist gut. Bis unser Tierarzt mir erklärt hat, was da langfristig passiert. Ganz kurz und verständlich: wenn man ständig dieselben Wirkstoffe ohne Diagnose nutzt, gewöhnen sich die Würmer daran. Die Medikamente wirken irgendwann nicht mehr. Und wenn dann wirklich ein schwerer Befall kommt, stehen wir ohne funktionierende Optionen da. Das ist wie ein bisschen zu oft Diesel tanken und dann erwarten, dass das Auto beim Rennen hält.

Manche Eltern fragen, ob das nicht riskant ist für die Ponys. Meine Antwort ist: selektiv entwurmen ist nicht weniger sicher. Es ist verantwortungsvoller. Wir sammeln Daten, wir beobachten und wir behandeln gezielt. So haben wir weniger unnötige Chemie im Stall und weniger Risiko für Resistenzen. Und ja, nebenbei haben wir mehr Mistkäfer auf den Koppeln. Mehr dazu gleich.

Warum wir das nicht mehr 'wie früher' machen

Ich geb's zu: Wir haben das früher auch so gemacht. Tube auf, Napoleon hält still, Paste rein, fertig. War einfach. Hat sich gut angefühlt. Ich habe mich nützlich gefühlt. Aber irgendwann hat mir unser Tierarzt erklärt, dass sich die Wurmpopulation anpasst. Dazu ein Beispiel, das Eltern oft fehlt: Stellt euch vor, ihr nehmt bei jeder Erkältung gleich starke Antibiotika. Nach einer Weile helfen die nicht mehr bei echten Infekten. Genauso ist das bei Würmern. Wenn man dauernd dieselben Wirkstoffe nutzt, bleiben nur die widerstandsfähigen Würmer übrig.

Eine weitere typische Frage ist: Kann man die Kotprobe selbst sammeln Ich zeige Eltern und älteren Kindern gerne genau, wie das geht. Wichtig ist: frischer Kot, aus der Mitte des Haufens, möglichst ohne Bodenanteile. In einer stabilen Box sammelt das euer Kind mit Handschuhen und einer sauberen Tüte. Beschriftung drauf und ab in den Kühlschrank, wenn ihr nicht sofort zum Labor kommt. Wenn Kinder es machen dürfen, lernen sie Verantwortung und Abläufe. Sie fühlen sich ernst genommen. Das ist pädagogisch wertvoll.

Praxisbeispiel: Ruffy hatte letztes Jahr wiederholt leichte Befunde im Sommer. Wir haben bei ihm nicht blind behandelt, sondern nach der Probe gezielt eines der wenigen verbliebenen effektiven Mittel gegeben. Zwei Wochen danach Kontrollprobe, alles wieder sauber. Effizient, hilfreich und ohne Dauerbelastung durch Chemikalien.

Der Mistkäfer-Faktor (ja, wirklich)

Okay, das klingt jetzt erst mal random, aber bleibt dran. Wenn ihr an Naturschutz denkt, denkt ihr vielleicht nicht an Pferdemist. Dabei ist der Kreislauf wichtig. Wurmkuren töten nicht nur Würmer. Sie verändern die Zusammensetzung im Kot. Mistkäfer und Käferlarven, die sonst den Mist zersetzen, haben empfindliche Lebenszyklen. Weniger Käfer bedeutet langsameres Zersetzen, mehr Mist auf der Weide und langfristig schlechtere Bodenqualität.

Im Stallalltag fiel das auf. Früher lagen die Haufen oft zwei Wochen, manchmal länger rum. Seit wir selektiv entwurmen, verschwinden die Hinterlassenschaften nach ein paar Tagen. Ich habe einmal einem Vater gezeigt, wie viele Käfer er an einem Quadratmeter Mist zählen kann. Er war überrascht. Für Kinder ist das eine kleine Naturlektion. Sie sehen, wie alles verbunden ist. Wir nutzen das, um ihnen zu erklären, dass weniger Chemie nicht nur besser für die Ponys ist, sondern auch für die Insekten, die unsere Weiden sauber halten.

Praxisbeispiel: Lennox sein Mist war früher lange sichtbar. Nach Umstellung auf selektive Entwurmung verschwanden seine Haufen schneller. Die Weide wirkte frischer. Eltern merkten es bei Spaziergängen, sie haben uns drauf angesprochen. Das ist ein kleines Dorfwunder.

Unser Jahresplan: so machen wir das

Wir checken alle unsere Ponys viermal im Jahr. Ja, das ist Arbeit. Ja, das ist viel Kot. Aber so bekommen wir ein Bild der saisonalen Belastung und können gezielt reagieren.

Frühling meist April: Bevor es richtig rausgeht auf die Koppel. Wir fragen uns, wer hat Mitbringsel aus dem Winter. Manche Ponys reagieren auf frisches Gras stärker. Bei einem unserer Ponys war letztes Jahr etwas sichtbar, wir haben behandelt und die Weidezeit angepasst. Das hat gereicht.

Hochsommer Juni Juli: Weidesaison läuft, Parasitendruck kann steigen. Ruffy hatte im Sommer einen leichten Befund. Kurz behandeln, nachkontrolle, fertig.

Spätsommer August September: Wir prüfen nochmal, bevor es Richtung Herbst geht. Oft ist da nichts, aber kontrollieren schadet nie.

Winter November Ausnahme: Hier machen wir manchmal eine gezielte Blindbehandlung gegen bestimmte Larven, beispielsweise diejenigen, die unsichtbar im Magen überwintern. Das ist eine Ausnahme, die wir begründet einsetzen, wenn das Risiko da ist und die Laborergebnisse das nicht ausreichend abbilden.

Wann müssen wir wirklich behandeln?

Das Labor zählt die Eier unter dem Mikroskop. EpG ist der Fachbegriff. Ein einfacher Merksatz für Eltern lautet: unter 200 EpG meist nichts tun, über 200 EpG handeln und dabei das richtige Mittel wählen. Warum nicht sofort behandeln Weil Pferde ein Immunsystem haben, das viele Wurmartikel im Zaum halten kann. Wenn wir zu früh und zu oft behandeln, verlieren wir die natürliche Balance.

Weiteres zur Praxis: Wie wird die Probe im Labor ausgewertet Die Probe wird auf Eier untersucht. Die Techniker bestimmen die Ei Zahl pro Gramm und geben eine Einschätzung. Manchmal braucht es eine spezielle Färbung oder ein anderes Verfahren, wenn ein bestimmter Parasit vermutet wird. Deshalb ist das Gespräch mit dem Tierarzt so wichtig. Er entscheidet, ob die Standardauswertung reicht oder ob eine gezieltere Laboranalyse sinnvoll ist.

Praxisbeispiel: Penelope zeigte einmal leicht erhöhte Werte. Wir haben erst nicht behandelt, aber die Werte stiegen. Tierarzt und wir haben dann ein gezieltes Mittel gewählt. Zwei Wochen später Nachkontrolle. Alles wieder sauber. Das hat uns Zeit gebracht und das richtige Mittel eingesetzt.

Ich weiß, das klingt alles nach viel Aufwand. Und ja, Kotproben sammeln ist nicht der glamouröseste Teil der Pferdehaltung. Aber wenn ich sehe, wie fit unsere Ponys sind, wie die Weiden aussehen und wie die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen, dann hat sich der Aufwand gelohnt.

Kontakt Noch Fragen?

Falls ihr unsicher bist oder wissen willst, wie der aktuelle Status bei eurem Lieblingspony aussieht, frag am Stall einfach. Ich quassel gerne über Würmer. Ja, das ist komisch. Ich weiß. Aber wir reden darüber mit den Eltern, zeigen die Proben und erklären die Ergebnisse. Das nimmt die Angst und macht die richtige Entscheidung einfacher.

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