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Saisonales

Frühling auf dem Ponyhof: Was jetzt wichtig ist

Sarah Handte
Frühling auf dem Ponyhof: Was jetzt wichtig ist

Für eilige Eltern (TL;DR)

  • Frühling auf dem Ponyhof: Was jetzt wichtig ist: worauf es im Alltag wirklich ankommt.
  • Lieber sauber aufbauen als zu schnell steigern, dann bleibt die Motivation stabil.
  • Gute Entscheidungen entstehen mit Beobachtung, nicht mit Druck.
  • Am Ende zählt ein Weg, der zu Kind, Pony und Alltag passt, nicht ein starres Schema.

Der Frühling ist eine magische Zeit auf dem Hof. Nach Monaten in Grau und Braun explodiert die Natur plötzlich. Die Luft riecht nach feuchter Erde und ersten Blüten, die Vögel machen einen Heidenlärm (im positiven Sinne), und die Ponys? Die sind kaum wiederzuerkennen. Sie schütteln ihr dickes Winterfell ab, als würden sie einen schweren Mantel ausziehen, und haben plötzlich Energie für drei.

Gleichzeitig ist genau diese Zeit ein sensibler Übergang. Für uns Stallbetreiber und Reitpädagogen bedeutet der Frühling nicht nur “Juhu, Sonne”, sondern vor allem: Planung. Die Stoffwechselumstellung, das frische Gras, die wechselhaften Temperaturen und die immer noch feuchten Böden verlangen uns einiges ab. In diesem Artikel nehme ich euch mit in unseren Stallalltag im Frühling. Ich erkläre, warum wir jetzt öfter bürsten als reiten, warum wir Zäune kontrollieren wie Sicherheitsbeamte und was ihr als Eltern beachten müsst, damit eure Kinder (und unsere Ponys) gesund durch diese wilde Jahreszeit kommen.

Kurz gesagt: Frühling ist toll, aber kein Automatismus. Wer vorbereitet ist, hat weniger Stress und gesündere Ponys — und damit glücklichere Kinder.

Der Fellwechsel: Ein Kraftakt für den Organismus

Habt ihr schon mal einen dicken Daunenmantel getragen, während die Sonne rauskam? Man schwitzt, es juckt, man will das Ding nur noch loswerden. Genau so geht es den Ponys. Der Fellwechsel vom Winter- zum Sommerfell ist physiologisch Schwerstarbeit. Der Körper muss Millionen neuer Haare produzieren und die alten abstoßen. Das kostet Energie, Eiweiß und Mineralstoffe (vor allem Zink). Viele Ponys sind in dieser Zeit etwas schlapper als sonst oder – paradoxerweise – gereizter, weil die Haut juckt.

Was wir tun:

  1. Bürsten, bürsten, bürsten: Wir helfen den Ponys, die alte Wolle loszuwerden. Für Kinder ist das ein Riesenspaß (“Es schneit Pferdehaare!”).
  2. Vogelservice: Wir werfen das ausgekämmte Fell nicht weg, sondern hängen es in Büschen auf. Die Meisen und Spatzen holen es sich polstern damit ihre Nester. Ein wunderbarer Kreislauf, den man Kindern zeigen kann.
  3. Hautkontrolle: Unter dem dicken Winterfell verstecken sich gerne kleine Verletzungen oder Parasiten (Haarlinge), die man vorher nicht gesehen hat. Jetzt kommt alles ans Licht.

Tipp für Eltern: Zieht euch keine Fleece-Jacken an, wenn ihr zum Stall kommt. Pferdehaare im Fellwechsel bohren sich in Fleece und gehen nie wieder raus. Glatte Stoffe sind jetzt eure besten Freunde.

Der Kampf gegen den Matsch (Mauke-Alarm)

Der April macht, was er will. Mal regnet es, mal scheint die Sonne. Die Böden sind oft tief und matschig. Für Pferdebeine ist das eine Herausforderung. Die Kombination aus Nässe und bakterieller Belastung im Matsch kann zu Mauke führen. Das ist eine Hautentzündung in der Fesselbeuge. Es bilden sich Krusten, die Haut rötet sich, das Bein schwillt an. Besonders unsere Tinker mit ihren puscheligen Fesseln sind gefährdet, weil sich die Feuchtigkeit dort hält wie in einem nassen Schwamm.

Unsere Routine:

  • Beine kontrollieren: Nach jeder Stunde schauen wir in die Fesselbeuge.
  • Nicht zu viel waschen: Viele waschen die Beine jeden Tag ab. Das macht die Hautbarriere kaputt. Besser: Den Matsch trocknen lassen und dann abbürsten.
  • Trockene Bereiche schaffen: Wir achten penibel darauf, dass die Liegeflächen im Stall trocken sind, damit die Hufe nachts abtrocknen können.

Das Anweiden: Geduld ist eine Tugend

Ich habe dazu einen eigenen ausführlichen Artikel geschrieben (siehe “Anweiden Schritt für Schritt”), aber hier die Kurzform, weil es das wichtigste Frühlingsthema ist. Wenn das Gras grün wird, wollen die Ponys raus. Sofort. Aber der Pferdemagen ist noch auf “Wintermodus” (Heu) eingestellt. Würden wir sie jetzt einfach rauslassen, riskieren wir tödliche Koliken oder Hufrehe. Deshalb heißt es im Frühling: Stoppuhr statt Gefühl. Wir starten mit 10 Minuten. Dann 15. Dann 20. Das ist für Kinder oft schwer zu verstehen (“Warum muss Moritz schon wieder rein?”). Hier erklären wir: “Sein Bauch muss erst lernen, das grüne Gras zu verdauen. Sonst bekommt er Bauchweh wie du, wenn du zehn Tafeln Schokolade isst.”

Der Zaun-Check: Bevor das erste Pony raus darf, laufen wir jeden Meter Zaun ab. Hat der Schnee Pfosten gelockert? Haben Rehe im Winter Isolatoren abgerissen? Ist Strom drauf? Das ist eine tolle Aufgabe für Kindergruppen: “Wer findet die kaputte Stelle?” Wir machen daraus eine kleine Detektiv-Wanderung.

Frühjahrsputz im Stall: Alles muss raus

Nicht nur zu Hause wird geputzt, auch bei uns. Der Winterdreck muss weg.

  • Decken waschen: Die dicken Winterdecken werden gewaschen, imprägniert und mottensicher verpackt.
  • Lederpflege: Durch die feuchte Winterluft setzen Sattel und Trensen manchmal Schimmel an oder werden steif. Wir machen große “Sattelpflege-Tage”. Alle sitzen zusammen, fetten Sättel ein, erzählen Geschichten. Das Leder wird wieder weich und geschmeidig.
  • Wassereimer schrubben: Algen wachsen jetzt schneller. Die Tröge müssen öfter gereinigt werden.

Mitmach-Aktion: Eltern fragen oft: “Können wir helfen?” Ja! Einmal im Jahr machen wir einen großen “Rama Dama” Tag. Wir streichen Zäune, kehren Spinnweben weg, pflanzen Blumen in die Blumenkästen. Das stärkt die Gemeinschaft ungemein. Man schwitzt zusammen, isst danach Pizza und sieht: “Das ist der Ponyhof.”

Kinderprogramm im Frühling: Raus ins Gelände

Im Winter sind wir viel in der Halle oder auf dem Platz. Im Frühling zieht es uns raus. Die ersten Ausritte sind etwas Besonderes. Die Ponys sind oft guckiger (schreckhafter). Ein Busch, der im Winter kahl war, hat jetzt Blätter und bewegt sich im Wind. “Huch, ein Monster!” denkt das Pony. Wir üben mit den Kindern:

  • Vorausschauend reiten.
  • Dem Pony Sicherheit geben.
  • Singen! (Wer singt, atmet weiter und entspannt sich).

Wir nutzen die Natur als Klassenzimmer. “Welche Blumen blühen da?” (Löwenzahn, Gänseblümchen). “Darf das Pony das fressen?” Wir sammeln Kräuter für das Pferdefutter (Brennesseln trocknen wir).

Tipps für Eltern: Zwiebellook und Pollen

Der Frühling ist tückisch. Morgens um 9 Uhr sind es 5 Grad, mittags um 12 Uhr sind es 20 Grad. Das klassische Bild: Ein Kind kommt im Schneeanzug und bekommt einen Hitzschlag. Oder es kommt im T-Shirt und friert.

Die Zwiebel-Taktik:

  • Schicht 1: Unterhemd/T-Shirt.
  • Schicht 2: Dünner Pulli.
  • Schicht 3: Fleecejacke/Weste (die man leicht ausziehen kann).
  • Schicht 4: Winddichte Jacke.

So kann man Schicht für Schicht pellen, je nachdem wie sehr man sich gerade bewegt.

Allergien: Pferdestaub plus Birkenpollen ist für Allergiker-Kinder eine harte Mischung. Vergesst die Augentropfen/Medikamente nicht. Eine Sonnenbrille hilft nicht nur gegen Sonne, sondern hält auch Pollen von den Augen fern. Und: Nach dem Stallbesuch Hände waschen und Gesicht abspülen, bevor man sich ins Auto setzt und die Augen reibt.

Checkliste für den März/April

Hier ist unsere interne Liste, die ihr gerne für euch nutzen könnt:

  • Gummistiefel auf Dichtheit prüfen (nasse Socken sind doof).
  • Sonnencreme einpacken (die Frühlingssonne unterschätzt man oft).
  • Zeckenschutz! (Sobald es über 7 Grad hat, sind die Zecken wach. Absuchen nach dem Stallbesuch ist Pflicht).
  • Genießen. Einfach mal stehen bleiben, die Augen schließen und den Frühling riechen.

Kontakt Lust auf Frühlingsluft?

Wenn ihr den Frühling mal nicht im Stadtpark, sondern zwischen Pferdenasen erleben wollt: Meldet euch. Wir sind viel draußen und freuen uns über kleine und große Besucher, die mit uns die Sonne genießen.

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